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ZB 3-2020


Corona-Pandemie

Inklusionsbetriebe in der Krise


Genauso wie andere Unternehmen spüren auch Inklusionsbetriebe die
Auswirkungen der Corona-Pandemie. In den vergangenen Jahren haben die
Integrationsämter viel in ihren Aufbau investiert, nun kämpfen sie für ihren Erhalt.

Bunte Mund-Nasen-Schutzmasken, © istock/artPhoto
Schutz und Stabilität: Der Bund hat zusätzliche Finanzhilfen für Inklusionsbetriebe beschlossen, © istock/artPhoto
Auch in dieser Krise gibt es sie: Erfolgsmeldungen, die Mut machen. Für gute Nachrichten sorgen zum Beispiel die Inklusionsbetriebe AIZ und WASNI aus Baden-Württemberg. Entgegen dem allgemeinen Trend freuen sie sich über volle Auftragsbücher und gute Umsatzzahlen (siehe nebenstehende Berichte). Damit bilden sie derzeit aber die Ausnahme.
„Andererseits sind sie typisch für die positive Entwicklung der Inklusionsbetriebe, die sich in den vergangenen zehn Jahren zunehmend
professionalisiert und zu erwerbsorientierten Wirtschaftsunternehmen gemausert haben”, sagt Bernhard Pflaum. Nicht viele kennen sich in der Szene der ”Inklusionsbetriebe so gut aus wie der Leiter des Referats Inklusionsbetriebe, Förderung selbstständiger Tätigkeit” beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS). Auch weil er als Vorsitzender des BIH-Ausschusses ”Inklusionsbetriebe” die bundesweite Situation im Blick hat.

Ein Fünftel stark angeschlagen In Deutschland gibt es aktuell etwa 900 Inklusionsbetriebe mit rund30.000 Beschäftigten, darunter fast 13.000 schwerbehinderte Menschen, auch mit höherem Unterstützungsbedarf. Neben ihrem sozialen Auftrag " der Beschäftigung eines hohen Anteils an schwerbehinderten Menschen " müssen sie sich im Wettbewerb behaupten. Inklusionsbetriebe sind also Marktteilnehmer wie andere Unternehmen auch. Deshalb sind sie in gleicher Weise von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie betroffen.Was das konkret bedeutet, haben Bernhard Pflaum und sein Team Ende Mai 2020 für ihr Bundesland erhoben. Das Ergebnis: Etwa ein Fünftel der Unternehmen war wirtschaftlich so stark angeschlagen, dass offen war, ob sie die Krise überleben werden. Zwei Fünftel machten Umsatzrückgänge und Kurzarbeit zu schaffen, ihre Existenz war aber nicht unmittelbar bedroht. Ebenfalls zwei Fünftel gaben ” grünes Licht”: Sie waren von der Krise nicht betroffen.

100-Millionen-Euro-Programm „Die Zahlen aus Baden-Württemberg lassen sich zwar nicht eins zu eins auf den Bund übertragen, aber sie zeigen eine Tendenz”, erklärt Bernhard Pflaum. Die Integrations- und Inklusionsämter tauschen ihre Erfahrungen regelmäßig auf BIH-Ebene aus. In den vergangenen Jahren haben sie viel Geld in den Aufbau der Inklusionsbetriebe investiert, jetzt setzen sie sich mit Nachdruck für deren Erhalt ein. So haben sie länderspezifische Regelungen und teilweise auch Förderprogramme aufgesetzt.Um die Folgen der Corona-Pandemie bewältigen zu können, benötigt die Wirtschaft zweierlei: Liquiditätshilfen und Investitionsförderung. Darum hat der Bund einen Rettungsschirm gespannt. Ein Konjunkturpaket mit Finanzhilfen für die Monate Juni bis August 2020 erfasste auch die mehrheitlich gemeinnützigen Inklusionsbetriebe. Darüber hinaus will der Bund Mitte September 2020 ein 100-Millionen-Euro-Programm zur Stabilisierung der Inklusionsbetriebe und weiterer Einrichtungen bereitstellen. „Die Integrationsämter leisten im Rahmen ihrer Möglichkeiten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Inklusionsbetriebe”, betont Bernhard Pflaum.

Gezielte Hilfen der Integrationsämter Zur Sicherung der Liquidität verzichten viele Integrationsämter bei Kurzarbeit auf eine Kürzung der laufenden Lohnkostenzuschüsse. Das heißt: Beschäftigungssicherungszuschüsse und Leistungen für personelle Unterstützung von schwerbehinderten Mitarbeitern werden unabhängig von der tatsächlichen Arbeitszeit weiterhin zu 100 Prozent ausgezahlt. Dazu kommen Zuschüsse und Darlehen zur Investitionsförderung. Denn für den Neustart nach dem ”Shutdown” " also dem behördlich angeordneten Herunterfahren des öffentlichen Lebens " brauchen die Betriebe Geld: für Lieferanten, für das Umsetzen aufwendiger Hygienemaßnahmen oder für das Erschließen neuer Geschäftsfelder. Dabei fördern die Integrationsämter nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern ganz gezielt. Auch der richtige Zeitpunkt spielt hier eine Rolle.Genau der ist aber im Moment schwierig einzuschätzen, weil sich die weitere Entwicklung kaum vorhersagen lässt. Sowohl was das Pandemie-Geschehen betrifft als auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Märkte. Eines ist hingegen sicher: Für viele Menschen mit Behinderungen sind Inklusionsbetriebe die einzige Chance auf Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt. Deshalb setzen die Integrationsämter alles daran, diese Arbeitsplätze zu erhalten.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.