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Behinderung
&
Beruf

ZB 4-2020

Praktische Lösungen im Vordergrund

Portraitbild von Manfred Becker. Er lächelt in die Kamera. Er trägt einen grauen Pullover, darunte

Während der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Krankmeldungen wegen seelischer Leiden an – dies erhob die Krankenkasse KKH unter ihren Versicherten. Was bedeutet das für Menschen mit psychischen Behinderungen und wer kann unterstützen? Manfred Becker vom Kölner Integrationsfachdienst gibt Antworten.

 

Menschen mit psychischen Behinderungen sind besonders von der Corona-Krise betroffen – warum eigentlich?

Das liegt daran, dass die psychische Belastbarkeit von Menschen mit psychischen Behinderungen meist bereits vor der Corona-Krise infolge der Behinderung geringer war. Deshalb ist bei dieser Gruppe von Beschäftigten mit einer zusätzlichen Erkrankung oder gar Verschlechterung der Behinderung zu rechnen.

 

Wie erkennen Arbeitgeber psychische Belastungen bei ihren Beschäftigten mit Einschränkung?

Arbeitgebende, die eine vertrauensvolle Personalführung aufgebaut haben, wissen oft um die psychischen Belastungen ihrer Beschäftigten und deren Auswirkungen und können sich kümmern. Außerdem pflegen sie ein gutes Miteinander mit den betrieblichen Funktionsträgern und sind insgesamt gut vorbereitet, wenn es um das Thema Behinderung geht. Dies gilt vor allem dann, wenn bereits vom Integrationsamt unterstützte Förderungen laufen.

 

Können Sie ein Beispiel für eine solche Förderung geben?

Gerne. Nehmen wir eine Erzieherin mit einer psychischen Behinderung in einer Kindertagesstätte. Sie empfindet die Corona-Hygienemaßnahmen als zusätzlich belastend. Der Integrationsfachdienst steht hier beratend zur Seite. Bei der genannten Mitarbeiterin findet eine sogenannte personelle Unterstützung durch die Kita-Leiterin statt, gefördert durch das Integrationsamt. Die Leitung der Einrichtung ist gut geschult und vorbereitet und weiß: Mit dieser Erzieherin muss ich mich gesondert unterhalten und beruhigend auf sie einwirken.

 

Was passiert, wenn Arbeitgebende nicht so gut aufgestellt sind?

Dann kann es passieren, dass Beschäftigte mit Handicap krank werden. Arbeitgebende nehmen solche psychischen Krisen dann möglicherweise sogar zum Anlass, sich von den kranken Mitarbeitenden zu trennen.

 

Wie können Integrationsfachdienste in der aktuellen Ausnahmesituation Betroffene und Arbeitgeber unterstützen?

Nehmen wir einfach das Beispiel von eben wieder. Kommt die Kita-Leitung mit der personellen Unterstützung nicht weiter, informiert sie den Integrationsfachdienst. Dann versuchen wir mit den Arbeitgebenden und der Klientin zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Das passiert in den meisten Fällen vor Ort – während des Lockdowns haben wir natürlich auch andere Kommunikationswege genutzt. Bei uns steht zumeist die praktische Hilfe im Vordergrund. Dabei versuchen wir uns an jede Arbeitssituation zeitlich und inhaltlich anzupassen. Da kann es zum Beispiel auch einmal passieren, dass wir morgens um 4:30 Uhr bei einem Postzusteller mit Handicap auftauchen.

 

Mehr zu personeller und weiterer Unterstützung finden Sie auf den Seiten der BIH:

integrationsaemter.de > Suchbegriff: „außergewöhnliche Belastungen

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.