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&
Beruf

ZB 1-2020

Meißner Erklärung

Gemeinsam für einen inklusiven Arbeitsmarkt

BA und BIH intensivieren ihre Kooperation. Sie haben ein gemeinsames Ziel: die berufliche Inklusion weiter voranzubringen. Wie das gelingen kann, dazu haben sie sich Anfang Dezember 2019 bei einer Fachtagung in Sachsen ausgetauscht.

Eva Strobel und Christoph Beyer auf der Fachtagung, (c) Stephan Floss/Dresden
Eva Strobel (Geschäftsführerin Geldleistungen und Rehabilitation der BA) und Christoph Beyer (Vorsitzender der BIH), (c) Stephan Floss/Dresden
Wie kann die Inklusion in Betrieben und Dienststellen weiter unterstützt werden? Das ist eine zentrale Frage für die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH). Bereits 2017 haben sie dazu in Berlin eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Im Dezember 2019 verabredeten sie sich erneut zu einer gemeinsamen Fachtagung im sächsischen Meißen, um zu besprechen, wie und mit welchen Maßnahmen diese Kooperation intensiviert und weiterentwickelt werden kann. Das Interesse war groß: Es kamen rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit und der Integrations- und Inklusionsämter. Sie entwickelten im Plenum und in Kleingruppen gemeinsam Ideen und tauschten sich aus – immer mit dem Ziel, die erreichte Transparenz und den Austausch weiter zu vertiefen, fortzuentwickeln und in einer "Meißner Erklärung" festzuschreiben.

BILANZ UND AUSBLICK

Jens Nitschke und Simone Wuschech auf der Fachtagung, (c) Stephan Floss/Dresden
Jens Nitschke (Fachbereichsleiter Rehabilitation, Zentrale der BA) und Simone Wuschech (stellv. Vorsitzende der BIH, Leiterin des Fachausschusses Schwerbehindertenrecht), (c) Stephan Floss/Dresden
Die Initialreferate von Jens Nitschke (BA) und Simone Wuschech (BIH) setzten entscheidende Impulse für die Diskussion. Sie stellten anhand von Fakten und Daten die Entwicklung der letzten Jahre vor, merkten kritische Punkte an und gaben einen Ausblick auf die aktuell geplanten neuen Leistungen und Initiativen. Beide erklärten ihren Willen zur weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit, "um das gemeinsame Ziel der beruflichen Inklusion zu erreichen", wie es Jens Nitschke ausdrückte. Simone Wuschech ergänzte, "dass berufliche Inklusion nur mit funktionierenden ‚Netzwerken‘ erfolgreich unterstützt werden kann".

Durch eine Präsentation zur Auswertung der Ergebnisse einer Befragung der Regionaldirektionen der BA und der Integrationsämter 2019 zum Stand und der Erfahrung zur Zusammenarbeit führten gemeinsam Uta Stitz (BA) und Timo Wissel (BIH). Die Befragungsergebnisse bildeten eine weitere gute Grundlage für die Arbeit in den Arbeitsgruppen. Anhand der Vereinbarung von 2017 und weiteren regionalen Vereinbarungen war die aktuelle Zusammenarbeit zu diskutieren und Potenziale zur Weiterentwicklung wie auch zur regionalen Umsetzung zu identifizieren.

HANDLUNGSFELDER

Mit den folgenden vier Handlungsfeldern befassten sich Arbeitsgruppen und formulierten die allgemeinen und regionalen Anforderungen, um zukünftig noch intensiver zusammenarbeiten zu können.

Christoph Beyer und Jens Nitschke auf der Fachtagung, (c) Stephan Floss/Dresden
Christoph Beyer (Vorsitzender der BIH) und Jens Nitschke (Fachbereichsleiter Rehabilitation, Zentrale der BA), (c) Stephan Floss/Dresden
Übergang Schule – Beruf
Für behinderte junge Menschen ist der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt ein bedeutender und wichtiger Schritt. Damit er gelingt, müssen sie unterstützt werden. Dies ist vor allem die Aufgabe der BA. Aber auch die Integrationsämter tragen ihren Teil mit Angeboten für einen erfolgreichen Übergang bei.
Ein Ergebnis: Mit dem Bundesteilhabegesetz wurden Erfahrungen aus Modellprojekten zur beruflichen Orientierung von Schülerinnen und Schülern aufgegriffen. Das Angehörigenentlastungsgesetz hat mit dem Budget für Ausbildung eine weitere neue Teilhabemöglichkeit geregelt. Die Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsagenturen und den Integrationsämtern in diesem Handlungsfeld soll daher verfestigt und gegebenenfalls auch durch neue regionale Kooperationen unterstützt oder ausgebaut werden.

Alle Akteure, das heißt Agenturen für Arbeit, Integrationsämter, schwerbehinderte und behinderte Menschen, ihre Arbeitgeber sowie die Schwerbehindertenvertretungen, sind in diesen Prozess einzubeziehen, so ein Ergebnis der multiperspektivisch zusammengesetzten Arbeitsgruppen.

Beschäftigungssicherung Die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu sichern und die Arbeitgeber dabei zu unterstützen, ist Aufgabe der Agenturen für Arbeit wie auch der Integrationsämter. Leistungen sollen möglichst "Hand in Hand" erbracht werden.
Ein Ergebnis: Die Zusammenarbeit zur Beschäftigungssicherung soll vertieft werden, insbesondere auch mit Blick auf das Teilhabeplanverfahren, um die Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren zu erleichtern und zu gewährleisten, dass sie ineinandergreifen.

Unterstützende und begleitende Leistungen bei der Anbahnung und Einmündung in betriebliche Ausbildungs- und Beschäftigungsverhältnisse Die Begleitende Hilfe im Arbeitsleben umfasst alle Leistungen, die erforderlich sind, um schwerbehinderten Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben zu sichern. Dies sind neben finanziellen Leistungen an Arbeitgeber und behinderte Menschen sowie fachlicher Beratung auch die notwendige psychosoziale Betreuung schwerbehinderter Menschen.
Ein Ergebnis: Die Arbeitsgruppen haben ergeben, dass gemeinsame Schulungen zu den jeweiligen Leistungsangeboten und ein regelmäßiger Informationsaustausch über neue Leistungen, Produkte und Programme wichtige Voraussetzungen für die praktische Arbeit sind.

Timo Wissel und Jana Schleese auf der Fachtagung, (c) Stephan Floss/Dresden
Timo Wissel (LVR-Abteilungsleiter Seminare, Öffentlichkeitsarbeit, Forschungsvorhaben BIH) und Jana Schleese (Fachbereich Rehabilitation, Zentrale der BA) haben die Fachtagung vorbereitet und moderiert, (c) Stephan Floss/Dresden
Öffentlichkeitsarbeit
Hartnäckige Vorurteile und Unkenntnis herrschen immer noch in vielen Betrieben vor, wenn es um betriebliche Inklusion geht. Häufig ist das Spektrum der Unterstützungsangebote der BA wie auch der Integrationsämter nicht bekannt, sodass immer noch zu oft ein zögerliches Verhalten bei der Einstellung schwerbehinderter Menschen zu beobachten ist.
Ein Ergebnis: Um dem entgegenzuwirken, haben die BA und die BIH die Intensivierung der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit verabredet. Ein Schwerpunkt wird 2020 das Zusammenwirken bei der Umsetzung der Initiative "Einstellung zählt – Arbeitgeber gewinnen" von BA, BIH, BMAS und BDA sein. Die Initiative richtet sich vor allem an beschäftigungspflichtige Arbeitgeber, die keine schwerbehinderten Menschen beschäftigen.

FAZIT

Ein Ziel der Fachtagung war, möglichst konkrete Vorschläge zu entwickeln. Dies ist gelungen. Es wurden neue Ansatzpunkte identifiziert und auf regionaler Ebene bereits Absprachen getroffen, wie etwa regelmäßiger Informationsaustausch und Schulungen. Die Tagungsteilnehmer haben sich dazu entschlossen, ihre regionalen Vereinbarungen zu aktualisieren und fortzuschreiben.

Zum Abschluss der Tagung betonte Eva Strobel (BA): "Wir müssen weiterhin gemeinsam daran arbeiten, mehr Arbeitgeber für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen zu gewinnen. Hierfür ist die ,Meißner Erklärung‘ eine gute Grundlage, und zwar für alle Ebenen – zentral, regional und lokal." Christoph Beyer (BIH) rief dazu auf: "Diese Fachtagung ist auch ein Signal an uns alle – Regionaldirektionen, Agenturen für Arbeit und Integrationsämter –, die Erklärung zu leben und auszugestalten."

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.