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Behinderung
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Beruf

Blick aufs Podium

ZB 3/2011

Jahrestagung 2010

Schwerbehindertenvertretungen der Deutschen Automobilindustrie

Sind schwerbehinderte Mitarbeiter die Verlierer der Wirtschaftskrise? Dieser Frage ging der Arbeitskreis der Schwerbehindertenvertretungen der Deutschen Automobilindustrie auf einer Tagung Anfang Mai 2010 bei der Firma Bosch in Reutlingen nach.


Der Arbeitskreis wurde 1961 gegründet und repräsentiert 28 Schwerbehindertenvertretungen der Automobilhersteller und von großen Zulieferern. Die Vertrauensleute betreuen und vertreten mehr als 25.000 schwerbehinderte Beschäftigte.

Der Vorstandssprecher des Arbeitskreises, Bernhard Grunewald, konnte bei der Tagung zahlreiche Gäste aus Politik, Verbänden und Verwaltung begrüßen, darunter: Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Staatssekretär Dieter Hillebrand, Behindertenbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Karl-Friedrich Ernst, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorge - stellen, Franz Josef Düwell, Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht sowie Werner Feldes von der IG-Metall.

In einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Beschäftigungssicherung in der Krise – Bewährungsprobe für die Inklusion junger und älterer Beschäftigter mit Behinderung“ wurde die gegenwärtige Situation analysiert. Es wurde festgestellt, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise die Lage von schwerbehinderten Menschen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert hat. Rund 180.000 Menschen mit Behinderungen seien gegenwärtig ohne Arbeit und erstmals nach längerer Zeit steige seit April 2010 die Arbeitslosigkeit dieser Zielgruppe wieder stärker als die allgemeine Arbeitslosigkeit. Auch die Fallzahlen im besonderen Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen unterstreichen die negative Entwicklung. Die Teilnehmer beklagten außerdem Defizite bei der Umsetzung der rechtlichen Regelungen, etwa hinsichtlich der Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung. Neuere Instrumente wie die Integrationsvereinbarung hätten ihr Ziel bisher nicht erreicht. In ihnen würden oft nur Ziele „unterhalb des Gesetzes“ vereinbart.

Ein vorbildliches Konzept für ein betriebliches Gesundheitsmanagement konnten der Arbeitgeberbeauftragte Dr. Uwe Schirmer und Roland Buehler von Bosch präsentieren. Das Bosch Konzept bietet zum Beispiel freiwillige Gesundheitschecks für Risikogruppen. Je nach Resultat werden geeignete Maßnahmen vorgeschlagen, etwa eine Kurzkur, um eine gesündere Lebensweise kennen zu lernen. Außerdem gibt es Gesundheitswochen sowie Sport- und Ernährungsangebote für die Belegschaft.

Das Projekt „Automobil: Ausbildung ohne Barrieren“, das von der Universität zu Köln unter der Leitung von Professorin Mathilde Niehaus im Rahmen der Initiative „jobs – Jobs ohne Barrieren“ des Bundesarbeitsministeriums durchgeführt wird, stieß auf großes Interesse. Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Teilhabechancen schwerbehinderter Jugendlicher auf dem Ausbildungsmarkt. Dazu bedarf es einer gezielten Unterstützung dieser Personen. Aber auch in den Betrieben selbst müssen Barrieren erkannt und abgebaut werden. Die Forschungsergebnisse münden daher in einen Handlungsleitfaden für Betriebe. Die Kooperationspartner IG-Metall und der Sozialverband VdK Deutschland führen in den beteiligten Unternehmen Informationsveranstaltungen durch.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.