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Titel ZB 3-2010 ZB 3/2010

Schwerbehindertenvertretung

Eine starke Stimme im Betrieb

Bald ist es wieder soweit: Die Schwerbehindertenvertretung (SBV) wird neu gewählt. Von ihrem Engagement profitieren nicht nur die schwerbehinderten Beschäftigten, sondern der ganze Betrieb.

Engagierte Schwerbehindertenvertretungen werden dringend gebraucht. Über 800.000 schwerbehinderte Beschäftigte gibt es in Deutschland. Rund 175.000 Menschen mit einer Schwerbehinderung sind arbeitslos. Die dauerhafte berufliche Integration dieser Menschen ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, bei der engagierte Schwerbehindertenvertretungen einen wichtigen Beitrag leisten.

Gestaltungsspielraum nutzen

Das Amt umfasst vielfältige Aufgaben, die im Sozialgesetzbuch IX festgelegt sind. Das Spektrum reicht von der persönlichen Beratung und Unterstützung schwerbehinderter Mitarbeiter über die Mitwirkung bei Neueinstellungen bis hin zur Überwachung der Einhaltung von Regelungen zugunsten schwerbehinderter Menschen. Die Bedeutung des Amtes ist in den letzten Jahren gewachsen. Neue Aufgaben sind hinzugekommen. Der Gesetzgeber hat die Beteiligungsrechte und die Stellung der Schwerbehindertenvertretung gestärkt. So hat die Vertrauensperson beispielsweise bei Einstellungsverfahren das Recht, die Bewerbungsunterlagen aller Bewerber einzusehen und an Vorstellungsgesprächen teilzunehmen. Die Einführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) hat ihre Rolle nochmals aufgewertet. Tatsächlich ist es die Schwerbehindertenvertretung, die in vielen Betrieben und Dienststellen die Initiative für ein BEM ergreift. Hier zeigt sich: Was eine Vertrauensperson bewegt, hängt in hohem Maß auch von ihrer Motivation und Kreativität ab, allerdings ist der Rückhalt durch den Arbeitgeber unerlässlich.

Spezialist und Bindeglied

Schwerbehindertenvertretungen wer - den von schwerbehinderten Beschäftigten gewählt. Ihre Position als Interessenvertretung der betroffenen Menschen ist daher eindeutig. Dennoch profitieren auch Arbeitgeber von einer kompetenten Vertrauensperson. Kluge Arbeitgeber unterstützen daher ihre Arbeit und schätzen sie als einen in Behindertenfragen kenntnisreichen Kümmerer. Die Schwerbehindertenvertretung berät und unterstützt Arbeitgeber bei allen Fragen rund um die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen, etwa wenn es um die Beantragung von Förderleistungen geht. Bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz schaltet sie sich frühzeitig ein und zieht bei Bedarf externe Fachleute hin zu. Das kommt dem gesamten Betrieb zugute.

Aus Sicht der Integrationsämter und Arbeitsagenturen sind die Schwerbehindertenvertretungen ein wichtiges Bindeglied in die Betriebe und Dienststellen. Ihre Bemühungen, Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen zu erhalten und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu fördern, haben mehr Aussicht auf Erfolg, wenn Vertrauensleute als kundige Partner zur Verfügung stehen. Denn sie kennen sich mit den Gegebenheiten vor Ort am besten aus und werden frühzeitig auf Probleme und Möglichkeiten aufmerksam.

Zukunftsfragen – neueAufgaben

Die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen ist infolge der Wirtschaftskrise zwar weniger dramatisch gestiegen als befürchtet. Doch während die allgemeine Arbeitslosigkeit im Juli 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent zurückgegangen ist, nahm sie bei den schwerbehinderten Arbeitslosen um 4,4 Prozent auf rund 174.500 zu. Für die Betroffenen ist der Verlust des Jobs besonders schlimm, weil sie es aufgrund ihrer Behinderung erfahrungsgemäß schwerer haben, wieder eine neue Stelle zu bekommen.

Eine weitere Herausforderung stellt die demografische Entwicklung dar. In zehn Jahren werden laut Statistischem Bundesamt fast 40 Prozent der Erwerbstätigen älter als 50 sein! Das bedeutet, dass es auch mehr schwerbehinderte Arbeitnehmer geben wird, denn mit dem Alter nehmen gesundheitliche Einschränkungen zu. Angesichts eines schon jetzt spürbaren Fachkräftemangels wird es gleichzeitig immer wichtiger, die Beschäftigten im Betrieb zu halten. Arbeitgeber müssen sich daher verstärkt mit gesundheitlicher Prävention und Wiedereingliederung erkrankter Mitarbeiter auseinandersetzen. Wie sich schließlich die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention und die Forderung nach Inklusion auf die betriebliche Praxis auswirken werden, bleibt abzuwarten.

Persönliche Qualitäten

Das Amt der Schwerbehindertenvertretung ist zweifelsohne anspruchsvoll: Es verlangt fundiertes Fachwissen – vor allem im Schwerbehindertenrecht, Arbeitseinsatz sowie besondere persönliche Qualitäten, etwa kommunikative Fähigkeiten, Durchsetzungsvermögen und diplomatisches Geschick. Gerade am Anfang können Widerstände von verschiedenen Seiten die Arbeit der Vertrauensperson erschweren. Sie müssen durch beharrliches Engagement und überzeugende Argumente überwunden werden.

Weil das Amt der Schwerbehindertenvertretung nicht aus einem Gremium besteht, sondern von einer einzelnen Person ausgeübt wird, sollte sich die Vertrauensperson um eine gute Vernetzung im Betrieb bemühen. Für die Durchsetzung ihrer Ideen und Vorschläge braucht sie in der Regel Mitstreiter. Betriebsinterne Partner sind vor allem der Betriebs- oder Personalrat und der Beauftragte des Arbeitgebers für die Belange schwerbehinderter Menschen. Externe Partner sind das Integrationsamt und seine Integrationsfachdienste, die Agenturen für Arbeit und die anderen Reha- Träger. Neulingen im Amt wird empfohlen, auch Kontakte zu anderen Vertrauenspersonen aufzubauen und untereinander Erfahrungen und Anregungen auszutauschen. Als „Kontaktbörse“ eignen sich die Einsteigerkurse der Integrationsämter besonders gut.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.