Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

Aristoula Papadopoulou ZB 3/2008

Von Beruf Psychologin

"Sie wissen ja, wovon ich rede..."

Die Psychologin Aristoula Papadopoulou kümmert sich um Patienten, die mit den Folgen einer schweren Erkrankung oder Behinderung fertig werden müssen. Ihr eigenes Handicap erleichtert ihr den Zugang zu den Betroffenen.

„Oft zwingt das gesundheitliche Problem den Patienten, sich mit bisher ungelösten persönlichen Konflikten auseinanderzusetzen, zum Beispiel mit der eigenen Einsamkeit und Isolation“, so Aristoula Papadopoulou, Psychologin an der Kaiser-Karl-Klinik in Bonn. Die überwiegend älteren Patienten kommen zur stationären Rehabilitation in die Privatklinik – zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, einer Hüftoperation oder einer Amputation. Während des meist dreiwöchigen Aufenthalts können sie sich hier erholen und weiter ärztlich behandeln lassen.

Für die Patienten bedeutet die Erkrankung oder Behinderung nicht selten einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben, der mit starker Verunsicherung, Sorgen und Ängsten verbunden ist. „Zuhören allein ist schon viel Wert“, weiß die 41-jährige Psychologin. „Ärzte haben dafür in der Regel keine Zeit.“

Ihr Handicap weckt bei Patienten Vertrauen

Die Überraschung ist vielen Patienten anzumerken, wenn sie Aristoula Papadopoulou zum ersten Mal gegenübertreten, denn die Psychologin ist selbst wegen einer angeborenen Muskel- Nerven-Erkrankung auf einen Rollstuhl angewiesen. Manche reagieren zunächst gehemmt: „Ihnen darf ich nichts vorjammern. Sie sind doch noch schlechter dran als ich!“ Diese Befürchtung kann die alles andere als bedauernswert wirkende Psychologin im Gespräch schnell zerstreuen. Auf der anderen Seite fühlen sich viele Betroffene von der behinderten Psychologin besonders gut verstanden: „Sie wissen ja, wovon ich rede … .“ Über ihre eigene Behinderung spricht Aristoula Papadopoulou mit den Patienten zwar nicht. Doch ist sie sich bewusst, dass sie ihrem Gegenüber auch ohne Worte eine wichtige Erkenntnis vermittelt. „Die Leute sehen, da ist jemand trotz körperlicher Einschränkungen offensichtlich ein fröhlicher Mensch, der ein normales Leben führt.“

Das mache vielen Mut, die eigenen Probleme anzupacken, erklärt die Psychologin, die mit ihren Patienten gemeinsam nach Strategien und Lösungen sucht, um schwierige Situationen zu bewältigen. So wie im Ehekonflikt einer älteren Patientin, die aufgrund eines Hüftleidens die Rolle der für alles sorgenden Ehefrau nicht mehr ausfüllen konnte. Weil die Gespräche in der Klinik keine umfassende Therapie ersetzen können, rät Aristoula Papadopoulou in manchen Fällen zu einer Psychotherapie im Anschluss an den Klinikaufenthalt.

Beratungsangebot selbst aufgebaut

Die Psychologin arbeitet seit fünf Jahren in der Kaiser-Karl-Klinik: „Ich habe die Beratungsarbeit hier aufgebaut.“ Ihre halbe Stelle ist gefüllt mit Beratungsgesprächen, Entspannungskursen und Schreibarbeit am PC. Aufgrund ihrer Behinderung braucht Aristoula Papadopoulou einen speziell eingerichteten Arbeitsplatz. Ihr Computer verfügt beispielsweise über ein Spracherkennungssystem, weil sie nicht mehr so schnell und ausdauernd schreiben kann. Andere Aufgaben, die ihr wegen der Behinderung schwer fallen, zum Beispiel Formulare ausfüllen oder den Teilnehmern der Entspannungskurse helfen, sich richtig zu lagern, übernimmt eine Arbeitsassistenz, die vom LVR-Integrationsamt in Köln gefördert wird. „Anstatt gegen meine Behinderung zu rebellieren, setze ich meine Energie lieber sinnvoll ein“, erklärt die gebürtige Griechin, die sich auch ehrenamtlich engagiert, zum Beispiel, indem sie persönliche Erfahrungen und Tipps an behinderte Studienanfänger weitergibt.

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2019 2018 2017 2016
2015 2014 2013 2012
2011 2010 2009 2008
2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.