ZB 4 / 2005
Beispiele aus der Praxis
„Die Gebärdensprache ist meine Muttersprache“

| Bild: Michaela Spronk | Michaela Spronk hat als Gehörlose eine Ausbildung zur Informatikkauffrau gemeistert. Der Lohn ist eine Anstellung als Energieabrechnerin.

Nach ihrem Abitur an einer Schule für hörbehinderte Menschen hat sich Michaela Spronk im Jahr 2001 beim Energieversorger EnBW in Karlsruhe um einen Ausbildungsplatz als Informatikkauffrau beworben. „Niemand hat geglaubt, dass ich eine Chance habe – außer mir selbst!“, erinnert sich die gehörlose junge Frau. Doch das gute Zeugnis und ihr engagiertes Auftreten überzeugten ihren zukünftigen Arbeitgeber.

„Als ich dann bei EnBW mit der Ausbildung anfing, hatte ich zunächst Angst vor der Kommunikation mit den Kollegen“, so die 26-Jährige. Unterstützung bekam sie vom Ausbildungsbeauftragten bei EnBW, Arno Heneka, der den Integrationsfachdienst in Karlsruhe einschaltete.

| Bild: Ulla Girzalsky im Gespräch mit Michaela Spronk | Die zuständige Fachberaterin Ulla Girzalsky organisierte als Erstes ein Einführungsseminar für Michaela Spronk und ihre Kolleginnen und Kollegen, die dadurch gleich zu Anfang Unsicherheiten im Umgang miteinander abbauen konnten. Außerdem vermittelte sie eine Gebärdensprachdolmetscherin für wichtige Schulungen oder Einweisungen im Rahmen der Ausbildung sowie für die Prüfungen.

„Für Gehörlose ist die Gebärdensprache die Muttersprache. Und wer würde es nicht vorziehen, komplizierte Sachverhalte in seiner Muttersprache erklärt zu bekommen?“, so Arno Heneka.

Die Dolmetschereinsätze sowie technische Hilfsmittel für die Ausbildung, zum Beispiel ein PC-Lernprogramm für gehörlose Menschen,und das Unterstützungsangebot des Integrationsfachdienstes wurden teils durch die Arbeitsagentur und teils durch das Integrationsamt beim ehemaligen Landeswohlfahrtsverband Baden in Karlsruhe finanziert.

Michaela Spronk meisterte nicht nur die technische Seite der Ausbildung mit Bravour, zum Beispiel als sie die komplette Neuerstellung eines Web-Auftritts für ein internes Projekt übernahm. Auch der Kontakt zu Kunden funktionierte nach kurzer Gewöhnungsphase meist problemlos – und zwar per E-Mail statt Telefon. „Es ist für mich natürlich einfacher, mich in ,meiner’ Welt, der der Gehörlosen, aufzuhalten. Dort habe ich viele Freunde und das Kommunizieren ist für mich viel leichter und lockerer. Aber ich will etwas erreichen und dazu muss ich mich in der Welt der Hörenden zurechtfinden. Deshalb bin ich glücklich über meine Arbeit bei EnBW.“

Im Juni 2004 hat Michaela Spronk ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Nach einer Übergangsbeschäftigung erhielt sie im Januar 2005bei der Regionalvertretung KBG/EnBW-Gesellschaft eine auf zwei Jahrebefristete Anstellung als „kaufmännische Angestellte Kontokorrent“.
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