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Anzeigenaktion von Leidmedien.de: Mann ist buchstäblich an seinen Rollstuhl gefesselt,
(c) Leidmedien.de
ZB 1-2014

Leidmedien.de

Mehr als bloß Worte

Negative Sprachbilder tragen dazu bei, verbreitete Vorurteile gegenüber behinderten Menschen zu festigen. Leidmedien.de engagiert sich für eine Berichterstattung aus einer anderen Perspektive. Die ZB sprach mit der Projektleiterin Lilian Masuhr.

Medien haben großen Einfluss auf das Denken der Menschen – Journalisten wissen das und dennoch bedienen sie sich häufig einseitiger Sprachbilder, Floskeln und Klischees. Formulierungen wie "er ist an den Rollstuhl gefesselt" oder "sie ist trotz ihrer Behinderung berufstätig" lassen negative Bilder im Kopf entstehen, die unsere Vorstellung von behinderten Menschen prägen. Dass es auch anders geht, zeigt das Projekt Leidmedien.de.

Portrait von Lilian Masuhr, (c) Leidmedien.de
(c) Leidmedien.de
Frau Masuhr, worauf genau spielt der Name "Leidmedien" an?

Lilian Masuhr In den Medien werden Menschen mit Behinderung vor allem als Leidende und Opfer oder – im anderen Extrem – als Helden wahrgenommen. Statt ausgewogen zu informieren, festigen die "Leidmedien", wie wir sie nennen, das verbreitete Bild von Behinderung: Das schwere Schicksal, das überwunden werden muss – obwohl viele Betroffene gerne leben, gerade auch mit ihrer Behinderung.

Die Behinderung schönzureden, ist aber auch keine Lösung …

Masuhr Wir behaupten nicht, dass Sprache die gesellschaftlichen Verhältnisse auf den Kopf stellen kann. Andere Ausdrucksweisen allein können nichts daran ändern, dass behinderte Menschen nach wie vor ökonomisch schlechter gestellt sind, oft in Sondereinrichtungen leben, in der Umwelt auf Barrieren stoßen und mehr Gewalt erfahren als Nichtbehinderte. Sprache kann aber sehr wohl Bewusstsein schaffen und veraltete Denkmuster aufbrechen. Deshalb spielt sie eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung von Inklusion.

Mittlerweile ist "behindert" ein häufig gebrauchtes Schimpfwort auf Schulhöfen. Darf man noch "behindert" sagen?

Masuhr
Wir schreiben nicht vor, was man darf und was nicht. Stattdessen wollen wir sensibilisieren und Alternativen aufzeigen. "Behindert" ist für uns zunächst eine neutrale Bezeichnung, die zudem einen wichtigen Aspekt zum Ausdruck bringt: Behindert ist man nicht, behindert wird man – und zwar durch eine nicht barrierefreie Umwelt.

Wir freuen uns, wenn über Menschen mit Behinderungen berichtet wird – und der Verfasser dabei auch in Kauf nimmt, mal eine unpassende Formulierung zu verwenden. Wer sich sorgt, im Interview oder generell im Gespräch mit Betroffenen etwas falsch zu machen, findet auf unserer Internetseite viele Tipps!

WIETERE INFORMATIONEN

Leidmedien.de

Die Internetseite ist ein Projekt der SOZIALHELDEN e.V. in Kooperation mit der Aktion Mensch. Sie bietet Hilfestellung für eine diskriminierungsfreie Berichterstattung.

www.leidmedien.de

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.