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Beruf

Titel ZB 1/2008 ZB 1/2008

Berufliche Selbstständigkeit

Erfolgreich am Markt

Die berufliche Selbstständigkeit ist kein leichter Weg. Trotzdem gibt es auch behinderte Menschen, die ihn gehen – und das mit Erfolg.Wie gelingt es ihnen, sich am Markt zu behaupten?

 

„Hast Du Dir das auch gut überlegt?“ „Bist Du sicher, dass Du das schaffst?“ Behinderte Menschen, die eine berufliche Existenz gründen wollen, stoßen bei ihren Mitmenschen häufig auf Skepsis oder Vorbehalte. Oft steckt dahinter die Sorge, der Betroffene könnte der Belastung, die auch ohne zusätzliche Behinderung schon groß genug ist, nicht gewachsen sein und gesundheitlich weiteren Schaden nehmen. Ein anderer Grund ist das Wissen um das generelle Risiko, mit dem eigenen Geschäft zu scheitern, und um die möglichen gravierenden Folgen, wie Insolvenz, Überschuldung und zerbrochene Träume.

Warum sich selbstständig machen?

Warum entscheiden sich behinderte Menschen dennoch für die Selbstständigkeit? Manche sehen darin schlicht die einzige Möglichkeit, überhaupt (wieder) am Arbeitsleben teilzuhaben. Zum Beispiel, wenn sie schon längere Zeit arbeitslos und älter sind. Andere wählen diesen Schritt, weil sie nur so die Arbeitsbedingungen an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können, etwa durch flexible Arbeitszeiten oder eine Teilzeitbeschäftigung. Dies zeigen auch die beiden Beispiele eines fast vollständig gelähmten Malers – zugegeben, eine eher außergewöhnliche Geschichte – und eines blinden Physiotherapeuten auf den folgenden Seiten. Für viele behinderte Menschen ist die eigene berufliche Existenz nicht zuletzt eine Frage von Selbstbestimmung und Würde: Sie möchten ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und nicht (länger) auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. „Erfolg“ bedeutet für sie, wie für viele nicht behinderte Existenzgründer, sich langfristig am Markt zu behaupten.

Wie am Markt bestehen?

Eine sorgfältige Vorbereitung der Existenzgründung ist das Fundament für eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Im Mittelpunkt steht dabei ein tragfähiges Geschäftskonzept – der so genannte Businessplan. Dieser enthält unter anderem die detaillierte Beschreibung der Geschäftsidee, ein Marketingkonzept sowie einen Finanzierungsplan.

Neben den erforderlichen Fach- und Branchenkenntnissen sowie dem kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Know-how ist auch die persönliche Eignung des Gründers eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Ein „Unternehmertyp“ kann zum Beispiel mit Stress, wie ihn viele Selbstständige bei finanzieller Unsicherheit, Erfolgsdruck und aufgrund des Einzelkämpferdaseins erleben, gut umgehen.

Die Anfangszeit einer Selbstständigkeit scheint eine besonders kritische Phase zu sein. So ist den Daten des KfW-Gründungsmonitors 2007 zu entnehmen, dass nach spätestens zwei Jahren ein Viertel der Gründer die Selbstständigkeit wieder beendet hat. Um eine erfolgreiche Gründung zu sichern, ist es daher wichtig, durch geeignete Instrumente, wie regelmäßige Liquiditätskontrollen und Soll-Ist-Abgleiche, negative Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

Wann fördert das Integrationsamt?

Das Integrationsamt kann schwerbehinderte Menschen durch ein Darlehen oder durch Zinszuschüsse zur Gründung und Erhaltung einer selbstständigen beruflichen Existenz fördern. Im Jahr 2006 wurden auf diese Weise bundesweit 324 Betroffene mit insgesamt 1,89 Millionen Euro unterstützt. Darüber hinaus können Selbstständige mit einer Behinderung vom Integrationsamt weitere finanzielle Leistungen erhalten, zum Beispiel für technische Arbeitshilfen, Arbeitsassistenz, Maßnahmen zur Fort- und Weiterbildung sowie für eine behinderungsgerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes.

Allerdings legen die Integrationsämter bei der Prüfung von Anträgen hohe Maßstäbe an: Nur Vorhaben mit überzeugenden Geschäftskonzepten und begründeter Aussicht auf Erfolg werden gefördert. Eine gute Idee oder der bloße Wunsch, endlich die eigene Arbeitslosigkeit zu beenden, reichen nicht aus, um den zumeist hohen finanziellen Einsatz zu rechtfertigen. Unter den beschriebenen Voraussetzungen kann eine Existenzgründung jedoch ein Weg aus der Arbeitslosigkeit sein. Dies zeigt auch das Projekt enterability in Berlin, das die ZB vor fast vier Jahren erstmalig vorgestellt hat. Im Gespräch mit der ZB berichtet der Projektleiter Manfred Radermacher heute über Erfahrungen aus der Praxis.

Zum Thema:

Interview mit dem Projektleiter, Manfred Radermacher

Praxisbeispiel: Thomas Kahlau, Keine brotlose Kunst

Praxisbeispiel: Stefan Wörner, Therapeut und Geschäftsmann


Größe: nicht vorhanden / Stand: 01.01.1970

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.