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Podium der Fachtagung ZB 2/2007

Fachtagung "Integrationsdienste"

Gute Arbeit hat ihren Preis

Die Zahlen belegen es: Integrationsfachdienste werden gebraucht und sie leisten gute Arbeit. Sorgen bereitet jedoch die Finanzierung des Vermittlungsbereichs. Ein Bericht von der Fachtagung „Schritt für Schritt IV“.

„Lassen Sie uns zuerst über die Arbeit der Integrationsfachdienste reden und erst dann Finanzierungsfragen diskutieren!“ Mit diesen Worten eröffnete Ulrich Adlhoch, Mitglied des Vorstands der BIH, am 21. Mai 2007 die vierte Fachtagung „Schritt für Schritt“ zur Arbeit, Entwicklung und Perspektive der Integrationsfachdienste (IFD). Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren auf Einladung der BIH nach Bonn gekommen. Darunter Vertreter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Bundesagentur für Arbeit, der Integrationsämter, der Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung, der Rehabilitationsträger, Fachkräfte der Integrationsfachdienste sowie Interessenvertreter von Arbeitgebern und schwerbehinderten Menschen. Die dreitägige Veranstaltung bot Gelegenheit zum intensiven fachlichen Informations- und Erfahrungsaustausch. Darüber hinaus war sie ein Diskussionsforum für wichtige aktuelle Fragen.

Gute Bilanz

Gedanklicher Leitfaden der Veranstaltung war der Beitrag der BIH zum „Bericht der Bundesregierung über die Wirkung der Instrumente zur Sicherung der Beschäftigung und zur betrieblichen Prävention“, der voraussichtlich Ende Juni 2007 vorliegt. Darin wird die Arbeit der IFD in den vergangenen beiden Jahren dargestellt und bewertet. Die wichtigsten Ergebnisse präsentierte zu Beginn der Fachtagung Dr. Dieter Schartmann vom Integrationsamt beim Landschaftsverband Rheinland in Köln. Im vergangenen Jahr haben 87.000 behinderte Menschen die Dienstleistungen des Integrationsfachdienstes in Anspruch genommen – etwa 10.000 Personen mehr als 2005.

Davon waren ungefähr 44 Prozent auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt, 52 Prozent waren arbeitslos. Schülerinnen und Schüler sowie Werkstattbeschäftigte sind bislang kaum vertreten. Insgesamt ist festzustellen, dass der IFD in zunehmendem Maße genutzt wird. Gleichzeitig belegen die Zahlen, dass die Fachdienste erfolgreich arbeiten: Im Bereich Begleitung konnten zwei Drittel der Arbeitsplätze gesichert werden. Die Erfolgsquote bei den Vermittlungen lag bei 30 Prozent, was angesichts der schweren Vermittlungshemmnisse der Kunden des IFD – besonders betroffene schwerbehinderte Menschen – ein gutes Ergebnis darstellt. „Die Integrationsämter sind in 51 Prozent der Fälle Auftraggeber der IFD, aber sie tragen 89 Prozent der Kosten, die im vergangenen Jahr insgesamt 76,5 Millionen Euro betrugen“, so Dr. Dieter Schartmann.

Schwieriger Prozess

„Die Integrationsämter stehen zu ihrer Strukturverantwortung. Sie sind diese Aufgabe mit Energie und Entschlossenheit angegangen und die Integrationsfachdienste haben mitgezogen“, erklärte Dr. Helga Seel, Vorstandsmitglied der BIH, in der anschließenden Podiumsdiskussion. Seit dem 1. Januar 2005 haben die Integrationsämter dafür Sorge zu tragen, dass ein flächendeckendes Netz gut organisierter und ausgestatteter Dienste zur Verfügung steht. Dafür wurden Dienste zu einem umfassenden Angebot am gemeinsamen Standort zusammengeführt, teilweise vorhandene Überkapazitäten im Vermittlungsbereich abgebaut sowie einheitliche Standards für die Qualitätssicherung und die Dokumentation eingeführt.

Im weiteren Verlauf der Diskussion ging es auch um die Akzeptanz der IFD bei ihren potenziellen Auftraggebern: Zwar steigt die Nachfrage bei den Rehabilitationsträgern. Auf der anderen Seite werden die IFD von der Bundesagentur für Arbeit bislang kaum für die Berufsberatung und Berufsorientierung behinderter Jugendlicher genutzt. Und auch die Arbeitsgemeinschaften (ARGEn), Träger der Grundsicherung nach SGB II, die für etwa die Hälfte der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen zuständig sind, beauftragen die IFD nur in beschränktem Maße für die Vermittlung, wie Erika Faust, Leiterin der Abteilung Rehabilitation bei der Bundesagentur für Arbeit, einräumte. „Nutzen Sie die Vorzüge der Integrationsfachdienste als Ergänzung und Unterstützung ihrer Arbeit!“, warb Dr. Helga Seel bei den Auftraggebern der IFD.

Knackpunkt Finanzierung

Sorgen bereitet nach wie vor die Finanzierung des Vermittlungsbereichs der IFD. Dies kam in vielen Redebeiträgen zum Ausdruck. Kritisiert wurde unter anderem die bisherige Auffassung der Bundesagentur für Arbeit zur Ausschreibungspflicht bei der Beauftragung des IFD, die inzwischen jedoch nicht mehr vertreten wird. Der aktuelle Vorschlag der Bundesagentur zur Finanzierung der Vermittlungsleistungen ist nach Ansicht der BIH nicht akzeptabel. Strittig ist nicht nur die Höhe der Fallpauschalen, sondern auch der Umfang an Leistungen, die im „Vermittlungspaket“ enthalten sind und von der Bundesagentur vergütet werden. Auf das ursächliche Problem wies Karl-Friedrich Ernst, Vorsitzender der BIH, hin. Er bemängelte: „Das Gesetz lässt hier zu viel Interpretationsspielraum!“. Die Folgen haben die Integrationsämter zu tragen, die bislang vielfach die Kosten für Vermittlungsleistungen übernehmen, wenn es keinen anderen Träger gibt. Doch ihre finanzielle Schmerzgrenze ist erreicht: „Das Geld reicht hinten und vorne nicht“, so Karl-Friedrich Ernst. Eine baldige Einigung mit der Bundesagentur für Arbeit sei dringend geboten.

Klare Spielregeln

Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden und die Abstimmung in Grundsatzfragen zwischen den Integrationsfachdiensten und den Leistungsträgern zu erleichtern, forderten die Teilnehmer eines Workshops die Einrichtung eines Koordinierungsausschusses auf Bundesebene. Weitere Anregungen kamen aus den Workshops und Präsentationen, die am zweiten Tag der Veranstaltung die Gelegenheit boten, verschiedene fachliche Themen eingehender zu erörtern. Zum Abschluss der Fachtagung appellierten die Redner des sozialpolitischen Forums noch einmal an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, klare gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Dies ist ihrer Ansicht nach eine wichtige Voraussetzung dafür, dass offene Finanzierungsfragen gelöst und der Vermittlungsbereich der IFD erhalten werden kann. Für die IFD äußerte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung, Jörg Bungart, den Wunsch: „Wir brauchen mehr Planungssicherheit, damit wir uns ganz auf die eigentliche Arbeit der Integrationsfachdienste konzentrieren können.“ Profitieren werden davon die schwerbehinderten Menschen, die ohne den IFD keine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt haben. Und das werden immer mehr ...

 




Sozialpolitisches Abschlussforum: v.li.: Achim Backendorf (VdK), Jörg Bungart (BAG für Unterstützte Beschäftigung),Willi-Johannes Kainz (Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen), Karl-Friedrich Ernst (BIH), Dr. Peter Mozet (BMAS), Hans Diedenhofen (BAG der betriebl. Schwerbehindertenvertretungen)

 

Mehr Informationen

Hier finden Sie eine ausführliche Tagungsdokumentation mit weiteren Ergebnissen und Diskussionsbeiträgen.



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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.