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Behinderung
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Beruf

Werkstattbeschäftigte in der Techniker-Zentrale in Hamburg ZB 1/2008

Techniker Krankenkasse

Integrationsoffensive

Als Arbeitgeber bietet die Techniker Krankenkasse behinderten Menschen aus Werkstätten eine berufliche Perspektive auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ihre „Integrationsoffensive“ ist ein nachahmenswertes Beispiel für betriebliches Engagement.

Im Frühjahr 2004 bewarb sich Sarah Jahn bei der Techniker Krankenkasse in Münster um ein Praktikum. Die 26-Jährige, die an Epilepsie leidet, fühlte sich in der Werkstatt für behinderte Menschen unterfordert. „Von Frau Jahn erfuhr ich zum ersten Mal, wie schwierig es für die Betroffenen ist, von einer Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln“, so Stefan Burkötter, Hauptschwerbehindertenvertreter der Techniker Krankenkasse mit rund 9.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an bundesweit über 250 Standorten.

Projektidee

Für den engagierten Vertrauensmann und seinen Arbeitgeber war diese Begegnung der Anstoß, eine Integrationsoffensive für behinderte Menschen aus Werkstätten zu starten. Nach einem Praktikum, so die Idee, können die Teilnehmer zwei Jahre lang auf ausgelagerten Werkstatt- Arbeitsplätzen bei der Techniker Krankenkasse berufliche Erfahrungen sammeln. Verläuft der Einsatz erfolgreich, bietet ihnen der Betrieb die Übernahme in ein festes Beschäftigungsverhältnis an. „Die lange Übergangsphase hat den Vorteil, dass die behinderten Mitarbeiter langsam in den beruflichen Alltag hineinwachsen und sich gleichzeitig behutsam von der Werkstatt abnabeln können“, erklärt Stefan Burkötter. Eine Rückkehr in die Werkstatt ist in dieser Zeit noch problemlos möglich.

Unterstützung durch Fachleute

Die ersten Arbeitsplätze der Integrationsoffensive wurden 2005 im Servicezentrum Krankengeld in Münster und in der Hauptverwaltung in Hamburg eingerichtet: in den Geschäftsbereichen Lager und Logistik, Poststelle, Druckerei und Hausservice. Zur gleichen Zeit nahm das Unternehmen Kontakt zur Elbe-Werkstätten GmbH in Hamburg auf, die bereits über viel Erfahrung mit ausgelagerten Arbeitsplätzen verfügte. „Wir haben gemeinsam beraten, wie unser Konzept umgesetzt werden kann“, so der Schwerbehindertenvertreter.

Zunächst empfiehlt die Werkstatt geeignete Teilnehmer für das Projekt. Ihre Arbeitsbegleiter betreuen dann die behinderten Menschen im Betrieb und arbeiten sie ein. Dabei wird das Arbeitsteam stark miteinbezogen. In einer Einführungsrunde werden die Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel auf den Umgang mit der Behinderung vorbereitet. Außerdem bekommt jeder behinderte Mitarbeiter einen „Mentor“ aus dem Kollegenkreis: eine feste Bezugsperson, die bei allen Fragen und Problemen ansprechbar ist.

Faire Arbeitsbedingungen

Wie ernst der Arbeitgeber das Projekt nimmt, zeigt auch der Abschluss eines Tarifvertrages mit der Gewerkschaft der Sozialversicherung (GdS) im Januar 2007. Darin sind angemessene Beschäftigungsbedingungen – insbesondere Tätigkeitsmerkmale und Vergütung – für die ehemaligen Werkstattmitarbeiter vereinbart. Inzwischen hat auch Sarah Jahn ihren Arbeitsvertrag erhalten. Sie ist heute im Servicezentrum der Techniker in Münster beschäftigt. Aktuell arbeiten bei der Krankenkasse, deren Beschäftigungsquote bei 7,5 Prozent liegt, neun behinderte Menschen auf ausgelagerten Werkstatt-Arbeitsplätzen. „Ein bescheidener, aber wichtiger Beitrag – vor allem wenn wir erreichen, dass andere Betriebe unserem Beispiel folgen“, so Stefan Burkötter.

Hinweis
Mit der Problematik „Übergang von der Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt“ beschäftigt sich die ZB eingehend in der Ausgabe 2/2008.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.