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ZB 2-2018

Seltene Erkrankung

Schwimmtrainer aus Leidenschaft

Bernd Pinkes trainiert seit 26 Jahren die Leistungssportler des Schwimm-Sport-Vereins Freiburg. Vor neun Jahren wurde bei ihm eine schwere, unheilbare Krankheit diagnostiziert. Für ihn kein Grund, die Arbeit als Cheftrainer aufzugeben.

Bernd Pinkes im Schwimmbad, schaut in die Kamera,  (c) Andreas Arnold
Ein großes Vorbild für die Schwimmer: Cheftrainer Bernd Pinkes ist an ALS erkrankt, (c) Andreas Arnold
In der Luft liegt der Geruch von Chlor, die Wände werfen das vielstimmige Echo von Rufen und aufspritzendem Wasser zurück. Am Rand des Schwimmbeckens steht Bernd Pinkes. Mit der einen Hand umfasst er eine Stange, in der anderen hält er seine Stoppuhr. "Neun, neun", gibt er den Schwimmern, die nach und nach am Ziel anschlagen, ihre Zeiten an. "Vier, fünf." Es ist 19 Uhr und um diese Zeit fasst Bernd Pinkes sich gerne kurz. "Gegen Abend wird das Sprechen für mich mühsamer, die Endungen der Worte werden verwaschener", erklärt er. Vor neun Jahren bemerkte Bernd Pinkes die ersten motorischen Schwierigkeiten. "Ich
konnte Stifte nicht mehr festhalten", erinnert er sich. "Dann hat mir das rechte Bein nicht mehr richtig gehorcht und wenn ich sprach, klang es, als wäre ich betrunken." Zwei Jahre dauerte es, bis er die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (siehe Info-Box) erhielt. In der Folge verschlechterte sich sein Zustand stark. Vor allem das Laufen wurde immer schwieriger. Dann verlief die Krankheit ganz untypisch: Sein Zustand stabilisierte sich. Er kann sogar wieder Stifte halten. "Die Ärzte verstehen auch nicht, warum das so ist", sagt Bernd Pinkes und lacht.

Bernd Pinkes am Beckenrand, (c) Andreas Arnold
"Gegen Abend wird das Sprechen für mich mühsamer", erklärt Bernd Pinkes, (c) Andreas Arnold
Ein Vorbild für die Schwimmer
Überhaupt wird viel gelacht, hier beim Training im Hallenbad in Freiburg. Der Cheftrainer hat sichtlich Spaß an seiner Arbeit, die Jugendlichen schätzen ihn. "Er ist ein großes Vorbild für die Schwimmer", sagt Dr. Bertil Kluthe, Präsident des Schwimm-Sport-Vereins. Bernd Pinkes hat immer gekämpft und nie aufgehört zu arbeiten. Heute ist er als Cheftrainer im Einsatz. Dazu gehört neben dem Schwimmtraining der Leistungssportler auch viel Büroarbeit. Dann erstellt er individuelle Trainingspläne oder organisiert Trainingscamps. "Ich brauche für alle Wege viel länger", sagt Bernd Pinkes. Er läuft mit Hilfe von Walking-Stöcken, meist sitzt er am Hallenrand anstatt zu stehen. Die 50 Meter vom Vereinsheim zum Bad fährt er mit dem Auto. Trotzdem ist er lange unterwegs. Noch schwieriger ist es bei Wettkämpfen wie den Deutschen Meisterschaften in Berlin.

"In der Qualität, mit dem Anspruch wie früher, wäre es nicht mehr gegangen", sagt Bertil Kluthe. Der Arbeitgeber erhält vom Integrationsamt beim Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg einen Beschäftigungssicherungszuschuss. Damit werden die behinderungsbedingten Leistungseinschränkungen ausgeglichen. Der Verein konnte einen zweiten Trainer einstellen, der Bernd Pinkes Aufgaben wie das Training der jüngeren Schwimmer abnimmt. Für den Cheftrainer eine ideale Lösung. "Ich habe einen supertollen Job", sagt Bernd Pinkes und verteilt die neuen Trainingspläne.

 

WEITERE INFORMATIONEN

Amyotrophe Lateralsklerose

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare, schwere Erkrankung des Nervensystems. Betroffen ist das motorische System, das die Muskeln kontrolliert und die Bewegungen steuert. Folge ist der fortschreitende Verlust der Mobilität. Dazu können Muskelschwund, Muskelschwäche an Armen und Beinen oder die Schwächung der Sprach-, Kau- und Schluckmuskulatur gehören.

Mehr unter: www.dgm.org > Muskelerkrankungen > Amyotrophe Lateralsklerose

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.