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Behinderung
&
Beruf

ZB 2-2014

Wissen, was zu tun ist

Inklusionsbarometer Arbeit

Wie steht es um die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt? Das Inklusionsbarometer Arbeit entwickelt neue Instrumente, um die reale Situation messbar zu machen. Die Ergebnisse sollen zeigen, wo Handlungsbedarf besteht und wie Fortschritte erreicht werden können.

Prof. Bert Rürup während seiner Rede zum Inklusionsbarometer, (c) Kolja Matzke
Prof. Bert Rürup stellt das Inklusionsbarometer Arbeit vor, (c) Kolja Matzke
"Betriebe nutzen das Potenzial behinderter Menschen noch zu wenig. Trotz einer leichten Verbesserung der Lage schwerbehinderter Arbeitnehmer gibt es noch viel zu tun!“ So der frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup zu den Ergebnissen des Inklusionsbarometers Arbeit. "Noch immer sind viele Arbeitgeber nicht ausreichend für dieses wichtige Thema sensibilisiert. Es gibt vielfach Berührungsängste, Menschen mit Behinderung in die Personalplanung bewusst mit einzubeziehen. Dabei sind sie oft besonders motiviert und leistungsfähig. Das belegt auch unser Inklusionsbarometer: Mehr als 80 Prozent der Firmenchefs können keine Leistungsunterschiede zwischen den Mitarbeitern mit und ohne Behinderung feststellen."

HANDLUNGSBEDARF

Prof. Dr. Bert Rürup ist Präsident des Handelsblatt Research Institute, das im Auftrag der Aktion Mensch Ende 2013 erstmals das Inklusionsbarometer Arbeit vorgelegt hat. Ziel ist es, ein aktuelles Bild vom Stand der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln, Tendenzen aufzuzeigen und auf den gesellschaftlichen Handlungsbedarf hinzuweisen. Das Inklusionsbarometer soll jedes Jahr erscheinen. Um die Situation ganzheitlich zu betrachten, wurden zwei Instrumente geschaffen:

DIE FAKTEN ZUR LAGE

Das Inklusionsbarometer gibt Auskunft über die Entwicklung der Situation anhand der harten Fakten. Hierzu werden vorhandene statistische Daten zu schwerbehinderten Menschen ausgewertet: Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Anträge auf Kündigung, Pflichtarbeitsplätze. Wichtige Quellen sind der BIH Jahresbericht (siehe Dokumente) und die Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Die Lage schwerbehinderter Arbeitnehmer hat sich nach Auswertung dieser Daten

im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre leicht verbessert, von einem Ausgangswert 100 auf 101,7. Nach wie vor besteht jedoch eine gravierende Ungleichheit zwischen Beschäftigten mit und ohne Behinderung: Die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen liegt noch immer bei 14 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie die vergleichbare Arbeitslosenquote von Menschen ohne Behinderung. Auch die Beschäftigungsquote für schwerbehinderte Menschen (5 Prozent) wird in der Privatwirtschaft mit 4 Prozent nicht erreicht.

DAS KLIMA DER EINSTELLUNGEN

Wenn man in Sachen Inklusion bei der Arbeit vorankommen will, hilft die Kenntnis der harten Fakten allein nicht weiter. Deshalb gibt das Inklusionsbarometer Auskunft über die aktuellen Stimmungen, Einstellungen und Kenntnisse von behinderten Beschäftigten und ihren Arbeitgebern. Und hier muss man ansetzen, wenn man etwas verändern will. Das aktuelle Klima der Inklusion in den Betrieben wurde erkundet durch eine Forsa-Umfrage bei den Personalverantwortlichen von 402 Unternehmen, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, und bei 807 Beschäftigten mit Behinderung in diesen Betrieben.

Die Ergebnisse können hier nicht im Detail beschrieben werden, aber es lohnt, sie nachzulesen im Inklusionsbarometer Arbeit (siehe Dokumente). Zum Beispiel, dass schwerbehinderte Beschäftigte

  • zu 90 Prozent entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt werden,
  • zu 94 Prozent sich innerhalb des Kollegenkreises voll akzeptiert und integriert fühlen,
  • aber zu 25 Prozent die Entwicklungsmöglichkeiten im Betrieb als sehr schlecht oder eher schlecht beurteilen. dass Arbeitgeber
  • zu 81 Prozent keine Leistungsunterschiede zwischen Beschäftigten mit und ohne Behinderung sehen,
  • zu 83 Prozent keine schriftlichen Grundsätze und Pläne zur Integration haben (z.B. Integrationsvereinbarung),
  • zu 90 Prozent bereit sind, die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen an andere Unternehmer weiterzuempfehlen,
  • zu 78 Prozent die staatliche Förderung kennen. Dabei gibt es allerding deutliche Unterschiede: Bei Großbetrieben mit über 1.000 Beschäftigten ist das fast überall bekannt (94 Prozent), kleinere Betriebe mit 20 bis 50 Beschäftigten wissen zu 37 Prozent nichts davon.

Das Barometer zum Inklusionsklima zeigt einen Wert von 33,6 und liegt damit im unterkühlten, negativen Bereich. Bei Arbeitgebern übrigens mit 25,9 deutlich kühler als bei schwerbehinderten Beschäftigten mit 41,3. Ab einem Wert von 50 beginnt der Inklusionsfrühling. Das Klima muss also deutlich angenehmer werden, damit sich auch die nüchternen Zahlen und Fakten verbessern können.

 

Porträt von Prof. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute, (c) Aktion Mensch "In einer Marktwirtschaft verspricht sich jeder Unternehmer mit einer Einstellung die Verbesserung seines Unternehmensergebnisses. Mehr als 80 Prozent der Arbeitgeber stellen keine Leistungsunterschiede zwischen Angestellten mit und ohne Behinderung fest.“

Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt
Research Institute

 

 

 

 

 

Porträt von Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch, (c) AktionMensch "Die Lage von Menschen mit Behinderung hat sich zwar bereits verbessert, doch es gibt noch viel Handlungsbedarf. Nicht die Defizite, sondern die Fähigkeiten der potenziellen Beschäftigten sollten bei der Einstellung im Fokus stehen.“

Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion
Mensch


 

 

 

 

Porträt von Ulrich Adlhoch, Vorsitzender der BIH, (c) Oliver Werner "Die erfolgreiche und dauerhafte Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben ist das erklärte Ziel der Integrationsämter. Gemeinsam mit unseren betrieblichen Partnern arbeiten wir daran, dass dies gelingt.“

Ulrich Adlhoch, Vorsitzender der
Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH)

 

 

 

 

 

DOKUMENTE


Titelseite des Inklusionsbarometer Arbeit, herausgegeben durch die Aktion Mensch, (c) Aktion Mensch Aktion Mensch
Inklusionsbarometer Arbeit


Die Untersuchung wertet statistische Zahlen zur Lage aus (z.B. Arbeitslosigkeit, Beschäftigungsquote) und befragt Arbeitgeber und schwerbehinderte Beschäftigte zum Klima der Inklusion. Ergebnisse auf 50 Seiten.
Als PDF unter: www.aktion-mensch.de

 



Titelseite des BIH Jahresbericht 2012/2013, herausgegeben durch die BIH, (c) BIH BIH Jahresbericht 2012/2013
Hilfen für schwerbehinderte Menschen im Beruf


Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen, Leistungen an Betroffene und Arbeitgeber. Zahlen, Daten, Fakten, ausführliche Erläuterungen auf 54 Seiten.
Als PDF unter: www.intergrationsaemter.de/Publikationen

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.