ZB 2 / 2008

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Porträt: Karl-Friedrich Ernst
Karl-Friedrich Ernst
Vorsitzender der Bundes-
arbeitsgemeinschaft der
Integrationsämter und
Hauptfürsorgestellen
(BIH) in Karlsruhe
Jedem behinderten Bürger soll die gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht werden und er soll diese Chance auch wahrnehmen können, so die zentrale Botschaft von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz im Gespräch mit der ZB. Anders ausgedrückt: Mehr Menschen mit Behinderung sollen ihren Lebensunterhalt auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verdienen können.

Die Einstellung zählt! Gemeint ist damit zweierlei: Blinden und sehbehinderten Menschen zutrauen, dass sie im Beruf leistungsfähig sind, und ihnen eine Chance geben, damit sie dies beweisen können. Die Realität sieht leider oft anders aus: Nur etwa ein Drittel der Betroffenen hat einen Arbeitsplatz. Ein Grund dafür sind auch Vorbehalte und mangelnde Informationen auf Arbeitgeberseite, vor allem im Hinblick auf die Auswirkungen der Behinderung. Wie stark die Betroffenen durch ihre Sehschädigung beeinträchtigt sind, hängt nicht nur von den jeweiligen Einschränkungen ab, sondern auch davon, in welchem Umfang die Defizite durch andere Fähigkeiten, Hilfen und Strategien kompensiert werden können. So haben zum Beispiel in den vergangenen Jahren moderne technische Hilfsmittel blinden Menschen neue Berufsfelder erschlossen, die früher noch undenkbar waren, etwa im IT-Bereich.

Das Schwerpunktthema dieser Ausgabe informiert über Ursachen, Formen und Auswirkungen von Sehschädigungen sowie über Unterstützungsangebote und Leistungen für Betroffene und ihre Arbeitgeber. Die vorgestellten Praxisbeispiele, etwa der Bericht über eine blinde Sozialarbeiterin, zeigen in beeindruckender Weise, wie blinde und sehbehinderte Menschen im Arbeitsleben qualifizierte und verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen.

Seit vielen Jahren ist das immer weitere Ansteigen der Zahl derjenigen, die in eine Werkstatt für behinderte Menschen aufgenommen werden, ein ungelöstes sozialpolitisches Problem. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Gesucht werden Alternativen für Menschen, deren Leistungsfähigkeit die Eingliederung in eine Werkstatt nicht zwangsläufig erforderlich macht. Dies ist im Interesse der Betroffenen, aber auch der öffentlichen Haushalte. Unser Beitrag zur aktuellen Diskussion in dieser ZB wirbt für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und zeigt konkrete Lösungsansätze auf.


Karl-Friedrich Ernst
Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) in Karlsruhe


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