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ZB 4-2018

Schulungsarbeit der Integrationsämter

BIH-Schulungsleitlinien auf dem Prüfstand

Handlungsorientiertes Lernen spielt eine immer größer werdende Rolle bei der Qualifizierung von Schwerbehindertenvertretungen. Neue Leistungen und neue Instrumente zur Sicherung der Teilhabe schwerbehinderter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wirken sich auf das Kursangebot der BIH aus. Daher wurden die Schulungsleitlinien aktualisiert.

Birgit Haverkamp neben einem Flipchart, (c) Peter Weber
Birgit Haverkamp vom Integrationsamt des Amtes für Versorgung und Integration Bremen ist Referentin des Kurses "Umsetzung aktueller Rechtsprechung im betrieblichen (BEM-)Alltag 'BEM – und was jetzt?'", (c) Peter Weber
Die Arbeitswelt ist einem ständigen Wandel unterworfen. Die Digitalisierung der Arbeitswelt eröffnet Chancen und stellt betriebliche Akteure  gleichzeitig vor neue Herausforderungen. Belegschaften werden älter und der Prävention kommt eine immer stärkere Rolle zu. Anlass für die BIH, ihre Schulungsleitlinien aus dem Jahr 2006 auf den Prüfstand zu stellen. "Bieten wir die richtigen und wichtigen Themen an? Sind die Angebote hilfreich im Alltag und welche Strategien bringen uns auf dem Weg zur inklusiven Arbeitswelt voran?", diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Überprüfung der BIH-Schulungsleitlinien, so Rosita Schlembach, Vorsitzende des Arbeitsausschusses Information und Bildung. Die Neufassung wurde anlässlich der Jahreshauptversammlung im November 2018 verabschiedet. In der Aktualisierung geht es nicht nur um neue mediale Entwicklungen wie E-Learning, Internet-Foren und das geplante virtuelle SBV-Büro. "Die Aufgaben der betrieblichen Funktionsträger werden immer komplexer. Das muss sich auch in den Inhalten der Kurse und in den Arbeitshilfen widerspiegeln", sagt Rosita Schlembach, die die Aufklärungsarbeit in Hessen verantwortet.

Zwei Kursteilnehmerinnen, (c) Peter Weber
(c) Peter Weber
34.500 Kursteilnehmer
Die Zielgruppe der Kurse sind Vertrauenspersonen der schwerbehinderten Menschen, Betriebs- und Personalräte sowie Inklusionsbeauftragte des Arbeitgebers. Sie müssen in Zeiten des ständigen Wandels ihr Wissen und ihre Kompetenzen weiterentwickeln – und die Anforderungen an sie werden immer höher. Auf diesen steigenden Qualifizierungsbedarf reagieren die Integrationsämter seit Jahren mit einem angepassten Kursangebot. In den Veranstaltungen vermitteln Fachleute der Integrationsämter und externe Referenten das erforderliche Handwerkszeug, um die betrieblichen Funktionsträger bei der Ausübung ihres Amtes zu unterstützen. Dies geschieht durch praxisnahe, lösungsorientierte, möglichst aktuelle und zukunftweisende Inhalte, die durch Fakten, Argumente und durch Fallbeispiele von den Referenten nachvollziehbar erklärt werden. Dabei sollen in Zukunft auch neue Lernformen wie E-Learning ausgebaut werden, die die Präsenzveranstaltungen ergänzen und auch der Vernetzung dienen.

Manuela Landmann und Harald Kill vor einem Flipchart, (c) Paul Esser
Manuela Landmann und Harald Kill vom LVR-Integrationsamt in Köln sind Referenten des Kurses "SGB IX im Personalmanagement", (c) Paul Esser
Neben den klassischen Grund- und Aufbaukursen gibt es inzwischen viele Kurse zu Fachthemen. Sie reichen von Themen wie "Seelische Behinderung im Arbeitsleben" bis hin zu "Arbeitsplatzgestaltung" und rund um das Thema "Beraten und Verhandeln". Und das Angebot wird gut genutzt: 2017 haben insgesamt etwa 34.500 betriebliche Funktionsträger die rund 1.500 Kurse und Informationsveranstaltungen besucht. Den größten Anteil daran haben die Schwerbehindertenvertretungen mit 55 Prozent. Sieben Prozent der Teilnehmer waren Inklusionsbeauftragte des Arbeitgebers und acht Prozent Betriebs- und Personalräte. Bei den übrigen 30 Prozent der Teilnehmer handelte es sich um Personen, die mit der Eingliederung schwerbehinderter Menschen beauftragt sind, wie etwa Führungskräfte, Personalsachbearbeiter, Verantwortliche für das Betriebliche Eingliederungsmanagement und Gesundheitsmanager.

Zwei Kursteilnehmerinnen, (c) Paul Esser
(c) Paul Esser
Wissen und Methodenkompetenz
Diesen Entwicklungen hat die BIH Rechnung getragen, ihre Schulungsleitlinien auf den Prüfstand gestellt und aktualisiert. Darin trifft sie strategische Aussagen über die Ausrichtung der Kurse – beispielsweise mit Leitgedanken, die zusammen mit der Universität zu Köln entwickelt wurden. Einer dieser Leitgedanken: Präventiv handeln. "In den Kursen wird dafür geworben, frühzeitig aktiv zu werden. Das kann einem Arbeitsplatzverlust vorbeugen." Zum Beispiel: Wie kann nach einer Krankheit die Rückkehr an den Arbeitsplatz vorbereitet werden, welche Maßnahmen kommen in Betracht und wer unterstützt?

Wolfgang Holzki referiert, (c) Karsten Socher
Wolfgang Holzki, Beratender Ingenieur, vom LWV Hessen Integrationsamt referierte in Hohenroda zum Thema "Arbeitsgestaltung für schwerbehinderte Menschen", (c) Karsten Socher
Ebenfalls wichtig: Die Kursteilnehmer sollen, zurück im Betrieb, nicht nur in der Lage sein, direkt in die Arbeit als Schwerbehindertenvertretung einzusteigen. Es geht neben dem vermittelten Wissen auch darum, das Gelernte praktisch umzusetzen. "Es ist uns wichtig, dass die Teilnehmenden Anregungen und Ideen mit nach Hause nehmen, was sie konkret tun können und wie sie dabei erfolgreich vorgehen können", sagt Rosita Schlembach.

Selbstverständnis schulen Kurt Bender, Vertrauensperson der  Schwerbehinderten Menschen bei der Gemeinde Biebesheim, hat bereits mehrere Kurse beim LWV Hessen Integrationsamt belegt und bestätigt: "Ich habe nicht nur viel gelernt und Werkzeuge an die Hand bekommen, die ich für meine Arbeit gut gebrauchen kann. Wertvoll finde ich auch zu erfahren, was in anderen Unternehmen los ist und welche Ideen Kollegen schon erfolgreich umgesetzt haben." Kurt Bender kommt jedes Mal mit neuen Anregungen und Impulsen zurück in den Betrieb, die unmittelbar in seine Arbeit einfließen. "Das bringt auch etwas für das eigene Selbstverständnis, man kann sich  einfach besser für die Belange der schwerbehinderten Kollegen einsetzen."

Christina Siebert referiert, (c) Karsten Socher
Christina Siebert vom LWV Hessen Integrationsamt referierte in Hohenroda zum Thema "Arbeitsgestaltung für schwerbehinderte Menschen", (c) Karsten Socher
Damit hat Kurt Bender eines der sieben in den Schulungsleitlinien formulierten Ziele der Schulungsarbeit beschrieben: berechtigte Interessen von Menschen mit Behinderungen vertreten. Dazu gehören auch die Antworten auf die Fragen: Was ist eine Vertrauensperson? Was sind ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten? Was ist ihre Funktion? "Jetzt, nach den durchgeführten Neuwahlen der Schwerbehindertenvertretungen, wäre der Besuch eines Grundkurses genau das Richtige", sagt Rosita Schlembach. "Hier bekommen Sie alles, was Sie für eine erfolgreiche Arbeit als Vertrauensperson brauchen, und lernen Ihre Ansprechpartner beim Integrationsamt kennen!"

Informationen zu den aktuellen Kursen der einzelnen Integrationsämter und Anmeldemöglichkeiten finden sich unter: www.integrationsaemter.de/kurs-vorort

 

WEITERE INFORMATIONEN

Ziele der Schulungsarbeit

Die Integrationsämter möchten die Kursteilnehmer befähigen, ihre komplexen Aufgaben betrieblich akzeptiert und dadurch auch erfolgreich zu bewältigen. Dazu werden die Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, um die folgenden Aufgabenfelder mitzugestalten:

  • Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben
  • Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen schaffen und erhalten
  • Hilfebedarf erkennen und Lösungswege aufzeigen
  • berechtigte Interessen von Menschen mit Behinderungen vertreten
  • kompetente Gesprächs- und Verhandlungspartner für Arbeitgeber und Institutionen sein
  • Prävention
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement



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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.