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ZB 2-2015

Aufstiegsfortbildung

Zeigen, was möglich ist

Der 31-jährige Daniel Kinnback qualifiziert sich in Hessen zum Logistikmeister. Der gehörlose Mann arbeitet bei Volkswagen. Damit er sich gut auf die IHK-Fortbildungsprüfungen vorbereiten kann, steht ihm ein Gebärdensprachdolmetscher zur Seite.

Daniel Kinnback an seinem Arbeitsplatz bei Volkswagen, (c) Karsten Socher
Daniel Kinnback ist die erste gehörlose Person im Bereich der Aufstiegsfortbildung der IHK Kassel-Marburg, (c) Karsten Socher
Daniel Kinnback zeigt, was in ihm steckt. Das gilt für den Sport: Der 31-Jährige spielt in der Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen. Das gilt aber auch für seinen Beruf. Derzeit bildet er sich zum Meister fort – als erster gehörloser Mensch im Bereich der Aufstiegsfortbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg. Daniel Kinnback ist von Geburt an gehörlos. Seit 2000 arbeitet er als Lagerist bei Volkswagen im hessischen Baunatal. Die Kommunikation mit seinen Kollegen funktioniert reibungslos – ihm hilft ein Hörgerät, er liest von den Lippen ab, und wenn er trotzdem etwas nicht versteht, fragt er einfach nach.

Gemeinsame Suche nach Lösungen Weil er beruflich mehr erreichen wollte, begann er Ende 2013 die Fortbildung zum geprüften Logistikmeister. "Ich wollte sehen, wie weit ich trotz meiner Schwerhörigkeit komme. Und ich wollte zeigen, dass alles möglich ist", sagt er. Bei der Meisterschulung tauchten jedoch Schwierigkeiten auf. Je komplexer die Schulungsinhalte wurden, desto schwerer fiel es ihm, den gesprochenen Ausführungen der Dozenten zu folgen. Außerdem konnte Daniel Kinnback nicht verstehen, was Mitschüler hinter ihm mündlich zum Unterricht beitrugen. "Deshalb habe ich mich mit der Schwerbehindertenvertretung bei Volkswagen, der IHK und dem Integrationsamt besprochen. Wir haben gemeinsam Lösungen gefunden", berichtet Daniel Kinnback.

Daniel Kinnback im Gespräch mit deiner SBV, (c) Karsten Socher
Im Betrieb kann sich Daniel Kinnback ohne Dolmetscher verständigen, (c) Karsten Socher
Finanzielle Förderung
"Wir fördern die behinderungsbedingten Mehrkosten der Fortbildung", erklärt Rita Hesse-Brand vom LWV Hessen Integrationsamt. Dazu gehörte bei Daniel Kinnback die Finanzierung einer Mikroport-Anlage. Diese überträgt die Ausführungen der Dozenten direkt auf das Hörgerät des 31-Jährigen. Außerdem übernahm das LWV Hessen Integrationsamt die Kosten für einen Gebärdensprachdolmetscher. Mit dessen Hilfe konnte Daniel Kinnback auch den Diskussionen seiner Mitschüler folgen und sich so besser auf die Prüfungen vorbereiten.

Textoptimierte Prüfungsfragen Im Frühjahr 2014 absolvierte Daniel Kinnback erfolgreich den ersten Teil seiner Meisterprüfung. Auch dabei stand ihm ein Gebärdensprachdolmetscher zur Seite. Um dem gehörlosen Meisteranwärter gleiche Chancen zu ermöglichen, organisierte die IHK Kassel-Marburg eine spezielle Aufbereitung der Prüfung: Sie ließ die schriftlichen Fragen vom Institut für Textoptimierung in Halle (Saale) in eine für gehörlose Menschen verständliche Sprache umformulieren und übernahm die Kosten dafür. "Wir tragen als Prüfungsinstanz Verantwortung, dass auch schwerbehinderten Berufstätigen der berufliche Aufstieg offen steht", betont Dr. Wilhelm Hirschmann, Leiter des Bereichs Prüfungen/Weiterbildung der IHK Kassel-Marburg. Noch ist die Weiterbildung des 31-jährigen VW-Mitarbeiters nicht abgeschlossen. Doch wenn alles nach Plan läuft, nimmt Daniel Kinnback im Januar 2016 als erster gehörloser Beschäftigter in seinem Bezirk die Urkunde als "Geprüfter Logistikmeister" entgegen.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.