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Beruf

Sarah Grimm (re.) berät Kundin / (c) privat ZB 4/2010

Serie: Unvorstellbar!?

Nach Lebenskrise im Beruf Fuß gefasst

Nach fast zehn Jahren gelang es Sarah Grimm, den Kreislauf aus Ängsten, Sucht und Krisen zu durchbrechen. Die angehende Sport- und Fitnesskauffrau hat den Weg zurück in ein „normales“ Leben gefunden.

Sarah Grimm war in ihrer Jugend sehr sportlich. Volleyball und Reiten gehörten zu ihren Hobbys und füllten einen Großteil ihrer Freizeit aus. Das war bevor die Ängste kamen. Es begann in der 11. Klasse, als sie plötzlich mitten im Unterricht von einer Panikattacke überwältigt wurde. Die Schülerin bekam kaum noch Luft, ihr Körper krampfte sich zusammen. Der Notarzt musste kommen. Dies war erst der Anfang. Immer wieder hatte sie so starke Angstanfälle, dass sie ins Krankenhaus eingewiesen werden musste. Die Ärzte verschrieben ihr Beruhigungsmittel und Angstlöser. Im Laufe der Zeit nahm sie immer mehr Tabletten – bis sie schließlich davon abhängig wurde. Später kam dann auch noch Alkohol dazu. Was folgte, war eine Odyssee durch psychiatrische Kliniken, Reha-Einrichtungen und Maßnahmen. Oft galt sie als „hoffnungsloser Fall“. Sarah Grimm: „Ich war 18 Jahre alt und hatte bis dahin noch keine psychiatrische Klinik von innen gesehen, als ich auf eine geschlossene Station kam. Für mich war dies eine schreckliche Erfahrung, die ich nie vergessen werde!“

Der Wendepunkt

Sarah Grimm musste die Schule abbrechen und verbrachte in den folgenden Jahren viel Zeit in psychiatrischen Einrichtungen – bis 2006 die Wende kam: „Nach der Trennung von meinem damaligen Freund und einer weiteren fehlgeschlagenen Entgiftung fasste ich den Entschluss, mein Leben neu in die Hand zu nehmen, um nicht auch noch meine Familie zu verlieren.“ Sie bekam einen Platz zur stationären Nachsorge in einer Warsteiner Klinik für Suchtpatienten. Dort schöpfte sie neuen Mut. Nach sechs Monaten beendete sie die Therapie und begann, in einer Werkstatt für behinderte Menschen – in der Stiftung Bethel proWerk in Bielefeld – zu arbeiten.

Irgendwann regte sich in Sarah Grimm der Wunsch, eine Berufsausbildung zu machen. Und so nahm sie im Mai 2008 erstmals Kontakt zum Integrationsfachdienst in Bielefeld auf, der sie auf ihrem Weg von der Werkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt begleiten sollte. Den täglichen, 24 Kilometer langen Arbeitsweg zur Werkstatt legte sie mit dem Fahrrad zurück. Weil sie wieder Spaß daran hatte, Sport zu treiben, erkundigte sie sich in einem Fitnessstudio für Frauen nach einem Praktikumsplatz – mit Erfolg. Das Praktikum dauerte insgesamt neun Monate. „Sarah Grimm war unheimlich engagiert. Man spürte die Willenskraft, mit der sie ihr Leben gestalten und ihre Krankheit bewältigen wollte“, so Nils Böske vom Integrationsfachdienst. Der „Lohn“ war ein Ausbildungsplatz für die angehende Sport- und Fitnesskauffrau.

Mit großer Willenskraft

Schon nach dem ersten Lehrjahr ist Sarah Grimm zu einer „festen Größe“ im Mitarbeiterteam geworden. Mit einem offenen sympathischen Lächeln begrüßt die heute 29-Jährige am Empfang die Besucher. Kunden zu beraten und zu betreuen, ist eine der Hauptaufgaben in ihrem Beruf. Ein anderer Schwerpunkt liegt darin, Konzepte für Sportangebote zu erstellen. Daneben sind viele Verwaltungs- und Organisationsaufgaben zu erledigen. Doch am meisten Spaß macht es Sarah Grimm, als Trainerin zu arbeiten und Kurse zu leiten. Die notwendigen Lizenzen hat sie bereits durch eine ganze Reihe zusätzlicher Fortbildungen erworben.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.