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Screenshot ZB 2 / 2010

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Gesunde Arbeit für alle

Das bundesweite Projekt „Gesunde Arbeit“ unterstützt mittlere und kleine Betriebe in Fragen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Inzwischen wurden einige Regionalstellen aufgebaut, die beraten, individuelle Lösungen erarbeiten und die Umsetzung koordinieren – bei schwerbehinderten Menschen in enger Zusammenarbeit mit den Integrationsämtern.


Ein Monteur der Firma Xenon, Automatisierungstechnik GmbH, kehrt nach sechsmonatiger Abwesenheit aufgrund eines Bandscheibenvorfalls in seinen Betrieb zurück. Die Ausübung seiner bisherigen Tätigkeit ist ihm jedoch nicht mehr möglich. Der Personalverantwortliche wendet sich an die Regionalstelle Dresden der „Gesunden Arbeit“.

Kleine und mittlere Betriebe können seit einiger Zeit von einem neuen Angebot profitieren. Mit dem Projekt „Gesunde Arbeit“ fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales regionale Beratungsstellen für Gesundheitsmanagement. Arbeitgeber müssen sich auf die Folgen des demographischen Wandels einstellen: Die Belegschaften werden älter und es wird weniger qualifizierter Nachwuchs zur Verfügung stehen. Umso wichtiger ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter qualifiziert, motiviert und gleichzeitig gesund zu erhalten. Sie sind letztlich das Fundament jedes erfolgreichen Unternehmens.

Krankheitsbedingte Ausfälle von Mitarbeitern lassen sich sicher nicht immer vermeiden. Aber in vielen Fällen werden Chancen immer noch vertan, vorbeugend mitzuhelfen, um durch die Arbeitsbedingungen mitverursachte Krankheiten möglichst zu vermeiden oder eine schnellere Rückkehr an den Arbeitsplatz zu unterstützen. Häufig fehlen jedoch die innerbetrieblichen Ressourcen, um die vielfältigen Möglichkeiten zur Vermeidung von gesundheitlichen Risiken mit ihren Folgen zu nutzen. Obwohl eine wissenschaftliche Studie ergeben hat, dass fast die Hälfte der befragten Unternehmen Auswirkungen des demographischen Wandels erwartet, berücksichtigen dies nur 19,3 Prozent in ihrer Personalpolitik. Rund ein Viertel der Befragten gab an, bei betrieblichen Gesundheitsfragen nicht zu wissen, an wen sie sich wenden können. Auch das gesetzlich vorgeschriebene „Betriebliche Eingliederungsmanagement“ ist nur einem Drittel der kleinen und mittleren Betriebe bekannt.

Ein Angebot …
… speziell für kleine und mittlere Betriebe


Der Gesetzgeber hatte in den letzten Jahren einiges in diesem Bereich getan. Sowohl durch die Vorschrift über die Prävention im Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) als auch durch das im Jahr 2004 hinzugekommene Betriebliche Eingliederungsmanagement sollen krankheitsbedingte Ausfälle vermindert und eine schnellere Rückkehr an den Arbeitsplatz erreicht werden. Abstrakte Regelungen reichen dafür aber nicht aus. Daher sehen die genannten Regelungen im SGB IX die Beratung und Unterstützung der Arbeitgeber und der übrigen betrieblichen Beteiligten, wie dem Betriebs- und Personalrat, der Schwerbehindertenvertretung oder den Betriebsärzten durch die gesetzlichen Leistungsträger vor – bei schwerbehinderten Arbeitnehmern insbesondere durch das Integrationsamt.

Daneben gibt es aber zunehmend auch private Angebote, um diese notwendige Entwicklung zu unterstützen. Sie reichen von der Ausbildung und Zertifizierung so genannter Disability Manager in den Betrieben bis zu Angeboten wie dem Projekt „Gesunde Arbeit“. Da Großbetriebe sich mit der Einführung präventiver Maßnahmen nach aller Erfahrung wesentlich leichter tun und teilweise schon sehr gut vorangekommen sind, richtet sich das Angebot des Projekts „Gesunde Arbeit“ an kleine und mittlere Betriebe. Diese haben nämlich in der Regel nicht die Möglichkeit, auf innerbetriebliche Experten zurückzugreifen. „Gesunde Arbeit“ will deshalb mit Hilfe gut ausgebildeter Experten unterstützen. Das Angebot besteht aber noch nicht in allen Regionen. Folgende Regionalstandorte der „Gesunden Arbeit“ gibt es bereits: Bayern (Nürnberg und München), Nordrhein-Westfalen (Köln und Münster), Sachsen (Dresden) und Schleswig-Holstein (Segeberg). In den nächsten fünf Jahren soll diese Struktur weiter ausgebaut werden.

Zielgruppe …
… alle Beschäftigten


„Gesunde Arbeit“ versteht sich als kompetente Beratung, die individuelle Lösungen aufzeigt, sie mit den möglichen Leistungsträgern abstimmt und auch ihre Umsetzung organisiert. Die Zunahme psychischer Erkrankungen (von Depressionen bis zu Burn-Out) steht dabei ebenso im Fokus wie Sport und Bewegung als Ausgleich zur Vermeidung unnötiger körperliche Belastungen am Arbeitsplatz, die Verminderung von Stress und die Wiedereingliederung von langzeiterkrankten Mitarbeitern. Das Angebot der „Gesunden Arbeit“ geht damit weit über die Zielgruppe der schwerbehinderten Arbeitnehmer hinaus und betrifft alle Arbeitnehmer im Betrieb. Wichtig ist: Das Angebot ist für die Arbeitgeber kostenlos.

Seit einiger Zeit gibt es viele Aktivitäten in diesem Bereich: Gesetzliche Leistungsträger, wie zum Beispiel die Krankenkassen, die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung oder die Integrationsämter, die Gemeinsamen Servicestellen der Rehabilitationsträger, aber auch Hochschulen und private Anbieter. Sie alle haben sich die Unterstützung von Maßnahmen der betrieblichen Prävention auf die Fahnen geschrieben. Für die Betriebe ist es nicht leicht, in der Vielfalt der Angeboten die richtige Anlaufstelle zu finden.

Enge Zusammenarbeit …
… mit dem Integrationsamt


Die Integrationsämter sind gefragt, wenn es um schwerbehinderte oder gleichgestellte Arbeitnehmer geht. Sie bieten einen umfassenden Beratungsservice, verfügen über Fachdienste, wie die Technischen Beratungsdienste oder die Integrationsfachdienste, und ein breites Angebot an finanziellen Hilfen. Darüber hinaus informieren sie in ihren Schulungs- und Informationsveranstaltungen für das betriebliche Integrationsteam. Andere Stellen kommen in Betracht, wenn es um nicht behinderte Arbeitnehmer oder Rehabilitanden geht, um allgemeine Beratung unabhängig vom Einzelfall, zum Beispiel um das Angebot von betrieblichem Gesundheitssport. Die Trennlinien sind hier noch nicht immer klar. Umso wichtiger ist es, dass alle regionalen Integrationsämter mit den Regionalstellen der „Gesunden Arbeit“ in ihrem Bereich eng zusammenarbeiten. Ebenso steht die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) in engem Kontakt mit dem neuen Projekt und ist ebenso in seinem Beirat vertreten. Auch die BIH hält viele Informationen zu dem Thema bereit, nicht zuletzt durch die Online-Akademie zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement auf www.integrationsaemter.de.

 

Nähere Informationen …

und die Kontaktdaten der Ansprechpartner des Projekts „Gesunde Arbeit“ in den genannten Regionen findet man unter www.gesunde-arbeit.net

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.