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ZB 3-2017

Inkludierte Gefährdungsbeurteilung

Der Schlüssel zu mehr Sicherheit

Die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung stellt für Betriebe eine Herausforderung dar – erst recht bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Hier verspricht ein Forschungsprojekt des LVR-Integrationsamtes Abhilfe.

Illustration zum Ablauf einer Gefährdungsbeurteilung, (c) Atelier Stepp Beschäftigte haben Anspruch auf einen gesunden und sicheren Arbeitsplatz. Das regelt das Arbeitsschutzgesetz mit einer regelmäßigen Gefährdungsbeurteilung. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben. Was kann die Sicherheit und Gesundheit eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin bei welchen Tätigkeiten gefährden? Und vor allem: Welche Möglichkeiten und Maßnahmen gibt es, um diese Gefahren zu vermeiden? Das gilt erst recht für schwerbehinderte Beschäftigte.

Besondere Gefahren Die Praxis zeigt jedoch, dass sich viele Führungskräfte mit der Umsetzung einer Gefährdungsbeurteilung schwer tun. Denn: Es gibt kaum Handlungsanweisungen, um die speziellen Unfallgefahren für behinderte Menschen zu beurteilen. Die Auswirkungen der verschiedenen Behinderungen sind ganz unterschiedlich und damit auch die besonderen Gefahren, die für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstehen.

Hier hat das Integrationsamt beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) angesetzt und das Forschungsprojekt "Inkludierte Gefährdungsbeurteilung" ins Leben gerufen, das vom Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie (ASER) durchgeführt wurde. Entstanden ist eine konkrete Handlungsanweisung am Beispiel Höreinschränkungen. Viele hörbehinderte Menschen sind gut ausgebildet und können beispielsweise in Handwerksbetrieben arbeiten. Allerdings besteht für sie dort ein erhöhtes Risiko für Verletzungen, weil sie akustische Warnungen wie einen Feueralarm oft nicht wahrnehmen können. Mögliche Hilfen sind Lichtsignale, ein Vibrationsalarm oder sogar die direkte Übertragung von Nachrichten auf das Hörgerät. Unterstützung geben dabei die Technischen Berater. Auch für sie ist die Handlungsanweisung ein Angebot, offene Fragen zu beantworten und so die Umsetzung zu vereinfachen.

Wie sie funktioniert Die Handlungsanweisung führt den Anwender systematisch durch die Gefährdungsbeurteilung. So können alle relevanten Fragen beantwortet werden. Im ersten Schritt sensibilisieren Leitfragen, ob der Punkt am vorliegenden Arbeitsplatz relevant ist. Ergänzende Fragen konkretisieren die einzelnen Aspekte. Jede Frage kann zustimmend, ablehnend oder mit "nicht relevant" beantwortet werden. Im nächsten Schritt wird beurteilt, ob Handlungsbedarf besteht. Immer gibt es auch Vorschläge für geeignete Maßnahmen.

Barrieren abbauen "Wir wollen nicht in Konkurrenz mit der gesetzlichen Unfallversicherung treten, sondern auf deren Wissen aufsatteln", sagt Dr. Carsten Brausch, Leiter des Technischen Beratungsdienstes beim LVR-Integrationsamt. Damit sollen vor allem Barrieren bei der Einstellung schwerbehinderter Menschen aus dem Weg geräumt werden. "Der Arbeitgeber soll erkennen, dass das Risiko beherrschbar ist", sagt Carsten Brausch.

Die Handlungsanweisung ist verfügbar unter: www.lvr.de

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.