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ZB 4-2016

Forschungsprojekt

Der elektronische Jobcoach

Ein Jobcoach ist eine Fachkraft, die behinderte Menschen am Arbeitsplatz anleitet. Derzeit entwickeln Wissenschaftler ein elektronisches Pendant: Es soll die Jobcoachs unterstützen und die Beschäftigten unabhängiger machen.

Hände halten ein Tablet, auf dem ein Beschäftigter in einer Spülküche zu sehen ist, (c) iStock/yoh4nn
Was muss ich tun? Die ejo-App erklärt Arbeitsschritte einfach und anschaulich, (c) iStock/yoh4nn
Carsten Brausch bringt es auf den Punkt: "Technische Arbeitshilfen sind das Bindeglied, das die Fähigkeiten von behinderten Beschäftigten und die Anforderungen der Arbeitgeber zusammenbringt." Der Leiter des Technischen Beratungsdienstes beim LVR-Integrationsamt in Köln und sein Mitarbeiterteam suchen dafür nach individuellen Lösungen. Was aber, wenn es auf dem Markt noch kein geeignetes Hilfsmittel gibt? Dann kann daraus ein Forschungsprojekt entstehen, das diese Lücke schließt. Ein solches Projekt ist der "Elektronische Jobcoach", kurz "ejo" genannt.

Dabei handelt es sich um eine spezielle App, die auf dem Smartphone oder dem Tablet läuft. Damit ist sie mobil an verschiedenen Arbeitsorten einsetzbar. Schritt für Schritt erklärt die App eine klar umrissene Arbeitsaufgabe wie den Reinigungsvorgang in einer Spülküche oder das sichere Benutzen eines Schleifwerkzeugs. Ein Vorteil des elektronischen Arbeitstrainers: Der behinderte Nutzer kann die erforderlichen Handlungsschritte immer wieder abrufen und das Arbeitsergebnis selbst überprüfen. Profitieren sollen davon Menschen, die sich selbst einfache Arbeitsabläufe schwer merken können, etwa nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder bei einer Lernschwäche. "Mit Hilfe des elektronischen Jobcoachs können sie selbstständiger arbeiten und müssen nicht ständig nachfragen", erklärt Dr. Carsten Brausch. Auch für nicht behinderte Beschäftigte sieht er einen riesigen Nutzen. "Da ejo so gestaltet ist, dass jeder damit arbeiten kann, erfüllt er die Anforderungen des sogenannten Universal Design."

Ansicht der ejo-App auf einem Smartphone (c) iStock/farizki
Ansicht der ejo-App auf einem Smartphone (c) iStock/farizki
Ein Prototyp des elektronischen Jobcoachs wurde an der Technischen Universität Dortmund entwickelt. Das Team um Professor Christian Bühler, Leiter des Lehrstuhls für Rehabilitationstechnologie der Fakultät  Rehabilitationswissenschaften, wählte dafür gezielt Tätigkeiten aus, für die Arbeitskräfte gesucht werden. Beispielsweise Aufgaben im Zimmerservice oder das Eindecken eines Tisches im Restaurant. Zur Erklärung der einzelnen Arbeitsschritte nutzten die Wissenschaftler anschauliches Bildmaterial. Die Anleitung zum Tischeindecken endet zum Beispiel mit einem Foto, das zeigt, wie das fertige Gedeck liegen soll.

Prototyp im Test Derzeit wird der ejo-Prototyp von behinderten Nutzern erprobt. "Uns interessiert auch, was die Menschen motiviert, das Gerät zu verwenden", erklärt  Christian Bühler. Manchmal helfen dabei Fotos, auf denen die Testperson selbst zu sehen ist, ein anderes Mal sind es Comic-Sprechblasen.

Das bisherige Fazit des Wissenschaftlers ist positiv: "Der elektronische Jobcoach funktioniert und wird von den Testpersonen gut angenommen." Bis die Arbeitshilfe in der Praxis regulär zum Einsatz kommt, wird mindestens noch ein Jahr vergehen. Eines ist aber schon jetzt klar: "Der elektronische Jobcoach soll den persönlichen Arbeitstrainer nicht ersetzen, er dient diesem vielmehr als eine Art verlängerter Arm", so Professor Christian Bühler.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Forschungsprojekt

Das Projekt "Elektronischer Jobcoach" wird seit April 2015 vom Integrationsamt beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) zusammen mit der Fakultät Rehabilitationswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund durchgeführt. Finanziert wird es vom LVR aus Mitteln der Ausgleichsabgabe.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.