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Behinderung
&
Beruf

Titel der Zeitschrift ZB Behinderung und Beruf, (c)Andreas Pein ZB 4-2014

Willkommen im Amt

Ergreifen Sie die Initiative!

Die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen muss Normalität werden, fordert Ministerin Andrea Nahles. Die SBV kann dazu entscheidend beitragen.

Die neu- und wiedergewählten Schwerbehindertenvertretungen starten in diesen Wochen mit ihrer Arbeit. Welche Bedeutung messen Sie der Arbeit der Schwerbehindertenvertretungen bei?

Andrea Nahles Die Bundesregierung will die Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung weiter verbessern. Dafür ist es von zentraler Bedeutung, dass die Unternehmen und Betriebe verstärkt behinderte Menschen ausbilden und beschäftigen. Die Schwerbehindertenvertretungen spielen eine wichtige Rolle bei der Personalauswahl. Sie sind maßgeblicher Ansprechpartner für die Personalverantwortlichen und Motor in den Betrieben für das Voranbringen der beruflichen Inklusion.

ENGAGEMENT STÄRKEN

Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD vereinbart, das ehrenamtliche Engagement der Schwerbehindertenvertretung zu stärken. Gibt es bereits konkrete Pläne?

Nahles Wir haben jüngst am 20. Oktober 2014 bei uns im Ministerium einen Workshop veranstaltet, an dem zahlreiche Vertrauenspersonen schwerbehinderter Menschen in Betrieben und Verwaltungen aus dem ganzen Bundesgebiet teilgenommen haben. Uns ging es darum zu erfahren, wo in der Praxis der Schuh genau drückt. Diskutiert wurden dabei Dinge wie die Freistellungsregelungen für die Vertrauenspersonen und wie Stellvertreter herangezogen werden können, das Übergangsmandat bei Betriebsübergängen und die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung am Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Das alles werten wir jetzt aus.

Die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung in den Betrieben ist zwar im Detail gesetzlich geregelt, aber es bleibt weitgehend sanktionslos, wenn sie nicht beachtet wird. Sind hier Änderungen vorgesehen?

Nahles Ich weiß, dass dieser Punkt für die Schwerbehindertenvertretungen große Bedeutung hat. Der Workshop am 20. Oktober hat aber auch gezeigt, dass es hier keinen Lösungsansatz gibt, der sich ohne Probleme anbietet. An diesem Punkt müssen wir noch arbeiten.

LÖSUNGEN SUCHEN

Die Politik strebt einen inklusiven Arbeitsmarkt an. Wie sieht Ihre persönliche Vision aus?

Nahles
Wenn ich von einer inklusiven Arbeitswelt spreche, dann meine ich, dass in den Unternehmen und Betrieben ganz selbstverständlich behinderte Menschen ebenso wie nicht behinderte Menschen tätig sind. Unser Anspruch muss sein, dass es ganz normal ist, Menschen mit Behinderung im allgemeinen Arbeitsmarkt zu beschäftigen. Dafür muss sich bei den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern die Erkenntnis durchsetzen, dass sie von den Stärken, der Qualifikation und der Motivation behinderter Beschäftigter im Arbeitsalltag nur profitieren können. Das gilt gerade in Zeiten, in denen Fachkräfte rar werden. Einigen Personalverantwortlichen ist das schon klar geworden, aber es gibt noch zu viele Betriebe, die sich bislang nicht geöffnet haben. Hier müssen wir ansetzen, wenn wir einen inklusiven Arbeitsmarkt erreichen wollen. Als Beispiel für die Aktivitäten, die wir dazu auf den Weg gebracht haben, will ich hier nur die Inklusionsinitiative für Ausbildung und Beschäftigung nennen.

REFORMEN ANGEHEN

Das geplante Bundesteilhabegesetz soll die Eingliederungshilfe für wesentlich behinderte Menschen, also Menschen, die normalerweise in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt werden, reformieren. Hier ist eine Art "Persönliches Budget für Arbeit" im Gespräch. Was steckt dahinter?

Porträt von Andrea Nahles im Gespräch, (c)laif/Andreas Pein
Die Ministerin will das Amt der SBV stärken, (c)laif/Andreas Pein
Nahles
Dauerhaft voll erwerbsgeminderte Menschen mit Behinderungen nehmen derzeit in der Regel nur im Arbeitsbereich anerkannter Werkstätten für behinderte Menschen und nichtauf dem allgemeinen Arbeitsmarkt am Arbeitsleben teil. Da denken wir im Rahmen der Überlegungen für ein Bundesteilhabegesetz über weitere Fördermöglichkeiten nach. Hierzu werden wir die Erfahrungen einiger Bundesländer mit dem "Budget für Arbeit" einbeziehen. Dies sieht der Koalitionsvertrag vor. Gegenstand des "Budgets für Arbeit" ist ein Lohnkostenzuschuss an den Arbeitgeber, der einen Menschen mit Behinderung aus einer Werkstatt für behinderte Menschen in ein Arbeitsverhältnis übernimmt und ihm wie allen anderen Mitarbeitern auch den tariflichen oder ortsüblichen Lohn zahlt. Der Lohnkostenzuschuss, der im Bedarfsfall unbefristet geleistet werden könnte, soll die Minderleistung des beschäftigten Menschen mit einer Behinderung ausgleichen. Zusätzlich übernimmt der Träger der Eingliederungshilfe Aufwendungen für Unterstützungsleistungen, die wegen der Behinderung am Arbeitsplatz nötig sind.

BETRIEBE ÖFFNEN

Wie kann die Schwerbehindertenvertretung den Betrieb bei der Inklusion schwerbehinderter Menschen – zum Beispiel von Langzeitarbeitslosen oder Schulabgängern beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt – am besten unterstützen?

 

Nahles Entscheidend ist, dass mehr Arbeitgeber ihren Fokus bei der Personalsuche auch auf Menschen mit Behinderung legen. Hier können die Schwerbehindertenvertretungen zum Beispiel bei den Personalverantwortlichen anregen, im Rahmen einer Probebeschäftigung oder eines betrieblichen Praktikums zu testen, ob für sie eine spätere Ausbildung oder Einstellung in Betracht kommt. Aber hier gibt es kein Patentrezept. Es kommt immer auf die Situation im einzelnen Unternehmen an.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.