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Beruf

Gerd Gradwohl und sein Begleitläufer auf dem Siegertreppchen ZB 3/2009

Paralymics

Gerd Gradwohl beweist Mut und Optimismus

Gerd Gradwohl war nicht immer sehbehindert. Erst 1996 wurde er durch eine Makuladegeneration, eine genetisch bedingte Augenkrankheit, im Sehzentrum fast blind. Da die Krankheit anfangs mit neurologischen Problemen und Erschöpfungszuständen einherging, war an Sport zunächst nicht zu denken. Das war für den ehrgeizigen Allgäuer aber kein Grund aufzugeben.

Schicksalsschlag als Herausforderung

m Jahr 1999 fand Gerd Gradwohl – über einige Umwege und mehr aus Zufall – den Weg in die deutsche Skinationalmannschaft der Menschen mit Behinderung. Das war zugleich der Beginn einer erfolgreichen Sportkarriere. Bei den Paralympics 2006 in Turin holte „Beppi“ zusammen mit seinem Begleitläufer Karl-Heinz Vachenauer Gold in der Abfahrt und Bronze im Slalom. Auch bei Welt- und Europacuprennen steht der Skirennfahrer regelmäßig auf dem Podest. Zuletzt wurde er im Februar 2009 in Korea Abfahrtsweltmeister in der Klasse der sehbehinderten Fahrer.

Die Karriere im Wintersport steht für Gerd Gradwohl allerdings nicht an erster Stelle. „Mein Beruf ist meine Zukunft! Wenn der Job es erfordert, streiche ich auch schon mal eine Trainingseinheit“, so der studierte Völkerkundler und Afrikanist, der vor seiner Erkrankung zehn Jahre lang als selbstständiger Bauunternehmer tätig war.

Umschulung zum Physiotherapeuten

Nach seiner teilweisen Erblindung musste sich Gerd Gradwohl beruflich umorientieren und begann beim Berufsförderungswerk (BFW) Mainz eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, die er im September 2006 mit dem Staatsexamen abschloss. Das BFW Mainz – zugleich Gerd Gradwohls Sponsor – unterstützt ihn seitdem bei der beruflichen Integration. Heute führt er zusammen mit seiner ebenfalls sehbehinderten Frau eine eigene Praxis für Physiotherapie in Kempten. Dort behandelt der 49-Jährige insbesondere Patienten mit orthopädischen, chirurgischen oder neurologischen Beschwerden. Auch Leistungssportler verschiedener Sportarten zählen zu seinen Kunden. Probleme hat Gerd Gradwohl aufgrund seiner Behinderung nicht bei der Behandlung seiner Patienten. „Nur beim Ausfüllen von Formularen bin ich auf Unterstützung angewiesen, weil ich seit meiner Erkrankung nicht mehr lesen kann.“ Das Integrationsamt beim Zentrum Bayern Familie und Soziales – Region Schwaben finanziert ihm deshalb für etwa zehn Stunden in der Woche eine Arbeitsassistenz.

„Geht nicht, gibt’s nicht!“

Das Leben ist für Gerd Gradwohl eine ständige Herausforderung, die er meistern will. Auch nach seinen Erfolgen im alpinen Skisport lehnt er sich nicht zurück, sondern setzt sich immer wieder neue Ziele: „Bei den Paralympics in Vancouver/Kanada will ich im März 2010 wieder auf dem Treppchen stehen. Und um meine Patienten noch ganzheitlicher behandeln zu können, möchte ich im kommenden Jahr eine Fortbildung im Bereich der traditionellen chinesischen Medizin absolvieren.“ Mit seinem Lebensmut und seiner positiven Ausstrahlung beeindruckt Gerd Gradwohl nicht nur Sportbegeisterte: „Ich will Menschen mit Behinderung zeigen, dass man das Handicap in sein Leben integrieren kann.“

 

 

 

 

 


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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.