Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 2/2011

Projekt DIMDI

Integration aus Überzeugung

Innerhalb eines halben Jahres stellte das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln 13 schwerbehinderte Men schen ein. Die neu en Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit am Aufbau eines bundesweiten Arzneimittel-Informationssystems.

Besprechung: Eva Wiotte mit Sibylle Windhof und Barbara Höfgen, (c) DIMDI
Eva Wiotte, Sibylle Windhof und Barbara Höfgen (v. li.)

Mit dem Internetportal PharmNet. Bund.de stellen Bund und Länder der
Öffentlichkeit ein Arzneimittel-Informationssystem zur Verfügung. Neben
administrativen Daten rund um die Zulassung von Arzneimitteln enthält
es auch Fach- und Gebrauchsinformationen. Der Aufbau des Portals begann im Jahr 2005 und verursachte einen hohen Personalbedarf beim DIMDI. Die Idee, dieses Vorhaben in einem Teilprojekt mit schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu unterstützen, hatte Sibille Windhof, Vertrauensfrau für schwerbehinderte Menschen beim DIMDI. „Bei der Umsetzung konnten wir auf eine Menge Erfahrung im Umgang mit behinderten Menschen und Fachkenntnis zurückgreifen“, erklärt Sibille
Windhof. Das DIMDI engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Qualifizierung und Integration behinderter Menschen.

Große Herausforderung

„Ein Netzwerk an Kontakten und Ansprechpartnern ist für die erfolgreiche Eingliederung unabdingbar“, so Sibille Windhof. Als Initiatorin der Beschäftigungsoffensive ist sie zusammen mit Kirsten Gödecker, Beauftragte für den Haushalt und Sachgebietsleiterin beim DIMDI, und Barbara Höfgen, Leiterin der Arbeitsgruppe „Informationssystem Arzneimittel“, federführend an der Umsetzung beteiligt. Sowohl personell als auch finanziell stellt dieses Projekt enorme Herausforderungen an die Behörde. Die Vertrauensfrau der schwerbehinderten Menschen begleitete den gesamten Prozess – von der Projektkoordination über die Einbindung der Arbeitsagenturen bis zur Einstellung neuer Mitarbeiter. Während Barbara Höfgen die fachliche Einbindung der neuen Kollegen koordinierte, war Kirsten Gödecker für die finanzielle Planung und die Beschaffung von Fördermitteln verantwortlich. „Wir haben von vielen Seiten Unterstützung
erhalten und sind auf viel Entgegenkommen gestoßen, natürlich auch im Bundesgesundheitsministerium. Finanziell wurden wir zu einem großen Teil vom Integrationsamt beim Landschaftsverband Rheinland unterstützt“, erklärt die Haushaltsverantwortliche.

Teil der Unternehmenskultur

Die 13 schwerbehinderten Menschen, die im Jahr 2010 vom DIMDI eingestellt wurden, nehmen allerdings in verschiedenen Behörden unterschiedliche Aufgaben wahr. Drei behinderte Menschen sind direkt beim DIMDI beschäftigt, die anderen verteilen sich auf das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, das Paul-Ehrlich-Institut und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Dort arbeiten
sie unter anderem an der Datenerfassung und -pflege sowie an der Qualitätssicherung von Datenbankinhalten. Als Projektleiterin koordiniert die
schwerbehinderte Eva Wiotte beim DIMDI den Einsatz der ebenfalls schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen in den einzelnen Behörden.

Das DIMDI fühlt sich als Institut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit besonders verpflichtet, einen Beitrag zur Integration von Menschen mit Behinderung zu leisten. Von derzeit 145 Mitarbeitern arbeiten 31 Menschen mit einem Handicap beim DIMDI. Das entspricht einer Quote von rund 21 Prozent. „Die behinderten Menschen gehören mittlerweile zur Identität unserer Behörde. Daher stellt der selbstverständliche Umgang mit ihnen einen Teil unserer Unternehmenskultur
dar“, beschreibt Sibille Windhof das Arbeitsklima. Im DIMDI stehen – so die Institutsphilosophie – der Mensch und die bestmögliche Einbringung seiner Arbeitskraft in das Berufsleben im Vordergrund.

Berufliche Praxis fördern

„Viele unserer Neueinstellungen kamen aus der Langzeitarbeitslosigkeit
oder aus Umschulungen. Durch das Projekt erhalten sie die Chance, im
Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen“, erläutert Sibille Windhof. Die Vorlaufzeit
für die gesamte Maßnahme mit Konzeption, Antragstellung, Mittelbeschaffung und so weiter betrug fast ein Jahr.

Nach dem Auswahlverfahren begann die Tätigkeit der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Fortbildungsblock, der sie in das Informationssystem einführte und auch dem Kennenlernen diente. Für das Projekt konnte das DIMDI hochqualifiziertes Personal gewinnen, darunter viele Akademiker. Als einzige erhält Iris Gödecker, die in der Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit des DIMDI mitarbeitet, eine Ausbildung als Volontärin. Die Handicaps der neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen haben sehr unterschiedliche Ausprägungen: Neben Menschen mit motorischen Einschränkungen arbeiten beispielsweise auch hörbehinderte
und mehrfach behinderte Personen sowie Autisten am Ausbau der Datenbank mit.

„Eine Bewerberin hat mit 30 Jahren das erste  Vorstellungsgespräch bei uns absolviert“, erklärt Sibille Windhof, „aufgrund ihrer Qualifikation erhielt sie anschließend einen Arbeitsvertrag.“

Arbeitsumfeld anpassen

Mit der Barrierefreiheit des DIMDIGebäudes ist eine notwendige Voraussetzung für die Beschäftigung behinderter Menschen erfüllt. Automatiktüren, Aufzüge mit Bedienungstableau in Brailleschrift, Projektionsmöglichkeiten und Lautsprecher in Kursräumen sowie behinderungsgerechte Toiletten sind genauso vorhanden wie Escape-Chairs, mit denen im Notfall gehbehinderte Beschäftigte transportiert werden können.

Einzelne Arbeitsplätze lassen sich an die individuellen Beeinträchtigungen
der behinderten Beschäftigten anpassen. Höhenverstellbare Schreibtische,
Vorlesegerät, Vergrößerungssoftware und große Tastaturen sind
nur ein Teil der Hilfsmittel, auf welche die Mitarbeiter im Arbeitsalltag zurückgreifen können. Flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeitsplätze
bieten auch schwerbehinderten Mitarbeitern die Möglichkeit, trotz ihres Handicaps ihrer Arbeit nachzugehen, bei Bedarf von zu Hause aus. Trotz aller Bemühungen, die Arbeitsbedingungen optimal zu gestalten, verlief die Eingliederung aber nicht in jedem Fall problemlos. So wurden zum Beispiel krankheitsbedingte Ausfälle durch das Betriebliche Eingliederungsmanagement im DIMDI aufgefangen.

Perspektiven bieten

Der Aufbau von PharmNet.Bund.de ist ein langfristiger Prozess, der sich
aus vielen Teilprojekten zusammensetzt. Wann das Projekt abgeschlossen
sein wird, ist noch offen. Die Verträge der schwerbehinderten Beschäftigten
sind zunächst auf zwei Jahre befristet. Unabhängig davon, wie es für die Betroffenen weitergehen wird, steht heute schon fest: Ihre Chancen
am Arbeitsmarkt werden sich durch die Beschäftigung beim DIMDI und die damit verbundene Berufspraxis eher verbessern. „Geht nicht, gibt‘s nicht – das ist bei DIMDI wirklich kein leerer Spruch. Nicht nur die Unternehmenskultur erfährt durch die behinderten Beschäftigten eine Bereicherung. Auch wir wachsen mit unseren Projekten“, so Sibille Windhof.

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2018 2017 2016 2015
2014 2013 2012 2011
2010 2009 2008 2007
2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.