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Behinderung
&
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ZB 2-2014

Integrative Hotels

Gäste schätzen das

Im hektischen Hotelbetrieb schwerbehinderte Menschen beschäftigen? In Freiburg im Breisgau, im nordhessischen Meinhard-Grebendorf und in Witten weiß man, wie es geht. Die drei integrativen Hotels werden von den Gästen sehr gut angenommen.

Die Mitarbeiter vom Green City Hotel Vauban in Freiburg, (c) Green City Hotel Vauban
Das Team vom Green City Hotel Vauban in Freiburg, (c) Green City Hotel Vauban
Pascal Beyer begrüßt die neuen Gäste, zeigt ihnen das Zimmer. "Ich hatte vorher einen ruhigen Bürojob. Hier im Hotel ist ein bisschen mehr los," lacht der 24-Jährige. Pascal Beyer ist kleinwüchsig und arbeitet an der Rezeption des Hotel Kochsberg in Meinhard- Grebendorf. Das Integrationsunternehmen, eine Tochter der Werraland Werkstätten, eröffnete 2010. Zuvor hatten die Werkstätten schon mit einem Gastronomiebetrieb, ebenfalls ein Integrationsunternehmen, gute Erfahrungen gemacht. Das Hotel war daraus die logische Weiterentwicklung.

HOTEL KOCHSBERG

Pascal Beyer vor einer Menükarte, (c) Karsten Socher
Für Pascal Beyer spielt seine Behinderung bei der Arbeit keine Rolle, (c) Karsten Socher
"Schwer behinderte Menschen sind bei uns in allen Bereichen beschäftigt, von den Außenanlagen über die Küche bis zur Zimmerreinigung“, berichtet die Leiterin des Hotels Veronika Küllmer. Einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen direkt von der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Ein junger Mann mit Lernschwäche aus der WfbM arbeitet beispielsweise im Gastronomiebereich. Er hat zunächst nur Tische abgeräumt, inzwischen kann er auch Gäste bedienen – dafür wurde er mit den Pädagogen der Werkstatt Stück für Stück qualifiziert. Ein vom LWV-Integrationsamt geförderter Taschencomputer erleichtert ihm zudem die Eingabe der Bestellungen. Veronika Küllmer weiter: "Natürlich ist es zeitaufwändig, ich muss bei unseren geistig behinderten Mitarbeitern das Arbeitsergebnis im Blick haben. Man nimmt hier einfach mehr Rücksicht aufeinander, deshalb herrscht eine sehr respektvolle Atmosphäre bei uns". Das LWV-Integrationsamt unterstützt den Hotelbetrieb mit finanziellen Zuschüssen – so wird unter anderem die intensive Arbeitsanleitung abgefangen. "Wir kriegen von unseren Mitarbeitern mit Behinderung soviel Motivation und Engagement zurück, das gleicht die Defizite auch wieder aus", beschreibt Veronika Küllmer die Vorteile des Integrationsunternehmens. Pascal Beyer stimmt dem zu: "Vielleicht komme ich aufgrund meiner geringen Größe nicht so schnell die Treppen hoch wie andere. Aber die Gäste schätzen meine aufmerksame und freundliche Art, da spielt meine Behinderung keine Rolle."

GREEN CITY HOTEL

Nadine Regel bei der Arbeit mit einer Kollegin, (c) Winfried Rothermel
Nadine Regel (l.) hat im Green City Hotel ihren Platz gefunden, (c) Winfried Rothermel
"Unsere Gäste merken oft gar nicht, dass wir ein Integrationsunternehmen sind", stellt auch Johannes Staub, Manager des Green City Hotel Vauban in Freiburg, fest. Eine der schwerbehinderten Mitarbeiterinnen des Hotels, das im Juni 2013 eröffnete, ist Nadine Regel, Assistenz der

Geschäftsführung. Die 39-Jährige geht ihre Checkliste durch, heute ist eine Konferenz im Hotel. "Wenn die Gäste etwas brauchen, zum Beispiel Technik für eine Präsentation, bin ich ihre Ansprechpartnerin, ansonsten mache ich die Abrechnungen und bin erste Anlaufstelle für die Mitarbeiter", beschreibt Nadine Regel ihren Arbeitsalltag. "Vorher habe ich als Restaurantleiterin im Hofgut Himmelreich, einem integrativen Gastronomieunternehmen gearbeitet", fährt sie fort. "Mit 37 wurde mir dann ein Bein amputiert. Als Restaurantleitung ist man ständig in Bewegung, das wäre für mich zur Belastung geworden. Also habe ich mich beim Green City Hotel beworben, als Assistenz kann ich auch mit Prothese problemlos arbeiten."

"Bei uns hilft jeder jedem, da denkt man nicht in Abteilungen wie in anderen Hotels", schwärmt Nadine Regel. Damit sich auch die Gäste mit und ohne Behinderung wie zu Hause fühlen, hat das Hotel neben den barrierefreien Zimmern noch zwei Besonderheiten: An der Rezeption gibt es eine Induktionsschleife für Hörgeräte, die Sprache und andere akustische Signale verstärkt. Zudem führen taktile Streifen sehbehinderte Gäste von der Haltestelle vor der Tür zur Lobby. "Das Integrationsamt vermittelte in der Planungsphase den Kontakt zu einer auf Hotellerie spezialisierten Unternehmensberatung, die uns bei Konzept und Kostenplanung begleitet hat. Die Beratung wurde außerdem finanziell bezuschusst", so Johannes Staub. Das Integrationsamt prüft im Vorfeld einer Förderung generell die Wirtschaftlichkeit und Tragfähigkeit des Geschäftskonzeptes, denn es geht hier meist um viel Geld.

HOTEL ARDEY

Das Hotel Ardey in Witten eröffnete im April 2014, ebenfalls ein Integrationsunternehmen. "Die Blaupause dafür war das Hotel ‚Aspethera‘, ein Ausbildungshotel für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf in Paderborn, das auch von der Stiftung KOLPING-FORUM betrieben wird", erläutert Regina Schafmeister, Vorsitzende der Stiftung. "Die Bewerber mit Schwerbehinderung wurden uns hauptsächlich über die Bundesagentur für Arbeit vermittelt. Wir haben die Mitarbeiter im Vorfeld mit Unterstützung des Aspethera-Teams eingearbeitet. Dabei haben wir unter anderem Checklisten verwendet, damit unsere Mitarbeiter mit Lernschwierigkeiten einzelne Arbeitsschritte, zum Beispiel bei der Zimmerreinigung, selbst nachprüfen können". Der Neubau bietet neben einem Restaurant auch einen großen Saal und Tagungsräume für größere Veranstaltungen. Regina Schafmeister über den Start: "Unsere Mitarbeiter mit und ohne Behinderung freuen sich auf die Gäste und ihre neuen Aufgaben!"


PORTRÄT

Porträt von Regina Schafmeister, Stiftung KOLPING- Forum, Paderborn, (c) Peter Lutz
Regina Schafmeister, (c) Peter Lutz

"Schon vor der Hoteleröffnung haben wir unsere behinderten Beschäftigten intensiv eingearbeitet. Die Erfahrungen mit einem Ausbildungshotel kamen uns dabei zugute. Alle haben sich gefreut, als es dann richtig losging und wir die ersten Gäste im Hotel Ardey begrüßen konnten!"

Regina Schafmeister,
Stiftung KOLPING- Forum, Paderborn

 

Die Hotels im Überblick

Außenansicht des Green City Hotel Vauban, (c) Green City Hotel Vauban
(c) Green City Hotel Vauban

Green City Hotel Vauban

Freiburg im Breisgau

20 Mitarbeiter, 10 schwerbehindert 30 Zimmer, 3 barrierefrei
Gefördert durch KVJS-Integrationsamt des Kommunalverbandes Jugend und Soziales Baden-Württemberg

www.hotel-vauban.de

 

Außenansicht des Hotel Kochsberg, (c) Karsten Socher
(c) Karsten Socher

Hotel Kochsberg

Meinhardt-Grebendorf/Nordhessen

30 Mitarbeiter, 12 schwerbehindert, 30 Zimmer, 6 barrierefrei
Gefördert durch LWV-Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen

www.kochsberg.de

 

 

Außenansicht des Hotel Ardey, (c) Hotel Ardey
(c) Hotel Ardey

Hotel Ardey

Witten/Nordrhein-Westfalen

14 Mitarbeiter, 7 schwerbehindert 56 Zimmer, 7 barrierefrei

Gefördert durch LWL-Integrationsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe

www.ardey-hotel.de

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.