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ZB 1-2016

Förderprogramm für Integrationsfirmen

Chancen und Risiken

Mit zusätzlich 150 Millionen Euro will der Bund in den nächsten drei Jahren den Ausbau von Integrationsfirmen fördern. Doch noch sind viele Fragen der Finanzierung offen.

Blick auf Publikum und Redner des Fachtages für Integrationsfirmen, (c) ralph klohs photographie
Der Fachtag für Integrationsfirmen im Oktober 2015 in Stuttgart war gut besucht, (c) ralph klohs photographie
Hotels und Gaststätten, Supermärkte, Catering, Garten- und Landschaftsbau, Industriemontage, Druckereien, Recycling, ja, sogar ein Abenteuergolfplatz und ein Ziegenhof gehören zu den Geschäftsfeldern von Integrationsfirmen. In Deutschland arbeiten zurzeit fast 24.000 Menschen in 842 solcher Firmen, darunter über 11.000 Menschen mit einer Schwerbehinderung. Das Ziel von Integrationsfirmen – die dem allgemeinen Arbeitsmarkt zugerechnet werden – ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, die ansonsten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kaum eine Chance hätten. Zur Zielgruppe gehören unter anderem Menschen mit einer psychischen Behinderung oder Menschen mit anderen starken Einschränkungen, für die ansonsten nur die von der Sozialhilfe finanzierte Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen bliebe. Dort sind sie aber von staatlichen Transferleistungen abhängig. Die Integrationsfirmen bieten dagegen reguläre Beschäftigung. Sie erhalten seit vielen Jahren insbesondere von den Integrationsämtern nur finanzielle Nachteilsausgleiche nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) IX für ihre eingeschränkte Wettbewerbsfähigkeit. Zuletzt waren das über 76 Millionen Euro pro Jahr.

Prof. Roland Klinger mit Mikrofon, (c) ralph klohs photographie
„Ich wünsche den Integrationsfirmen, dass ihre Leistung anerkannt wird“, sagte KVJS-Verbandsdirektor Prof. Roland Klinger auf der Fachtagung, (c) ralph klohs photographie

Ziel: 4.500 neue Arbeitsplätze Die positiven Erfahrungen der letzten Jahre mit den Integrationsfirmen haben die Politik überzeugt: Die Fraktionen im Bundestag wollen den weiteren Ausbau dieser Firmen mit 150 Millionen Euro fördern. Bis zu 4.500 neue Arbeitsplätze sollen in den nächsten drei Jahren geschaffen und mehr langzeitarbeitslose schwerbehinderte Menschen eingestellt werden. Die Integrationsfirmen sollen zukünftig bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt werden. Ziel ist, durch Weiterbildungsangebote die Beschäftigten besser zu qualifizieren. Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung in Integrationsfirmen stehen ebenfalls im Fokus. Die systematische Möglichkeit von Zuverdienst für Menschen, die bereits eine Erwerbsminderungsrente erhalten, soll verstärkt werden. Es gibt auch Überlegungen, die Integrationsfirmen in "Inklusionsbetriebe" umzubenennen.

 

 

WEITERE INFORMATIONEN

Fachgespräch

In allen Bundesländern werden derzeit Chancen und Risiken der geplanten Anschubfinanzierung durch den Bund diskutiert. So auch in Baden-Württemberg: Beim Fachtag für Integrationsfirmen im Oktober 2015 in Stuttgart konnte der Verbandsdirektor des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS), Professor Roland Klinger, zahlreiche Fachleute nicht nur aus dem Land, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet begrüßen. In einem moderierten Fachgespräch beschäftigten sich bei der Tagung die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen (bag if), Claudia Rustige, der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Integrationsfirmen in Baden-Württemberg, Thomas Weichert, und der Leiter des KVJS-Integrationsamtes, Karl-Friedrich Ernst, mit den Plänen der Bundesregierung. Übereinstimmend stellten sie fest, dass das neue Programm Chancen, aber auch offene Fragen beinhaltet.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.