ZB 4 / 2004
Interview: "Näher an die Praxis und an den Kunden"
| Bild: Dr. Helga Seel
Dr. Helga Seel
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Was soll sich zukünftig ändern? Dazu eine Stellungnahme von Dr. Helga Seel, Mitglied des Vorstandes der BIH.

ZB: Warum hat die BIH eine Bildungsbedarfsanalyse in Auftrag gegeben?

Dr. Helga Seel: Ich will hier zwei Gründe nennen: Erstens hat sich die Bildungslandschaft verändert. Es werden neue Lernmethoden angewendet, neue Medien eingesetzt und die Anforderungen und Ansprüche von Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben sich geändert. Hier stellen sich die Integrationsämter die Frage, ob ihr Bildungsangebot zeitgemäß ist.

Zweitens haben wir einen klaren gesetzlichen Auftrag, nämlich den Schwerbehindertenvertretungen, den Betriebs- und Personalräten sowie den Arbeitgeberbeauftragten die Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben brauchen. Hier interessiert vornehmlich, ob uns dies mit den Seminaren und sonstigen Angeboten gelingt und ob das Informations- und Seminarangebot den Bedürfnissen entspricht. Die Erkenntnisse, die wir aus der Untersuchung gewinnen, sollen unsere Bildungsarbeit verbessern und weiterbringen.

ZB: Welches sind Ihrer Einschätzung nach die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie? Gab es Ergebnisse, die Sie überrascht haben?

Dr. Seel: Zunächst einmal ist es erfreulich, dass wir einen so guten Rücklauf auf die Befragung erhalten haben. Es wurden insgesamt 1.327 Schwerbehindertenvertretungen, 836 Beauftragte des Arbeitgebers schriftlich und 750 Personalverantwortliche sowie 750 Betriebs- und Personalratsmitglieder telefonisch befragt. Eine Rücklaufquote von über 40 Prozent ist ausgesprochen gut, das haben uns die Fachleute von infas bestätigt. Ich möchte allen danken, die uns durch ihre Mitwirkung unterstützt haben.

Ein wichtiges Ergebnis ist, dass bei Seminaren die Ausrichtung auf den jeweiligen Erfahrungshorizont der Teilnehmer als sehr wichtig bewertet wird. Es zeichnet sich ein Trend ab zu eintägigen Veranstaltungen. Die Nachfrage nach einem zeitnah abrufbaren Beratungsangebot bekommt eine immer größere Bedeutung. Ein hoher Stellenwert kommt auch dem Selbststudium zum Beispiel über Internet und über Publikationen zu.

Überrascht war ich, dass der Praxisbezug der Seminare als recht gering gewertet wird. Auch dass lediglich 15 Prozent der Beauftragten des Arbeitgebers das Bildungsangebot der Integrationsämter gut kennen.

ZB: Wo liegen die Stärken des Informations- und Bildungsangebots der Integrationsämter ...

Dr. Seel: Unsere Kernkompetenzen liegen bei den Themenbereichen: Gestaltung und Finanzierung von Arbeitsplätzen, Arbeitsbedingungen für schwerbehinderte Menschen, Präventionsmaßnahmen, SGB IX und Arbeitsrecht, Kündigungsschutz, Integrationsvereinbarung und zielgruppenspezifische Bildungsangebote. Über 70 Prozent der Befragten empfanden das zuletzt besuchte Seminar des Integrationsamtes als hilfreich. Wer das Integrationsamt bereits in Anspruch genommen hat, tut dies in der Regel nicht nur ein einziges Mal. Über alle vier befragten Zielgruppen hinweg berichten die Teilnehmer von durchschnittlich mehr als drei oder sogar vier Veranstaltungen – das spricht meines Erachtens für unsere Seminare.

ZB: ... und wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Dr. Seel: Nur einige Beispiele: Dass sich 80 Prozent im Umgang mit externen Stellen unsicher fühlen, muss uns aus zwei Gründen zu denken geben: zum einen unter Seminargesichtspunkten, zum anderen muss man zumindest mal die Frage nach der Kundenfreundlichkeit externer Stellen ansprechen. Wenn der Praxisbezug als besonders wichtig eingestuft wird, viele unserer Seminare aber nicht genug Praxisbezug haben, dann müssen wir das Bildungsangebot genau daraufhin überprüfen und die Praxisnähe verstärken. Wenn festgestellt wird, dass wir von den Zielgruppen der Betriebs- und Personalräte, der Beauftragten des Arbeitgebers und der Personalverantwortlichen mit den Seminaren nur 13, 35 und knapp acht Prozent erreichen, obwohl diese Personenkreise neben den Schwerbehindertenvertretungen wichtige Schaltstellen sind, dann werden wir uns fragen, wie es uns in Zukunft gelingen kann, die genannten Personenkreise stärker anzusprechen.

ZB: Wie sieht die zukünftige Strategie aus? Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Dr. Seel: Da viele Menschen offensichtlich immer weniger Zeit für den Besuch von Seminaren aufbringen können und wollen und dem Selbststudium eine immer größere Bedeutung zukommt, erscheint es uns sinnvoll, das Internet-Angebot entsprechend auszubauen und zu optimieren. Außerdem lohnt es sich, das Angebot an Publikationen zu vergrößern. In dem Zusammenhang fand ich erfreulich, dass die ZB eine doch gut bekannte und geschätzte Zeitschrift ist. Die Nachfrage nach einem zeitnah abrufbaren und persönlichen Informations- und Beratungsangebot heißt, dass wir zum Beispiel die Möglichkeit einer Hotline prüfen müssen.

ZB: Welche konkreten Schritte sind geplant, um das Angebot an Information, Beratung und Bildung zu verbessern?

Dr. Seel: Das eben Gesagte ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den zahlreichen Feststellungen, die uns die Befragung geliefert hat. Die Auswertung enthält Hinweise, denen wir kurzfristig nachgehen werden, zum Beispiel die Optimierung des Internet-Angebots.

Andere Empfehlungen werden eher mittel- und langfristig umzusetzen sein. Die BIH hat über ihren Ausschuss „Schulungs- und Öffentlichkeitsarbeit“ eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die systematisch den Abschlussbericht der Bildungsbedarfsanalyse durcharbeitet und im Frühjahr 2005 Handlungsempfehlungen vorstellen wird.
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