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Eine Arbeitsassistenz reicht Unterlagen an ZB  4/2006

Forschungsprojekt

Arbeitsassistenz

Die Leistung Arbeitsassistenz verbessert die beruflichen Chancen schwerbehinderter Menschen – so die Einschätzung von Betroffenen, die im Rahmen einer Studie befragt wurden.

Im Februar 2004 startete das Forschungsprojekt „Arbeitsassistenz zur Teilhabe“, das vom Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland in Köln in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen, BIH, durchgeführt wurde. Ziel der Studie war es zu überprüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Arbeitsassistenz* die beruflichen Chancen von schwerbehinderten Menschen verbessert und wie die Umsetzung der Leistung durch die Integrationsämter verläuft.

Die vorbereitenden Arbeiten wurden vom Integrationsamt in Köln übernommen, unterstützt durch eine von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Stelle. Das Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung an der Universität Hannover – ies – führte die Studie durch. Nach einer quantitativen Auswertung von 445 Fragebögen folgte eine telefonische Befragung von 126 Assistenznehmerinnen und Assistenznehmern, 81 Assistenzkräften und 50 Arbeitgebern von schwerbehinderten Menschen. Der Abschlussbericht mit den Ergebnissen der Befragung liegt nun vor.

Zahlen und Fakten

Die steigende Zahl von Antragstellern seit der Einführung eines Rechtsanspruchs auf Arbeitsassistenz im Oktober 2000 spiegelt das zunehmende Interesse an diesem Instrument wider. Von 2002 bis 2004war ein Anstieg von über 100 Prozent auf 878 Leistungsempfänger zu verzeichnen.**

Bei den befragten Assistenznehmern handelt es sich in der Mehrzahl um Männer (59,5 Prozent) mit einer Sehbehinderung (40,5 Prozent) oder einer Körperbehinderung (38,1 Prozent) im Alter zwischen 35 und 54 Jahren. Insgesamt weisen die Assistenznehmer ein hohes Bildungs- und Ausbildungsniveau auf. Eine beachtliche Anzahl von Assistenznehmern befindet sich in einer leitenden Position; viele sind selbstständig. Der bevorzugte Arbeitssektor ist der Dienstleistungsbereich. Die meisten Befragten sind im Öffentlichen Dienst beschäftigt und arbeiten 30 oder mehr Stunden in der Woche. Die Tätigkeitsfelder liegen zum Beispiel im pädagogischen, juristischen oder verwaltungstechnischen Bereich.
Knapp drei Viertel der Assistenzkräfte sind Frauen.

Bei den Hilfeleistungen, die von einer Assistenzkraft erbrachtwerden, handelt es sich um Tätigkeiten, die die eigentliche Kernarbeit des Assistenznehmers unterstützen. Das Spektrum reicht dabei von Mobilitätsassistenz, über Anreichen von Dingen und Büroorganisation bis zu Vorlesen von Texten und Unterstützung bei gezielter Kontaktaufnahme zu Kunden oder Arbeitskollegen.

Positive Gesamtbewertung

Die Möglichkeit, eine Arbeitsassistenz in Anspruch nehmen zu können, wird von den Assistenznehmern und Assistenznehmerinnen sehr begrüßt und positiv bewertet. Nach Einschätzung von fast 60 Prozent der Befragten, die bei vielen auf jahrelangen Erfahrungen im Erwerbsleben beruht, verbessern sich die Chancen von schwerbehinderten Menschen auf dem Arbeitsmarkt durch eine Arbeitsassistenz sehr. Hinsichtlich der Chancen auf einen Ausbildungsplatz fällt die Einschätzung noch positiver aus. Als Begründungen wurden zum Beispiel genannt.

 

  • Die Arbeitsleistung des Assistenznehmenden verbessert sich.
  • Mit einer Assistenzkraft ist eine Berufstätigkeit erst möglich.
  • Die Integration des Betroffenen in den Betrieb wird durch eine Arbeitsassistenz gefördert.
  • Die Arbeitssituation wird erleichtert.

Die Arbeitgeber bestätigen die positive Einschätzung, auch wenn sie sich insgesamt zurückhaltender zeigen: 48 Prozent sind der Meinung, dass durch eine Arbeitsassistenz die Chancen schwerbehinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt deutlich steigen. Sie geben an, dass die Bereitschaft,schwerbehinderte Menschen mit einer Assistenzkraft einzustellen, wächst, wenn gängige Vorbehalte, zum Beispiel hinsichtlich der Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen sowie des organisatorischen Aufwands einer Arbeitsassistenz, durch positive Erfahrungen ausgeräumt werden können. Mit der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Arbeitsassistenz sind zwei Drittel der Assistenznehmerinnen und Assistenznehmer zufrieden. Weitere 20 Prozent sind teilweise zufrieden.

Bewertung der Umsetzung

Das Interesse der Integrationsämter galt auch der Umsetzung. Die Befragung erbrachte sowohl Bestätigung als auch Kritik an der Umsetzung der Leistung Arbeitsassistenz.
So wurde zum Beispiel das Antragsverfahren als zu kompliziert und zu aufwändig beschrieben. Im Gegensatz dazu wird die Beratung durch das Integrationsamt überwiegend als hilfreich und qualitativ gut bewertet.
Die Bearbeitungsdauer der Anträge erscheint den meisten Assistenznehmern zu lang und damit der angespannten Arbeitsmarktsituation nicht angemessen. Tatsächlich aber dauert die Bearbeitung der Anträge bei mehr als 60 Prozent der Antragstellenden nur bis zu drei Monaten, womit den Empfehlungen der BIH gefolgt wird. Die Gründe für eine längere Bearbeitungszeit sind unterschiedlich und sowohl auf Bearbeitungsseite als auch bei den Antragstellenden zu suchen, wenn zum Beispiel erforderliche Unterlagen fehlen.
Die Nachweispflicht wird als „viel zu aufwändig“ und „lästig“ empfunden. Die Assistenznehmer haben je nach Kostenträger und Bundesland Nachweise, wie Stundenzettel, Quittungen oder Überweisungsbelege, zu erbringen.
Die Uneinheitlichkeit der Umsetzung des Rechtsanspruchs je nach Kostenträger und Bundesland irritiert und verärgert die Antragsteller. Offensichtlich gestalten sich der Entscheidungsspielraum und die Umsetzungspraxis in unterschiedlicher Weise.
Obwohl das Prinzip der Einzelfallentscheidung in der Antragsbearbeitung gilt, scheint bei mehr als 15 Prozent der Assistenznehmer ein anderer Eindruck vorzuherrschen. Sie fordern eine „Budgetierung nach individuellem Bedarf“.
Das bewilligte Budget entspricht in den meisten Fällen, bei über 60 Prozent der Antragstellenden, genau der beantragten Höhe und wird mehrheitlich als ausreichend bewertet.

Wertvolle Rückmeldung

Mit den Ergebnissen der Studie haben die Integrationsämter eine wertvolle Rückmeldung bekommen. Die Studie bestätigt,dass sich Arbeitsassistenz als ein geeignetes Instrument der Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben erwiesen hat. Die im Abschlussbericht enthaltenen Empfehlungen zielen vor allem auf eine Vereinfachung des Verfahrens. Die Integrationsämter werden sich in einem Workshop eingehend mit den Ergebnissen der Studie auseinandersetzen und aus den Schlussfolgerungen ableiten, wo sich Verbesserungsbedarf bei der Anwendung des Instrumentes ergibt. Da, wo die Studie die Annahmen bestätigt, wird es um die Stärkung des Ansatzes gehen.



* Darunter fällt nicht die personelle Unterstützung,wie sie in vielen Fällen von den Betrieben und Dienststellen zur Verfügung gestellt wird und für die Arbeitgeber finanzielle Leistungen des Integrationsamtes erhalten.
** laut Jahresbericht der BIH 2004/2005

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.