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Fachlexikon

Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)

Eine Werkstatt für behinderte Menschen ist definiert als eine Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben und zur Eingliederung in das Arbeitsleben (§ 219 SGB IX). Sie bietet denjenigen behinderten Menschen, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, eine angemessene berufliche Bildung und eine Beschäftigung. Auf die Art oder die Ursache der Behinderung kommt es nicht an.

Die Werkstatt für behinderte Menschen ist eine berufliche Rehabilitationseinrichtung. Sie muss es den behinderten Menschen ermöglichen, ihre Leistungsfähigkeit zu entwickeln, zu erhöhen oder wiederzugewinnen und ein dem Leistungsvermögen angemessenes Arbeitsentgelt zu erreichen. Grundsätzlich besteht ein Aufnahmeanspruch des behinderten Menschen. Mindestvoraussetzung für die Aufnahme in eine Werkstatt für behinderte Menschen ist allerdings, dass erwartet werden kann, dass der behinderte Mensch ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erbringen wird. Daran fehlt es, wenn der behinderte Mensch trotz Betreuung sich oder andere erheblich gefährdet oder einer Betreuung und Pflege innerhalb der Werkstatt bedarf, die eine betrieblich verwertbare Arbeitsleistung dauerhaft nicht zulassen.

Die Werkstatt für behinderte Menschen muss zur Betreuung der behinderten Menschen begleitende Fachdienste zur Verfügung stellen (zum Beispiel Arzt, Psychologe, Sozialarbeiter). Sie soll so weit wie möglich wirtschaftliche Arbeitsergebnisse anstreben und einen möglichst großen Teil der Kosten durch Arbeitserträge selbst aufbringen. Aus diesen Grundsätzen ergeben sich Mindestanforderungen zur Anerkennung einer Institution als „Werkstatt für behinderte Menschen“; diese Anerkennung spricht die Bundesagentur für Arbeit aus.

Eingangsverfahren: Im Eingangsverfahren der Werkstatt für behinderte Menschen wird ermittelt, ob der behinderte Mensch in einer Werkstatt tätig sein kann und für welche Tätigkeiten er geeignet ist. Liegt ein außerordentliches Pflegebedürfnis vor, ist eine Aufnahme in die Werkstatt für behinderte Menschen nicht möglich. Vielen Werkstätten sind deshalb eigene Einrichtungen zur Betreuung von schwerst- oder schwermehrfachbehinderten Menschen angegliedert (zum Beispiel Tagesförderstätten).

Berufsbildungsbereich: In diesem Bereich der Werkstatt für behinderte Menschen soll der behinderte Mensch in seiner Leistungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung so weit gefördert werden, dass eine geeignete Beschäftigung im Arbeitsbereich der Werkstatt oder auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt möglich ist.

Arbeitsbereich: Die Werkstatt für behinderte Menschen soll im Arbeitsbereich über ein möglichst breites Angebot an Arbeitsplätzen zur Ausübung geeigneter Tätigkeiten verfügen. Der Bereich ist ausgerichtet auf die Abwicklung der Produktionsaufträge und die Erbringung von Dienstleistungen durch die Werkstatt. Die Arbeitsplätze in diesem Bereich müssen einerseits den Erfordernissen der Arbeitswelt, andererseits aber auch den besonderen Bedürfnissen der behinderten Menschen Rechnung tragen. Wenn möglich soll für behinderte Beschäftigte der Werkstatt - bei gegebenen Voraussetzungen - der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt angestrebt werden (zum Beispiel durch Außenarbeitsplätze in Betrieben, Inklusionsbetriebe, das Budget für Arbeit und Probearbeitsverhältnisse). Sofern die Person in eine Werkstatt für behinderte Menschen zurückkehren möchte, ist die Werkstatt verpflichtet, ihn wieder aufzunehmen.

Je nachdem, in welchem Bereich der Werkstatt der behinderte Mensch tätig ist, deckt in der Regel entweder die Agentur für Arbeit oder der überörtliche Träger der Sozialhilfe (SGB XII) die entstehenden Kosten in der Werkstatt für behinderte Menschen.

Rechtsverhältnis: Die in der Werkstatt beschäftigten behinderten Menschen haben zum großen Teil einen arbeitnehmerähnlichen Rechtsstatus. Sie erhalten ein Arbeitsentgelt, das aus dem Produktionserlös der Werkstatt für behinderte Menschen gezahlt wird, und sie sind unfall-, kranken-, pflege- und rentenversichert (Sozialversicherung), in der Regel jedoch nicht in die Arbeitslosenversicherung einbezogen. Die behinderten Beschäftigten der Werkstatt für behinderte Menschen wirken unabhängig von ihrer Geschäftsfähigkeit durch von ihnen gewählte Werkstatträte in den Angelegenheiten der Werkstatt mit, die ihre Interessen berühren. Behinderte Frauen wählen in jeder Werkstatt eine Frauenbeauftragte.

Wahlrecht des Menschen mit Behinderung (§ 62 SGB IX): Auf Wunsch des Menschen mit Behinderung werden die Leistungen im Eingangsverfahren, Berufsbildungsbereich oder Arbeitsbereich von einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen zusammen mit anderen Leistungsanbietern erbracht.

Aufträge an die Werkstatt: Arbeitgeber, die an anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen Aufträge erteilen, können 50 Prozent des auf die Arbeitsleistung der Werkstatt entfallenden Rechnungsbetrags auf die Ausgleichsabgabe anrechnen (vergleiche § 223 SGB IX).

Gemäß § 224 SGB IX sind Aufträge der öffentlichen Hand, die von Werkstätten für behinderte Menschen ausgeführt werden können, diesen bevorzugt anzubieten.

Version vom: 10.12.2018
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