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Beruf

ZB 1-2015

Coworking

Ein Platz für kreative Netzwerker

Das Bremer Coworking-Projekt Weserwork ist bundesweit einmalig: Freiberufler aus allen Branchen arbeiten hier unter einem Dach. Im Büroalltag werden sie dabei von jungen Menschen mit Behinderungen unterstützt.

Marco Kreuzgraben im Gespräch mit seinem Vorgesetzten, (c) Jochen Stoss
„Marco Kreuzgraben ist ein tatkräftiger Mitarbeiter”, freut sich Geschäftsführer Bernhard Havermann (r.), (c) Jochen Stoss
Sara Rode arbeitet hoch konzentriert an ihrem Computer. Sie erstellt Gästelisten, recherchiert im Internet oder kümmert sich um Tabellen. Die 26-Jährige hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus. Trotz bester Noten fand die Kauffrau für Bürokommunikation nach ihrem Abschluss keinen Job. Heute ist sie eine von drei schwerbehinderten Menschen, die bei Weserwork arbeiten.

Sekretariatsservice Das bundesweit einmalige Projekt vereint Coworking und Inklusion unter einem Dach. Das bedeutet: Unternehmen und Freiberufler der verschiedensten Branchen können bei Weserwork Büroräume anmieten. Die Projektbetreiber stellen Tische, Stühle, WLAN und Konferenzräume, die Mieter bringen Laptop und Handy mit. Bei Bedarf können die Mieter einen Sekretariatsservice nutzen. Dort werden für sie Anrufe entgegengenommen, der Postversand erledigt oder Sitzungen vorbereitet. Diese Aufgaben übernehmen drei Menschen mit körperlicher oder seelischer Behinderung. Der 23-jährige Marco Kreuzgraben ist sehbehindert. Nach der Ausbildung bekam er nur Absagen. "Dabei ist er ein tatkräftiger Mitarbeiter, der kaum Unterstützung benötigt", sagt Bernhard Havermann, Geschäftsführer von Weserwork. Nur wenn Marco Kreuzgraben am Computer arbeitet, muss er sich die Schrift größer stellen.

So normal wie möglich Ganz ohne technische Arbeitshilfe arbeitet Tim Schröter, der hochgradig schwerhörig ist. Er braucht nur gelegentlich ein paar Sekunden Zeit, um sein Hörgerät auf unterschiedliche Gesprächssituationen einzustellen – etwa auf ein Telefonat. Sara Rode hingegen kann nicht alle Sekretariatsaufgaben übernehmen. "Sie ist in ihrer Kommunikation sehr verhalten. Der gleichzeitige Kontakt mit vielen Menschen versetzt sie schnell in Stress", sagt Bernhard Havermann. Ihre Stelle ist speziell auf ihre Stärken zugeschnitten, sie arbeitet viel und äußerst sorgfältig am Computer. Auch sie kommt bei der Arbeit ohne Unterstützung aus. "Unser Anspruch ist, alles so normal wie möglich laufen zu lassen", erklärt Bernhard Havermann.

Vorbildfunktion Das Konzept geht auf: "Für manche Mieter ist die Integration ein zusätzlicher Anreiz", sagt der Geschäftsführer. Es gibt inzwischen einige Mieter, die nach dem Vorbild von Weserwork selbst schwerbehinderte Menschen beschäftigen wollen. Und auch das Coworking-Projekt plant für die Zukunft. "Wenn wir weiter wachsen, wollen wir mehr schwerbehinderte Menschen einstellen", sagt Bernhard Havermann. Derzeit absolvieren zwei schwerbehinderte Frauen bei Weserwork ein ausbildungsbegleitendes Praktikum.


WEITERE INFORMATIONEN

Weserwork

Das Coworking-Unternehmen Weserwork startete im Februar 2014. Damals hatte es zehn Mieter, heute sind es 20. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt durch das Integrationsamt beim Amt für Versorgung und Integration Bremen sowie durch die Aktion Mensch. Träger des Projektes sind der Integrationsfachdienst Bremen GmbH und das Berufsbildungswerk Bremen.
Mehr unter: www.weserwork.de

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Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.