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ZB 3-2014

Rudolf-Freudenberg-Preis

Gemeinschaft erleben


Die Jugendherberge im ostfriesischen Leer ist bundesweit die erste, die als Integrationsfirma arbeitet. Für ihr innovatives Geschäftsmodell wurde sie 2014 mit dem Rudolf Freudenberg-Preis ausgezeichnet.

Ein Mädchen in einem Zimmer der Jugendherberge, (c)DJH
Jung und Alt fühlen sich in der Jugendherberge wohl, (c)DJH
Seit über 100 Jahren sind Jugendherbergen ein Ort der Begegnung. Diese Kultur des Miteinanders wird in Leer noch auf eine andere Art und Weise gepflegt. In der Rabbiner- Manfred-Gans-Jugendherberge arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Seite an Seite. Ihr Arbeitgeber ist die "DJH Gemeinsam arbeiten gGmbH". Sie betreibt das Haus als Integrationsunternehmen unter dem Dachverband Deutsches Jugendherbergswerk (DJH).

Neustart Die Idee, den Betrieb in eine Integrationsfirma umzuwandeln, entwickelte sich während des Komplettumbaus des historischen Gebäudes im Jahr 2012. "Wir haben das Angebot ausgebaut und das Personal aufgestockt", sagt Regionalleiter Marcus Heisterkamp. Finanziert wurde der Neustart mit Unterstützung privater Investoren und des Integrationsamtes beim niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie. Bei der Suche nach passenden Bewerbern mit einer Behinderung waren die Arbeitsagentur und das Zentrum für Arbeit Leer, die Integrationsfachdienste Emden und das Berufsförderungswerk Friedehorst behilflich. Heute sorgen sechs behinderte und genauso viele nicht behinderte Mitarbeiter für das Wohl der Gäste.

Gruppenfoto aller Mitarbeiter der Jugendherberge, (c)DJH
Leiter Marcus Heisterkamp (4. v. r.) und sein Team, (c)DJH
Im Tandem
Doch mit der Einstellung allein war es nicht getan. "Wir haben die Arbeitsabläufe auf die behinderten Kolleginnen und Kollegen zugeschnitten", sagt Betriebsleiterin Janina Goedeke, Diplom-Sozialpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Keine leichte Aufgabe, denn die Mitarbeiter haben ganz unterschiedliche Behinderungen und arbeiten je nach Leistungsvermögen in Voll- oder Teilzeit. Damit jeder seine Fähigkeiten voll entfalten kann, wurde ein Tandem-System eingeführt: "Ein schwerbehinderter und ein nicht behinderter Mitarbeiter bildeten in der Startphase ein Team", erläutert Marcus Heisterkamp.

Als Vorbild Mit seinem integrativen Konzept hat das Haus in Leer Modellcharakter für die über 500 Jugendherbergen in Deutschland. Der Erfolg schlägt sich auch in den schwarzen Zahlen nieder, die das Haus zwei Jahre nach Gründung schreibt. Für Marcus Heisterkamp ist das aber erst der Anfang: "In den nächsten Jahren wollen wir behinderte junge Menschen zum Koch oder zur Köchin ausbilden. Ich würde mich freuen, wenn unser Projekt als Leuchtturm für andere Jugendherbergen dient. Der Freudenberg-Preis ist eine schöne Motivation, in diese Richtung weiterzudenken!" Die Erweiterung des Integrationsunternehmens auf die Jugendherberge in Aurich ist momentan in Planung. Mit dem Rudolf-Freudenberg-Preis werden seit 2005 Integrationsfirmen ausgezeichnet, die mit ihrem Geschäftsmodell neue Wege in der Beschäftigung behinderter, insbesondere psychisch kranker Menschen, aufzeigen.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.