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Frau bei der Arbeit am Schreibtisch (c) iStock/Portra Studie zur Schwerbehindertenvertretung

Der Lehrstuhl für Arbeit und berufliche Rehabilitation der Universität zu Köln (Professorin Dr. Mathilde Niehaus) hat in Zusammenarbeit mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie Ende 2017 eine deutschlandweite Onlinebefragung von Schwerbehindertenvertretungen (SBV) durchgeführt, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. Insgesamt 1552 ausgefüllte Fragebögen wurden ausgewertet, hier die ersten Ergebnisse:

Was sind zentrale Merkmale der SBV?

  • Rund 60 % der Vertrauenspersonen sind männlich und etwa 40 % sind weiblich.
  • Rund 55 % sind zwischen 51 und 60 Jahre alt, über 20 % zwischen 41 und 50.
  • Rund 73 % der Vertrauenspersonen sind selbst schwerbehindert oder gleichgestellt.
  • Rund 47 % der Vertrauenspersonen sind Mitglied einer Gewerkschaft.
  • Rund 44 % der Befragten arbeiten sowohl als SBV als auch als Betriebs-/Personalrat.

Was tut die SBV?

  • Etwa 12 % der Arbeitszeit verwenden Vertrauensperson „auf sich selbst“, zum Beispiel sich bei den Beschäftigten bekannt machen, sich Wissen aneignen oder Arbeitsmittel organisieren.
  • Rund 22 % verwendet die SBV auf den Arbeitgeber, zum Beispiel auf die Überwachung der Einhaltung der gesetzlichen Verpflichtungen.
  • Ebenfalls rund 22 % entfallen auf sonstige Akteure und Tätigkeiten, zum Beispiel Mitwirkungen an Sitzungen und Ausschüssen.
  • Etwa 43 % ihrer Zeit verwendet die Vertrauensperson direkt auf ihre Zielgruppe, also auf behinderte Menschen, Gleichgestellte und solche, die im Antragsprozess sind.

Mit wem arbeitet sie zusammen?

Eine Vertrauensperson hat durchschnittlich sechs interne Kooperationspartner. Von diesen verbringt sie die meiste Zeit mit dem „Betriebs-/Personalrat“, an zweiter Stelle kommen „Vorgesetzter“, „Beauftragter des Arbeitgebers“ (seit 2016 „Inklusionsbeauftragter“) und „Arbeitgeber“, an dritter Stelle „Betriebsarzt“ und „Betriebliches Integrationsteam“. Alle weiteren Kooperationspartner haben einen geringeren Stellenwert.

Neben internen Kooperationspartnern hat eine Vertrauensperson zusätzlich durchschnittlich vier externe Kooperationspartner. Von diesen verbringt sie die meiste Zeit mit der „Versorgungsverwaltung“, dem „Integrationsamt inkl. technischem Beratungsdienst“ und dem „Integrationsfachdienst“. An zweiter Stelle stehen „Rentenversicherung“, „Agentur für Arbeit“, „Anwalt/Gericht“ und „Sonstige extern“. Die restlichen Kooperationspartner haben einen geringeren Stellenwert.

Welche Ressourcen hat die SBV?

Bürokraft: Bei den SBVen, die zu 100 Prozent freigestellt sind, geben 71,9 % an, dass sie keine Bürokraft haben, die sie bei ihrer Arbeit als Vertrauensperson unterstützt. Bei den SBVen, die weniger als 100 Prozent freigestellt sind, sind es 89,5 % und bei den SBVen, die nicht freigestellt sind, 96,0 %.

Heranziehung: Wenn regelmäßig mehr als 100 schwerbehinderte Menschen in einem Betrieb/einer Dienststelle arbeiten, kann die Vertrauensperson nach § 95 SGB IX den/die erste/n Stellvertreter/in für bestimmte Aufgaben heranziehen. Diesbezüglich gaben etwa 10 Prozent der SBVen an, der Stellvertretung keinen Aufgabenkreis übertragen zu haben, obwohl mehr als 100 schwerbehinderte Menschen im Betrieb arbeiten.

Verhinderungsregel: Normalerweise kommt die Stellvertretung nur zum Einsatz, wenn die Vertrauensperson abwesend ist. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen SBV und Stellvertretung gleichzeitig arbeiten dürfen:

  • wenn zwei relevante Termine gleichzeitig stattfinden.
  • wenn die Vertrauensperson befangen ist.

Etwa 66 % der SBVen geben an, die Verhinderungsregel gar nicht oder selten anzuwenden.

Eigenes Budget: Etwa 16 % der SBVen geben an, dass sie für die Arbeit als Vertrauensperson ein eigenes Budget haben, 84 % dass sie dafür keines haben.

Ist die Arbeit als SBV erfolgreich?

Der überwiegende Teil der SBVen geht davon aus, dass ihre Arbeit als erfolgreich angesehen wird. Im Folgenden sehen Sie die Aussagen, die den SBVen vorgelegt wurden und den Anteil ihrer Zustimmung dazu:

Aussage

Ich denke, dass meine Zielgruppe mit dem Ergebnis meiner Arbeit als Vertrauensperson sehr zufrieden ist:  ca. 86 % Zustimmung

Ich denke, dass der Betriebs-/Personalrat/rätin mit dem Ergebnis meiner Arbeit als Vertrauensperson sehr zufrieden ist: ca. 76 % Zustimmung

Ich denke, dass die Mitarbeiterschaft mit dem Ergebnis meiner Arbeit als Vertrauensperson sehr zufrieden ist: ca. 73 % Zustimmung

Ich bin mit dem Ergebnis meiner Arbeit als Vertrauensperson sehr zufrieden: ca. 71 % Zustimmung

Ich denke, dass der/die Arbeitgeber/in mit dem Ergebnis meiner Arbeit als Vertrauensperson sehr zufrieden ist: ca. 53 % Zustimmung

(Anmerkung: Zustimmung = Zusammenfassung von „stimme eher zu“ + „stimme zu“)

Welche Herausforderungen gibt es?

Die Vertrauenspersonen wurden gebeten, aus einer Liste von möglichen Verbesserungen ihrer Situation als SBV jene auszuwählen, die sie am wichtigsten halten. Am häufigsten wurde gewählt „mehr Zeit für meine Arbeit als Vertrauensperson“. An zweiter Stelle stand „mehr Akzeptanz durch den Arbeitgeber“.