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Behinderung
&
Beruf

ZB 4/2007

Qualifizierung am Arbeitsplatz

Betriebliches Arbeitstraining

Beim betrieblichen Arbeitstraining werden behinderte Menschen unmittelbar an ihrem Arbeitsplatz qualifiziert. Es dient dazu, Schwierigkeiten bei der Bewältigung beruflicher Aufgaben zu überwinden oder neue Ziele zu verwirklichen.

Coaching ist in. Zumindest unter Führungskräften ist es schon fast selbstverständlich, die berufliche Karriere mit Hilfe eines professionellen Trainers gezielt zu fördern. Während Hilfe in Anspruch zu nehmen früher eher als Ausdruck von Schwäche angesehen wurde, ist Coaching heute der Inbegriff einer modernen Personalentwicklung. Einige Integrationsämter haben die Vorteile eines individuellen Trainings für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen früh erkannt. Im Rahmen der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben fördern sie Maßnahmen, die als betriebliches Arbeitstraining, Job-Coaching oder Training-on-the-job bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um eine arbeitsbegleitende Qualifizierung schwerbehinderter Menschen an ihrem Arbeitsplatz.

Training:
individuell und arbeitsbezogen

Ziel des betrieblichen Arbeitstrainings ist es, behinderten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern arbeitsrelevante Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, ihre Arbeitsleistung zu verbessern und die Beschäftigung zu sichern. Anlass für den Einsatz eines Arbeitstrainings können allgemeine Probleme am Arbeitsplatz oder die Einführung einer neuen Technologie sein, genauso wie eine innerbetriebliche Versetzung oder die Einarbeitung in eine Helfertätigkeit. Jede Trainingsmaßnahme wird passgenau auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters und des Betriebes zugeschnitten. Das heißt, die Inhalte und Methoden können je nach beruflicher Tätigkeit und Behinderung ganz verschieden aussehen. In einem Fall vermittelt der Trainer vielleicht durch die 4-Stufen-Unterweisung – vormachen, nachmachen, kontrollieren, üben – wie eine neue Maschine bedient wird. In einem anderen Fall kann es darum gehen, die Arbeitsorganisation zu verbessern, indem gemeinsam ein Arbeitsplan erstellt wird. Oder der behinderte Mitarbeiter übt im Rollenspiel, Telefongespräche mit Kunden serviceorientiert zu führen.

Trainer:
anleiten und vermitteln

Betriebliches Arbeitstraining wird in Deutschland in sehr unterschiedlichen Strukturen angeboten. Bei den Integrationsämtern klären die zuständigen Fachkräfte vor Ort, ob Bedarf für eine Trainingsmaßnahme besteht und wie dieser genau aussieht. Gemeinsam mit dem Arbeitgeber und dem schwerbehinderten Mitarbeiter werden die Eckpunkte der Maßnahme vereinbart, also Ziele sowie Beginn und Dauer. Für die Durchführung des betrieblichen Arbeitstrainings beauftragt das Integrationsamt professionelle Trainer mit Kenntnissen über die Auswirkungen von Behinderungen, überwiegend Ergotherapeuten. Meistens bringen diese auch berufliche Fachkenntnisse aus einem Erstberuf mit, zum Beispiel als Handwerker, Bürokauffrau oder EDV-Spezialist.


Im Durchschnitt dauert ein Arbeitstraining drei bis sechs Monate. Während dieser Zeit versucht der Trainer, die Arbeitsleistung des Mitarbeiters Stück für Stück zu steigern: Mehrere Stunden in der Woche arbeitet er mit – anfangs mehr, später immer weniger. Arbeitstrainer übernehmen einerseits die Rolle des Anleiters, andererseits die des Vermittlers zwischen dem behinderten Mitarbeiter und dem Betrieb. Wenn alle Beteiligten konstruktiv mitarbeiten, sind die Aussichten auf Erfolg groß.









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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.