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Beruf

Blumenverkäuferin bei der Arbeit ZB 1 / 2009

Berufliche Fortbildung

Eine Investition in die eigene Zukunft

Berufliche Fortbildung ist auch für schwerbehinderte Menschen sehr wichtig, um den steigenden Arbeitsplatzan forderungen gewachsen zu sein und wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Integrationsamt fördert sie dabei.

Nur der Wandel ist beständig – das gilt auch für die Arbeitswelt: Berufsbilder verändern sich, Forschung und Technik bringen neue Erkenntnisse und Anwendungsmöglichkeiten hervor, Unternehmen werden umstrukturiert, der Wettbewerb findet auf globalen Märkten statt. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass es heute nicht mehr ausreicht, irgendwann einmal mit einer guten Berufsausbildung ins Arbeitsleben eingetreten zu sein. Der moderne Arbeitnehmer muss vielmehr „lebenslang lernen“ und seine berufliche Qualifikation kontinuierlich weiterentwickeln.

Gleichzeitig ist eine moderne, auf die betrieblichen Anforderungen zugeschnittene Personalplanung nicht denkbar ohne ein Personalentwicklungskonzept, in dem die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine zentrale Rolle spielt. Zum einen muss fachliches und methodisches Wissen erworben werden. Zum anderen geht es um Schlüsselqualifikationen: Gesucht werden heute vor allem Mitarbeiter, die sowohl teamfähig und kommunikativ sind, als auch selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten können.

Berufliche Fortbildung ist für alle Arbeitnehmer ein wichtiges Thema. Erst recht auch für schwerbehinderte Menschen. Durch gezielte Qualifizierung können sie den steigenden Arbeitsplatzanforderungen gerecht werden, sind flexibler einzusetzen und bleiben damit wettbewerbsfähig.

Förderung durch das Integrationsamt

Das Integrationsamt kann Maßnahmen zur beruflichen Fortbildung, inklusive Hilfen zum beruflichen Aufstieg, fördern. Ziel ist es, schwerbehinderte Menschen auf Arbeitsplätzen zu beschäftigen, auf denen sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse voll verwerten und weiterentwickeln können. Grundsätzlich gilt:

Förderfähig sind …
behinderungsbedingte Aufwendungen sowie Kosten für die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen für behinderte Menschen. Dazu gehören im Einzelnen:

  • Honorare und Kosten für Gebärdensprach- sowie Schriftdolmetscher,
  • Teilnahmegebühren, Sachkosten – beispielsweise für Unterrichtsmaterial,

die aufgrund der Behinderung zusätzlich anfallen.
Außerdem sind förderfähig:

  • Fahrtkosten, wenn wegen der Behinderung keine näher gelegene Fortbildungsmaßnahme besteht
  • Kosten für behinderungsbedingt erforderliche Unterbringung, zum Beispiel in einem Internat
  • Kosten für eine behinderungsbedingt erforderliche Begleitperson

Kosten, die unabhängig von einer Behinderung für jeden Teilnehmer anfallen, können in Ausnahmefällen übernommen werden.

Nicht förderfähig sind …

  • Erstausbildungen
  • Berufliche Umschulungen – zum Beispiel vom medizinischen Bademeister und Masseur zum Physiotherapeuten
  • Zweitausbildungen

Unter welchen Voraussetzungen wird gefördert?

Das Integrationsamt fördert nur schwerbehinderte Menschen, die eine Beschäftigung haben oder beruflich selbstständig sind. In Ausnahmefällen auch schwerbehinderte Menschen, die einen Arbeitsplatz mit klar beschriebenen Tätigkeitsanforderungen konkret in Aussicht haben.

Die Fortbildung soll dazu beitragen, behinderungsbedingte Nachteile auszugleichen, so etwa bei blinden, hörbehinderten sowie mehrfach behinderten Menschen, denen die Teilnahme an einem regulären Fortbildungsangebot aufgrund ihrer Behinderung nicht möglich ist. Voraussetzung für eine Förderung ist auch, dass der schwerbehinderte Mensch persönlich für die Tätigkeit geeignet ist, die mit der beruflichen Qualifizierungsmaßnahme angestrebt oder gesichert wird. Und er muss realistische Chancen haben, an der Weiterbildung erfolgreich teilzunehmen.

Keine Zuschüsse gibt es für Bildungsangebote, die für die Arbeit nicht zwingend notwendig sind und eher aus privatem Interesse besucht werden, zum Beispiel ein Englisch-Kurs oder Yoga-Unterricht. Ein rechtlicher Anspruch auf Förderung besteht nicht. Denn zur Finanzierung setzen die Integrationsämter Mittel der Ausgleichsabgabe ein. Und diese sind begrenzt. Leistungen zur beruflichen Fortbildung sind also „Ermessenleistungen“. Entschieden wird nach dem Einzelfall.

Wie hoch ist die Förderung?

Das Integrationsamt kann bis zu 100 Prozent der Kosten für eine Fortbildungsmaßnahme übernehmen. Bei der Festlegung der Höhe des Zuschusses prüft das Integrationsamt zum Beispiel auch die Verwertbarkeit der Qualifizierung am Arbeitsplatz, das Verhältnis von Kosten zu Nutzen und den Beitrag zur Verbesserung der Arbeitssituation und des Einkommens. Die Leistung kann auch in Form eines Persönlichen Budgets erbracht werden. Das heißt, der behinderte Mensch erhält eine Geldleistung, mit der er seine Fortbildung selbst organisiert oder ein passendes Angebot „einkauft“. Wichtig ist in jedem Fall, den Förderantrag vor Beginn der Maßnahme zu stellen!

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.