Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

Behinderte Mitarbeiter in der Landwirtschaft ZB 4/2007

Arbeitsplätze in der Landwirtschaft

Bundesweites Beratungsnetz geplant

Arbeiten auf dem Bauernhof – kommt das für behinderte Menschen überhaupt in Frage? Es spricht einiges dafür, gerade bäuerlich geprägte Betriebe als potenzielle Arbeitgeber stärker in den Blick zu nehmen

 

In und mit der Natur arbeiten: das wünschen sich auch viele behinderte Menschen. „Für sie sind vielseitige landwirtschaftliche Betriebe ideal“, erklärt Dr. Robert Hermanowski, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Frankfurt am Main. Denn ihre entsprechenden Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen bieten behinderten Menschen zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten: zum Beispiel im Gemüsebau, in der Tierhaltung, in einem Hofladen und in der hofeigenen Käserei. Im Gegensatz zu hoch technisierten Ackerbaubetrieben gibt es auf diesen Bauernhöfen zudem mehr Tätigkeiten für ungelernte Arbeitskräfte. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie als Familienbetriebe die soziale Integration der Betroffenen erleichtern können. Nicht zuletzt ist auch die Bereitschaft, mit behinderten Menschen zusammenzuarbeiten, vielfach vorhanden.

Problem:
geeignete Mitarbeiter finden

Während bundesweit die Werkstätten für behinderte Menschen rund 5.000 Mitarbeiter in ihren land- und gartenbaulichen Arbeitsbereichen beschäftigen, arbeiten in den landwirtschaftlichen Betrieben des ersten Arbeitsmarktes nur vereinzelt behinderte Menschen. „Wichtigstes Hindernis ist nach unserer Erfahrung die mangelnde wirtschaftliche Tragfähigkeit“, so Dr. Robert Hermanowski. In kleineren Betrieben muss oft die ganze Familie mit anpacken. Viele kämpfen darum, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern. In einer solchen Situation ist die Beschäftigung eines schwerbehinderten Menschen, dessen Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist und der vielleicht persönlich betreut werden muss, schwierig. Ein weiteres Problem ist oft die Abgelegenheit der Höfe, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln selten erreichbar sind.

Ziel:
Beratungsnetzwerk

Viele landwirtschaftliche Betriebe, die bereit sind, einen schwerbehinderten Menschen zu beschäftigten, fühlen sich mit diesen Problemen allein gelassen: Wo einen geeigneten Mitarbeiter finden? Wie geht man mit der Behinderung um? Welche Unterstützungsleistungen gibt es und wo werden sie beantragt? Um potenzielle Arbeitgeber in der Landwirtschaft besser über die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu informieren und zu beraten, etwa über individuelle Möglichkeiten der Unterstützung und Förderung, hat FiBL mit den Integrationsämtern bei den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe sowie mit weiteren Partnern eine Initiative für Nordrhein- Westfalen gestartet, die vor allem – aber nicht nur – Öko-Betriebe anspricht.

Ziel ist es nun, bundesweit ein Netzwerk von bereits vorhandenen Beratungseinrichtungen, wie den Landwirtschaftskammern, aufzubauen. Auf diese Weise soll zum Beispiel die Vermittlung von Arbeitskräften erleichtert und besser über verschiedene Beschäftigungsformen informiert werden. Denn neben sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen kommen auch Außenarbeitsplätze für Werkstattbeschäftigte oder die Beschäftigung behinderter Menschen im Rahmen einer therapeutischen Maßnahme, zum Beispiel bei einer psychischen Erkrankung, in Frage.

Mehr Informationen

... zur Beschäftigung behinderter Menschen in der Landwirtschaft gibt es im Internet unter www.gruene-werkstatt.de oder direkt bei robert.hermanowski@fibl.org

 

 

 

 

 

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2019 2018 2017 2016
2015 2014 2013 2012
2011 2010 2009 2008
2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.