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Behinderung
&
Beruf

ZB 4-2016

Aktive Betriebsratsarbeit

Die Zukunft gestalten

Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Nur gemeinsam können Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Herausforderungen meistern. Betriebsräte sind oft die treibende Kraft – auch wenn es um Inklusion geht. Dazu ein Interview mit Markus Hofmann vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und Beispiele aus der Praxis.

Betriebsrat Harry Rosen und Schwerbehindertenvertreter Rico Weißflog im Gespräch vor dem Eingang des Eisenwerks Erla, (c) Wolfgang Schmidt
Ein erfolgreiches Team: Betriebsrat Harry Rosen (li.) und Schwerbehindertenvertreter Rico Weißflog aus Sachsen, (c) Wolfgang Schmidt
"Gerade in schwierigen Situationen braucht man einen Ansprechpartner, der für die Belegschaft sprechen kann", betonte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer auf dem Betriebsrätetag vergangenes Jahr in Bonn. Dass dieser sich  dort der Diskussion stellte, wertete der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann als ein Zeichen der Anerkennung für die Arbeit der Betriebsräte. Er unterstrich, dass die Interessenvertreter der Beschäftigten die Zukunft der Arbeit mitgestalten wollen: "Betriebsräte sind wichtige Akteure, um diese Prozesse auf die richtige Schiene zu bringen." Eine sicher nicht einfache, aber lohnende Aufgabe.

Vielfalt ist eine Lösung Die Zukunft der Arbeit wird bestimmt durch Megatrends: Der demografische Wandel beispielsweise führt zu einem Rückgang von Nachwuchs- und Fachkräften. Die Digitalisierung wiederum bewirkt gravierende Veränderungen bei Arbeitsprozessen und senkt in rascher Folge die Halbwertszeit von Wissen. Weitere Trends und Szenarien beschreibt das Bundesarbeitsministerium im "Grünbuch Arbeiten 4.0".

Eine Antwort auf diese Herausforderungen liegt für Professorin Dr. Jutta Rump in der Vielfalt einer Belegschaft. Die Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability der Hochschule  Ludwigshafen plädiert in einem Beitrag für das "DGUV Forum" (Ausgabe 5/2016) dafür, die Potenziale unterschiedlicher Interessengruppen zur Fachkräftesicherung auszuschöpfen – auch die von behinderten Menschen: "Dabei reicht es jedoch lange nicht aus, einen barrierefreien Zugang zum Arbeitsplatz zu schaffen." Notwendig seien eine Arbeitsorganisation, welche das individuelle Leistungsvermögen berücksichtigt, und eine Personalentwicklung, die sich an den Stärken der Mitarbeiter orientiert. Alles Maßnahmen, die Betriebsräte voranbringen können.

Inklusion – Arbeitsauftrag für Betriebsräte Das Betriebsverfassungsgesetz, das 2001 zuletzt novelliert wurde, beschreibt die Aufgaben des Betriebsrates. Danach soll er "die Eingliederung schwerbehinderter Menschen fördern". Inzwischen herrscht mit dem Leitbild der Inklusion ein moderneres Verständnis von Eingliederung vor. Es geht um das Selbstverständliche, das in der täglichen Praxis nicht ohne Anstrengung zu machen ist: Arbeitsplätze sichern, wenn im Berufsleben eine schwere Behinderung auftritt. Die individuelle berufliche Entwicklung unterstützen. Den beruflichen Wiedereinstieg fördern. Für junge Menschen mit Behinderung neue Zugänge schaffen zu Ausbildung und Beruf im Betrieb.

Inklusion bejaht die Vielfalt an individuellen Fähigkeiten. Sie steht für ein buntes, lebendiges Arbeitsklima und für eine soziale Unternehmenskultur als Leitbild. Dazu können Betriebsräte gemeinsam mit den Schwerbehindertenvertretungen einen wichtigen Beitrag leisten.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Rechte und Pflichten
Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung gibt es bundesweit 180.000 Betriebsräte. Sie vertreten 55 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland, in Klein- und Mittelbetrieben wird nur ein Drittel der Beschäftigten vertreten.

Über ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten aus dem Schwerbehindertenrecht informiert die Broschüre "Wegweiser SGB IX". Auch die Regelungen für Schwerbehindertenvertretungen, Arbeitgeber sowie schwerbehinderte Menschen sind dort zu finden.

Mehr unter:www.integrationsaemter.de/publikationen

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.