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ZB 4/2013

Unterstützte Beschäftigung

Einfach machen? Das machen wir!

Claudia Hannemann © duckfilm productions
Claudia Hannemann, © duckfilm productions
Fast fünf Jahre Unterstützte Beschäftigung: Eine Fachtagung in Brandenburg zieht eine Zwischenbilanz und ermutigt alle Partner, enger zusammenzuarbeiten.

„Es lohnt sich, nicht wegzusehn. Es lohnt sich, das anzugehn. Es lohnt sich, mich mitzunehm’... Es lohnt sich!“ Der Song hat das Zeug zum Ohrwurm. Die Teilnehmer der Fachtagung sind von der SGB9-Band begeistert, die gerade das Nachmittagsprogramm eröffnet. Darunter Arbeitgeber, Menschen mit Behinderung, Fachleute der Integrationsämter und der Arbeitsagenturen sowie Vertreter von Integrationsfachdiensten und vergleichbaren Einrichtungen – insgesamt 130 Personen. Sie kommen vor allem aus den Neuen Bundesländern, in denen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vergleichbar sind. Die Teilnehmer diskutieren an diesem Augusttag 2013 über ihre Erfahrungen mit der Unterstützten Beschäftigung und über das, was noch verbessert werden muss. Dazu eingeladen hatten das Integrationsamt beim Landesamt für Soziales und Versorgung Land Brandenburg und die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, die als Leistungsträger für die Durchführung und Finanzierung der Maßnahme verantwortlich sind.

Im vergangenen Jahr haben das Integrationsamt und die Regionaldirektion eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. „Die gilt es jetzt mit Leben zu erfüllen“, so die Leiterin des Integrationsamtes inBrandenburg Simone Wuschech. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass gerade der Übergang von der individuellen betrieblichen Qualifizierung (InbeQ) in die nachfolgende Berufsbegleitung eine kritische Phase darstellt. Hier wechselt nämlich in der Regel nicht nur die Zuständigkeit von der Arbeitsagentur zum Integrationsamt, sondern meist auch der beauftragte „Leistungserbringer“, der den schwerbehinderten Menschen und seinen Arbeitgeber während der Maßnahme persönlich betreut.

Paul Höppner, © duckfilm productions
Paul Höppner, © duckfilm productions
Seit ihrer gesetzlichen Einführung 2009 ist die Unterstützte Beschäftigung zu einem wichtigen Instrument für die Eingliederung von Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt geworden, erklärte Jens Hansen von der Bundesagentur für Arbeit, der eingangs der Tagung in seinem Impulsreferat diese Entwicklung nachzeichnete. Die Qualitätsstandards der Unterstützten Beschäftigung standen im Mittelpunkt des Vortrages von Birgit Nickel, die bei der BundesarbeitsgeBeschäftigung das Projekt „Fachkompetenz in Unterstützter Beschäftigung“ betreut. Sie präsentierte unter anderem eine aktuelle Befragung von Maßnahmeträgern der InbeQ, die belegt, von wem und wie die Unterstützte Beschäftigung derzeit genutzt wird. Dabei wurde deutlich: Bis es in der Praxis rund läuft, sind noch einige Fragen zu klären und die Abläufe zu optimieren – nicht nur in Brandenburg, sondern bundesweit.

Der Erfolg im Einzelfall hängt maßgeblich vom persönlichen Engagement der Beteiligten ab. Dies erleben die Mitarbeiter der Integrationsämter immer wieder in der Praxis. Deshalb ist es den Veranstaltern auch wichtig, für die Unterstützte Beschäftigung zu motivieren, etwa mit dem Kurzfilm „Es lohnt sich!“, der auf der Fachtagung zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde und die Zuschauer mit seinem Charme für sich einnahm. Simone Wuschech: „Wir wollen damit Arbeitgeber ansprechen und schwerbehinderte Menschen ermutigen, den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu gehen. “

Steffen Schneider © duckfilm productions
Steffen Schneider, © duckfilm productions
Einer der jungen Männer aus dem Film
, Steffen Schneider, schilderte auf der anschließenden Podiumsdiskussion, was es für ihn bedeutet, im Betrieb zu arbeiten und seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Und sein Arbeitgeber Falk Lehmann, Geschäftsführer der Firma Messe- & Dekobau Lehmann e.K., sagte über die Einstellung des behinderten Mitarbeiters: „Für den gesamten Betrieb ist es eine ganz neue Erfahrung. “

Damit viele andere diesem Beispiel folgen und hierbei nicht scheitern, müssen die Rahmenbedingung der Unterstützten Beschäftigung weiter verbessert werden. Konkrete Lösungsansätze sammelten die Teilnehmer in den Workshops. Sie waren sich darin einig, dass der Inklusionsgedanke beharrlich in die Öffentlichkeit getragen werden muss. Außerdem sollte sich die Unterstützte Beschäftigung noch mehr an den Stärken der schwerbehinderten Menschen orientieren – gerade wenn es um die richtige Platzierung im Betrieb geht.

Und vielleicht die wichtigste Forderung: Alle Partner müssen enger zusammenarbeiten, damit Abläufe reibungslos funktionieren und der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt dauerhaft gelingt. Getreu dem Slogan der Veranstaltung: „Einfach machen? Das machen wir!

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.