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Behinderung
&
Beruf

Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher ZB 1/2007

Schule trifft Arbeitswelt (2)

Die Vorbereitungen laufen ...

Vor ihrem Betriebspraktikum verbringen Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher von der Anna-Freud-Schule in Köln einige Schnuppertage in „ihren“ Kaufhof-Filialen.

Wie es begann ...
Im August 2006 haben die Anna-Freud- Schule in Köln und die Kaufhof Warenhaus AG eine „Lernpartnerschaft“ geschlossen. Ein Baustein dieser Zusammenarbeit ist ein dreiwöchiges Betriebspraktikum für vier körperbehinderte Schülerinnen und Schüler. Es gibt beiden Seiten die Gelegenheit zu testen: Die Jugendlichen können ihre Vorstellungen vom Beruf „Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel“ wie auch ihre persönlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten in der realen Arbeitswelt überprüfen. Das Unternehmen wiederum kann die Schüler kennen lernen, ohne sich im Hinblick auf einen Ausbildungsplatz festlegen zu müssen. Unter den Praktikanten der „Rheinischen Förderschule für Körperbehinderte mit Realschule und gymnasialer Oberstufe“ in Trägerschaft des Landesverbandes Rheinland sind Alexander Szabados und Katharina Aßenmacher aus Klasse 9. Sie beenden die Schule im nächsten Jahr mit der Fachoberschulreife, einem mittleren Bildungsabschluss.

Erstes Treffen im Betrieb
... oder: Wie hinterlässt man einen guten Eindruck?
Schon ein dreiviertel Jahr vor dem Betriebspraktikum begannen die Vorbereitungen. „Bei ihrem ersten Besuch im Betrieb, einem ,Vorstellungsgespräch’ bei der Geschäftsführung, haben wir die Schüler noch begleitet“, berichtet ihre Lehrerin, Marita Schütz, die mit ihrer Kollegin Gabriele Elias- Prohl für den Bereich Berufsorientierung an der Anna-Freud-Schule zuständig ist. Alexander Szabados stellte sich in der Kölner Galeria-Filiale Hohe Straße vor, Katharina Aßenmacher in der Filiale in Leverkusen.

„Wir haben vorher mit den Schülern ausführlich über das bevorstehende Treffen gesprochen: Wie verhalte ich mich richtig? Worauf soll ich bei meinem Äußeren achten? Was muss ich über das Unternehmen wissen? Kurz, wie kann ich einen guten Eindruck hinterlassen?“, so die Lehrerin. Die Schüler sollten auch Auskunft darüber geben können, was der Betrieb im Hinblick auf ihre Behinderung beachten muss. „Bei Alexander besteht die Gefahr, dass er überfordert wird, gerade weil man ihm seine Behinderung nicht ansieht. So können Zeitdruck und unklare Arbeitsanweisungen bei ihm Stress erzeugen, der sein Orientierungsvermögen beeinträchtigt“, erklärt Marita Schütz. Für Katharina, die schwerhörig ist, wird es nach Einschätzung ihrer Lehrerin in bestimmten Situationen problematisch, zum Beispiel, wenn mehrere Leute durcheinander reden oder wenn jemand aus größerer Entfernung ihr etwas zuruft.

Schnuppertage
... damit sich Schüler und Betrieb vor dem Praktikum kennen lernen
„Der Grund, warum das erste Treffen schon so früh stattfindet, ist der, dass sich Schüler und Betrieb vor dem Praktikum über einen längeren Zeitraum kennen lernen können“, erklärt Iris Zaft, Abteilungsleiterin Training & Beratung bei der Kaufhof Warenhaus AG, die alle Aktivitäten im Rahmen der Lernpartnerschaft zwischen Schule und Kaufhof koordiniert und organisiert. Die Gelegenheit dazu bieten einzelne Praxistage im Betrieb.

Mein erster Schnuppertag fand in den Sommerferien statt, der zweite an einem langen Samstag im Oktober und der dritte an einem Adventswochenende“, berichtet Katharina Aßenmacher und fügt hinzu: „Die Termine müssen wir selbstständig mit unserer Filiale vereinbaren. Wenn ich also einen Schnuppertag machen will, rufe ich einfach an.“ Alexander erinnert sich ebenfalls noch gut an seinen ersten Tag im Betrieb. Er meldete sich im Büro der Geschäftsleitung. Später lernte er seine Ansprechpartnerin während des Praktikums kennen: Ina Corte, Leitungsassistentin der Sportabteilung in der Kölner Galeria-Filiale Hohe Straße. Sie zeigte ihm den ganzen Betrieb, angefangen beim Personalbüro über die verschiedenen Abteilungen bis hin zum Lager. Danach erklärte sie ihm, welche verschiedenen Arbeiten an diesem Tag von den Mitarbeitern erledigt werden mussten:Sporttrikots nach Größe sortieren, an den Skijacken die Preisetiketten ändern, frisch gelieferte Kartons mit Inlineskates auspacken ...

„Am Anfang habe ich nur zugeschaut. Und die Kollegen haben mir erklärt, was sie gerade machen“, so Alexander Szabados. Später zeigte ihm Ina Corte, wie man einen Pullover richtig zusammenlegt. „Ich brauchte mehrere Anläufe, bis es wirklich ordentlich aussah“, gesteht der Jugendliche, der sich sehr für Mode interessiert. Katharina Aßenmacher war von Anfang an fasziniert von ihrem neuen Arbeitsplatz, der Spielwarenabteilung: die schillernd-pinkfarbig gestaltete Ecke mit den Barbie-Puppen, die riesige Regalwand mit Dutzenden von Plüschtieren oder der niedliche Kinderkaufladen.

Praktikumsleitfaden
... damit alle wissen,worauf während des Praktikums zu achten ist
Im Januar führte Iris Zaft Gespräche mit Mitarbeitern, die die behinderten Praktikanten betreuen. Dabei ging es um die Fragen: Was wollen wir den Schülern vermitteln? Und wie beziehen wir sie in unsere Arbeit ein? „Wir haben im Unternehmen einen allgemeinen Praktikumsleitfaden entwickelt, der konkret beschreibt, was die Schüler während ihres Praktikums kennen lernen und bei welchen Arbeitsgängen sie mithelfen sollen. Zum Beispiel erfahren sie, welche verschiedenen Arten der Warenauszeichnung es gibt, und sie lernen, selbstständig mit einem Scanner Preisänderungen zu erfassen“, so Iris Zaft. Es gibt auch Bereiche, zum Beispiel an der Kasse,wo die Praktikanten nicht eingesetzt werden. Dennoch wird ihnen erklärt, wie zum Beispiel die Handhabung der verschiedenen Zahlungsmittel funktioniert. Die Schüler sollen bewusst Kontakt zu den Kunden haben und in der Lage sein, deren Fragen zu beantworten.

Kontakt Schule-Betrieb
... damit alle Beteiligten auf dem aktuellen Stand sind und bei Bedarf reagieren können
„Wenn es etwas zu klären gibt, rufen wir uns einfach gegenseitig an“, beschreibt Marita Schütz den Kontakt zwischen den Ansprechpartnern in den Kaufhof-Filialen und der Schule. In den vergangenen Monaten waren es meist die Lehrerinnen, die bei den Geschäftsführern nachgefragt haben, ob die Schnuppertage aus Sicht des Betriebes gut verlaufen sind. „Natürlich sprechen wir auch immer wieder mit Katharina und Alexander. Wir kennen sie schon lange und sie haben Vertrauen zu uns. Deshalb würden sie uns auch von Problemen berichten.“

Doch bislang sind alle Beteiligten zufrieden und erwarten mit Spannung das bald beginnende Praktikum. Während des Praktikums werden die beiden Lehrerinnen der Anna-Freud- Schule die Schüler mehrmals in den Betrieben besuchen. Eine besondere Vorbereitung auf das Praktikum ist nach Ansicht von Marita Schütz nicht erforderlich.„Wenn Bedarf für zusätzlichen Förderunterricht besteht,werden wir dies nach dem Praktikum und dem Feedbackgespräch mit dem Betrieb erfahren.“ Jetzt gehe es eher darum, mit den Schülern über das richtige Verhalten zu sprechen, zum Beispiel: pünktlich sein, Kritik annehmen, sich trauen, Bescheid zu geben, wenn etwas nicht klappt.

Teil 1 der Serie
... ist erschienen in der ZB 4/2006.

WIE ES WEITER GEHT …
In der 3. Folge: Wie das dreiwöchige Betriebspraktikum vor den Osterferien verlief. Und welche Erfahrungen Katharina und Alexander dabei gesammelt haben ...

 

 


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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.