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Beratungsgespräch mit dem Arzt ZB 2/2010

Stufenweise Wiedereingliederung

Schritt für Schritt zurück ins Arbeitleben

Arbeitnehmer nach längerer Arbeitsunfähigkeit schrittweise an die Belastungen ihres Arbeitsplatzes heranzuführen, das ist das Ziel der stufenweisen Wiedereingliederung. Wie sie funktioniert und wer davon profitiert.

Paul Adam steht wieder an der Drehbank. Zum ersten Mal nach drei Monaten. „Ich bin froh, wieder hier zu sein“, sagt der schwerbehinderte 46-Jährige, der nach einem Herzinfarkt im Januar 2010 zunächst nicht damit gerechnet hatte, so schnell an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren. „Aber dann haben mein Arzt und mein Chef einen Plan erarbeitet, wie ich die Arbeit Schritt für Schritt wiederaufnehmen kann.“

Was ist die stufenweise Wiedereingliederung?

Bei dieser Form der medizinischen Rehabilitation werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die infolge von Krankheit oder Unfall länger arbeitsunfähig waren, behutsam an die Belastungen ihres Arbeitsplatzes herangeführt. Zum Beispiel, indem der Betroffene anfangs nur wenige Stunden täglich arbeitet oder leichtere Tätigkeiten übernimmt. Er bleibt im arbeitsrechtlichen Sinne arbeitsunfähig und erhält in der Regel Krankengeld statt Lohn oder Gehalt.

Für wen ist sie?

Eine Wiedereingliederung beantragen können schwerbehinderte wie auch nicht behinderte Arbeitnehmer, die aus medizinischer Sicht ausreichend belastbar sind und gute Aussichten auf eine berufliche Wiedereingliederung haben. Einen grundsätzlichen Rechtsanspruch haben allerdings nur schwerbehinderte Beschäftigte.

Wie läuft sie konkret ab?

Die stufenweise Wiedereingliederung ist eine von verschiedenen Maßnahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Der Arbeitnehmer, sein behandelnder Arzt, der zuständige Rehabilitationsträger und der Betrieb erarbeiten in Abstimmung mit dem Betriebsarzt einen individuellen Stufenplan. Hierin wird insbesondere festgelegt, welche Arbeitszeit zumutbar ist, welche Belastungen vermieden oder eingeschränkt werden müssen und welche flankierenden Maßnahmen, wie etwa technische Hilfen, gegebenenfalls notwendig sind. Außerdem kann der Rehabilitand zwischenzeitlich auch mit anderen Tätigkeiten als bisher und an einem anderen Arbeitsplatz beschäftigt werden. Während der Wiedereingliederung, die zwischen sechs Wochen und sechs Monaten dauert, wird er medizinisch begleitet, um Arbeitszeit und Tätigkeiten an seine persönliche Leistungsfähigkeit anzupassen.

Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer!

Die Praxis zeigt, dass Mitarbeiter bei einem „geschützten Arbeitsbeginn“ seltener erneut erkranken und früher wieder die im Arbeitsvertrag vereinbarte Leistung erbringen. Je individueller die Maßnahmen sind, desto höher ist die Erfolgsquote! So kann der Betrieb langfristig auf das Wissen und die Fähigkeiten seiner Beschäftigten zugreifen.

Paul Adam hat mit seinem Arbeitgeber vereinbart, dass er im ersten Monat vier Stunden und in den folgenden zwei Monaten sechs Stunden täglich arbeitet. „Ab August arbeite ich wieder vollschichtig im Betrieb. Das ist ein gutes Gefühl.“


TIPPS

> Die Schwerbehindertenvertretung soll darauf achten, dass der Rechtsanspruch schwerbehinderter Beschäftigter auf stufenweise Wiedereingliederung eingehalten wird.
> Die Rechtsgrundlagen sind zu finden in § 74 Sozialgesetzbuch (SGB) V sowie in § 28 und § 81 Abs.4 Satz 1 SGB IX.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.