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ZB 03/2011

Bremer Studie

Einstellungsgründe und Einstellungshemmnisse


Was motiviert Arbeitgeber, schwerbehinderte Menschen einzustellen? Und was hält sie davon ab? Eine Bremer Studie liefert konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung der regionalen Beschäftigungssituation.

Rolandsstatue in Bremen, (c) flyfisher/Fotolia.com
Die Rolandsstatue auf dem Bremer Marktplatz, (c) Fotolia/flyfisher
Im Land Bremen kommen rund 34 Prozent der privaten Unternehmen ihrer Beschäftigungspflicht nach. Die Mehrheit beschäftigt hingegen keine oder weniger als fünf Prozent schwerbehinderte Menschen. Damit liegt der Stadtstaat über dem bundesweiten Durchschnitt von 2008, wonach nur rund 20 Prozent der Privatwirtschaft die Quote erfüllen*. Um die Beweggründe und Hemmnisse für die Einstellung schwerbehinderter Menschen auf regionaler Ebene näher zu untersuchen, hat das Integrationsamt beim Versorgungsamt Bremen das Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) mit einer wissenschaftlichen Studie beauftragt.

Es muss sich rechnen
Die Ergebnisse zeigen unter  anderem, dass Betriebe, die die Quote erfüllen, und solche, die das nicht tun, in einem wesentlichen Punkt ihrer Überlegungen übereinstimmen: Der Arbeitsplatz muss sich „wirtschaftlich rechnen“. Bei der Einschätzung, ob sich die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen lohnt, kommen die Verantwortlichen der beiden Gruppen jedoch zu  unterschiedlichen Ergebnissen.

Unterschiedliche Bewertung
Betriebe, die die Quote erfüllen, verweisen darauf, dass viele der Beschäftigten mit einer Schwerbehinderung sich in ihrer Leistungsfähigkeit nicht von den übrigen Kolleginnen und Kollegen unterscheiden – sie „arbeiten wie alle anderen auch“. Sogar für schwerbehinderte Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen ist in diesen Betrieben das Kriterium der Wirtschaftlichkeit weitgehend erfüllt. Hierbei leistet das Integrationsamt einen wichtigen Beitrag. Ein verbreiteter Vorbehalt gegen schwerbehinderte Menschen, sie seien öfter und länger krank, sehen die Betriebe nicht bestätigt.

Einstellungsbereitschaft
Dagegen sind Unternehmen, welche die Quote nicht erfüllen, der Meinung, behinderte Menschen könnten die hohen Anforderungen ihrer Arbeitsplätze an Leistungsfähigkeit, Flexibilität und Qualifikation vielfach nicht erfüllen. In vielen Fällen beruht die skeptische Einschätzung auf hartnäckigen Vorurteilen oder negativen Einzelerfahrungen. Davon abgesehen besteht aber auch in Betrieben, die bislang nicht oder kaum ihrer Beschäftigungspflicht nachkamen, grundsätzlich Einstellungsbereitschaft. Ein positives Signal sendete die Arbeitgeberseite mit der Unterzeichnung der „Bremer Vereinbarung für Ausbildung und Fachkräftesicherung 2011 bis 2013“.

Gute Beispiele aus der Region
Die Studie liefert ferner Ergebnisse zu Einflussgrößen der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Dazu gehören Faktoren wie die demografische Entwicklung, der besondere Kündigungsschutz oder das Wissen der Arbeitgeber über Hilfen und Leistungen. Daraus ergeben sich für das Integrationsamt konkrete Ansatzpunkte zur Förderung der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Einer besteht darin, vor allem die  Wirtschaftlichkeit solcher Arbeitsverhältnisse anhand guter Beispiele aus der Region verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen.

* Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Mehr Informationen
Die Studie steht beim Institut Arbeit und Wirtschaft in Bremen zum Download bereit.

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.