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ZB 2/2012

Unvorstellbar!?

Lena Kredel und ihr Roboter-Assistent

Ein Team in Bremen will bisher Unmögliches möglich machen: Menschen, die ihre Arme und Beine nicht mehr nutzen können, sollen in die Lage versetzt werden, in eigener Regie Aufgaben im Beruf zu übernehmen.

Lena Kredel mit ihrem Roboter-Assistenten, (c) Jochen Stoss
Lena Kredel katalogisiert Medien mit einer Bibliothekssoftware. Über einen Kinn-Joystick steuert sie den Greifarm ihres Roboter-Assistenten. (c) Jochen Stoss
Lena Kredel …
Sie ist herzlich und zupackend. Sie hat Germanistik, Italienisch und Journalistik studiert. Sie hat Berufserfahrung in einem Schulbuchverlag gesammelt.

Lena Kredel ist vom Hals abwärts fast völlig gelähmt: „1988 bekam ich die
Diagnose Multiple Sklerose. Schon ein Jahr später saß ich im Rollstuhl. “
Bei allem, wozu man Hände und Füße braucht, ist sie auf Unterstützung
angewiesen. Aber ihr Kopf und ihr Herz sind voll Tatkraft geblieben.

Vor kurzem ist Lena Kredel von Berlin nach Bremen umgezogen, aus einer vertrauten Umgebung mit eingespieltem Unterstützer-Team. Trotz Bedenken ihrer Freunde. Über zehn Jahre war sie ohne Arbeit. Jetzt hat sie eine neue berufliche Herausforderung angenommen: „Ich war sofort begeistert, als ich bei der zentralen Vermittlungsstelle für behinderte Akademiker von der Stelle erfuhr.“ Ihre Einstellung wurde durch die Bremer Agentur für Arbeit unterstützt.
Sie arbeitet heute bei der Uni-Bibliothek und wirkt mit in einem Forschungsprojekt des IAT an der Universität Bremen. IAT, das heißt: Institut
für Automatisierungstechnik. Hier entwickelt seit einigen Jahren ein Team um Professor Dr. Axel Gräser einen Assistenz-Roboter mit dem Namen FRIEND.

Der Roboter-Freund Mit der Unterstützung des Roboter-Freundes will Lena Kredel zeigen, dass sie ihre neuen Aufgaben an der Uni-Bibliothek eigenständig meistern kann: Die Uni-Bibliothek Bremen arbeitet im Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV). Über das Internet werden die BeLena stände vernetzt zugänglich gemacht. Lena Kredel katalogisiert Medien mit der Bibliothekssoftware PICA. Bücher aus dem Regal nehmen, aufschlagen, die Daten nach einer bestimmten Systematik in den Computer eingeben: Dabei braucht sie eine Arbeitsassistenz, und die übernimmt jetzt Zug um Zug der Roboter-Freund: ein elektronisch gesteuerter Rollstuhl mit Greifarm, Kamerasystem, einem intelligenten Tablet-Computer und einer Steuerung über Spracheingabe und Kinn-Joystick. Lena Kredel muss sich nicht nur in das Bibliothekswesen einarbeiten, sondern auch den routinierten Umgang mit ihrem Roboter-Assistenten lernen: „Das schreckt mich nicht. Ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen.“

Zukunftsmusik Roboter haben schon lange Einzug gehalten in unserem Alltag. Sie helfen Flugzeuge und Autos zu steuern, sie sortieren und verpacken oder arbeiten mit in Fertigungsbetrieben. Das Bremer Modellprojekt des Instituts für Automatisierungstechnik geht jetzt neue Wege, Roboter als Arbeitsassistenten für körperlich schwerstbehinderte Menschen einzusetzen. Es soll den Nachweis erbringen, dass die Betroffenen alle notwendigen Aufgaben einer beruflichen Tätigkeit ohne persönliche Assistenz erfüllen können. Finanziert wird das Forschungsprojekt, das noch bis Ende Mai 2013 läuft, durch das Integrationsamt beim Versorgungsamt Bremen aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. Gleichzeitig leistet das Amt mit seinen technischen Beratern und dem Integrationsfachdienst fachliche Unterstützung.

 

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.