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ZB 1/2013

Visuelles Notrufsystem

Entspannter Aufzug fahren

Ein kleiner Touchscreen könnte in Zukunft nicht nur gehörlosen Menschen das Leben erleichtern: Im Tagungshotel Lichthof in Gelsenkirchen ist das erste Notrufsystem für Aufzüge in Betrieb, das ohne akustische Signale funktioniert.

Frank Schrapper und BLB-Mitarbeiter im Aufzug, (c) Peter Lutz
Frank Schrapper (re.) und ein BLB-Mitarbeiter testen das Notrufsystem. (c) Peter Lutz
Man hat es eilig, nimmt mal schnell den Aufzug – und plötzlich bleibt man stecken. Eine unangenehme Vorstellung, dann nicht einmal Hilfe rufen zu können. Mit diesem möglichen Problem sahen sich bis jetzt gehörlose Menschen immer konfrontiert, wenn sie einen Fahrstuhl betraten. Doch vielleicht wird das in Zukunft nicht mehr so sein. Auf Initiative des Bau- und Liegenschaftsbetriebs Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) und mit fachlicher und finanzieller Unterstützung durch das Integrationsamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL-Integrationsamt) wurde ein serienreifer Prototyp für ein Gehörlosen-Notrufsystem entwickelt.

Tüftelei und Know-How Der BLB betreibt den Lichthof als Tagungshotel und nutzt ihn auch selbst für Fortbildungen, an denen regelmäßig auch die 30 hörbehinderten BLB-Mitarbeiter teilnehmen. Auf ihren Anstoß hin haben sich Planer des BLB mit Entwicklern von Thyssen-Krupp Aufzüge GmbH und der Telegärtner Elektronik GmbH zusammengetan und eineinhalb Jahre an dem System getüftelt. Das nötige Wissen über die behinderungsspezifischen Anforderungen brachten Frank Schrapper und seine Kollegen vom Technischen Beratungsdienst des LWL-Integrationsamtes mit. Darüber hinaus wurde der Einbau des Prototyps vom LWL-Integrationsamt finanziert. Die Resonanz ist besonders bei den Betroffenen sehr positiv: Wolfgang Bachmann, Präsidiumsmitglied des Gehörlosen-Bundes, bezeichnet das serienreife System als „Riesenmeilenstein, für den wir sehr dankbar sind.“ Neben dem BLB nutzt auch der Gehörlosenbund den Lichthof als Tagungshotel.

Ein kleiner Bildschirm macht den Unterschied Auf den ersten Blick sieht der Fahrstuhl ganz gewöhnlich aus, nur bei genauerem Hinsehen fällt einem der kleine Bildschirm auf. Wird die Notruftaste gedrückt, wird eine Verbindung zur Notrufzentrale des BLB in Köln hergestellt. Bekommt die Zentrale keine Rückmeldung, springt der Bildschirm an und es erscheinen Fragen, die mit „Ja“ und „Nein“ beantwortet werden können. Das Besondere: Die Formulierungen wurden von den beteiligten hörbehinderten BLBMitarbeitern an den Sprachgebrauch von gehörlosen Menschen angepasst. So heißt es beispielsweise nicht „defekt“, sondern „kaputt“ im Menü-Text.

Doppelt sicher Wenn die Notrufzentrale alle wichtigen Informationen hat, kontaktiert sie den Befreiungsdienst vor Ort. Für den Fall, dass ein Fahrgast ohnmächtig oder verletzt ist, sich also nicht bewegen kann, sendet die Kamera bei einem Notruf gleichzeitig ein Bild vom Kabineninnenraum. Damit weiß die Zentrale auch, ob ein Notarzt gerufen werden muss. Das ist zum Beispiel auch für Epileptiker wichtig. Wenn sich dieser Nutzen herumspricht, wird die Aufzugfahrt in Zukunft vielleicht auch in anderen Gebäuden – nicht nur für gehörlose Menschen – ein ganzes Stück entspannter.

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.