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ZB 3-2013

Steuerpraxis

So nutzen Sie Zuschüsse optimal!

Arbeitgeber müssen finanzielle Leistungen vom Integra­tionsamt versteuern. Dadurch wächst aber nicht automatisch die steuerliche Belastung. Was bei der Steuererklärung zu beachten ist ...

Im Jahr 2011 haben die Integrationsämter Zuschüsse von mehr als 233 Millionen Euro* aus der Ausgleichsabgabe an Arbeitgeber gezahlt. Die Zuschüsse bieten einerseits einen finanziellen Anreiz, schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen, andererseits können sie mögliche wirtschaftliche Nachteile ausgleichen. Doch wie werden Zuschüsse versteuert?

Steuerliche Veranlagung

Zuschüsse sind Vermögensvorteile, die einen bestimmten Zweck fördern sollen. Bei den Zuschüssen des Integrationsamts aus Mitteln der Ausgleichsabgabe handelt es sich darüber hinaus um so genannte „echte“ Zuschüsse, weil sie auf der Grundlage gesetzlicher Bestimmungen des Sozialgesetzbuches IX vergeben werden. Echte Zuschüsse sind von der Umsatzsteuer befreit. Der Arbeitgeber muss für sie jedoch Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie Gewerbeertragsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer (bei inhabergeführten Betrieben) zahlen. Bei der steuerlichen Veranlagung von Zuschüssen muss man grundsätzlich zwischen Investitionskostenzuschüssen und Zuschüssen für laufende Aufwendungen unterscheiden.

Zuschüsse für Investitions­kosten

In diese Kategorie fallen Zuschüsse für die behinderungsgerechte Gestaltung eines Arbeitsplatzes sowie Zuschüsse für die Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes für einen schwerbehinderten Menschen. Das Steuerrecht lässt Arbeitgebern die Wahl und bietet grundsätzlich zwei Möglichkeiten an, wie Zuschüsse für Investitionen in das Anlagevermögen, zum Beispiel für den Kauf von Maschinen, technischen Geräten oder Büroeinrichtung, im Rechnungswesen behandelt werden. Die beiden zur Wahl stehenden Verfahren heißen Brutto- und Nettomethode. Während die Nettomethode in der Handels- und Steuerbilanz zu einheitlichen Ergebnissen führt, ist die Bruttomethode für die Handels- und Steuerbilanz unterschiedlich anzuwenden.

Bei der Bruttomethode werden die Investitionen mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten in voller Höhe in der Bilanz aktiviert. Die Zuschüsse werden in der Handelsbilanz nicht als außerordentlicher Ertrag verbucht, sondern sind auf der Passivseite der Bilanz als so genannter Sonderposten auszuweisen, der jährlich parallel zu den Abschreibungen der jeweiligen Investitionen erfolgswirksam aufgelöst wird. Unternehmer, die voll steuerpflichtig sind, stellen für Zwecke der Besteuerung in der Regel neben der Handelsbilanz eine Steuerbilanz auf. Nach steuergesetzlichen Vorschriften ist bei Anwendung der Bruttomethode die Bildung eines Sonderpostens in der Steuerbilanz nicht zulässig. Der Zuschuss ist vielmehr sofort zu versteuern, erhöht also den zu versteuernden Gewinn des Unternehmens.

Die steuerlichen Folgen: Für die Zuschüsse muss Einkommen- und Körperschaftsteuer, Gewerbeertragsteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer gezahlt werden. Durch die Gewinnerhöhung kommt es zu einer zusätzlichen Steuerbelastung. Sie schrumpft im Anschaffungsjahr durch die anteilige und gewinnmindernde Abschreibung auf die angeschafften Wirtschaftsgüter. Zur Vermeidung einer Sofortversteuerung des Zuschusses kann abweichend von der Handelsbilanz für Zwecke der Steuerbilanz das Wahlrecht zur Nettomethode ausgeübt werden.

Bei der Nettomethode werden die Zuschüsse vom Anschaffungsbetrag der Investition abgezogen und nur der Restbetrag in der Bilanz aktiviert. Abschreibungen sind folglich nur für diejenigen Anschaffungskosten möglich, die nicht durch Zuschüsse gedeckt sind. Bei diesem Verfahren werden die Zuschüsse nicht sofort versteuert, sondern über geringere Abschreibungen während der Nutzungsdauer der Investition. Wer sich abweichend von der handelsrechtlichen Bruttomethode in der Steuerbilanz für die Nettomethode entscheidet, muss die betreffenden Anlagegüter in ein besonderes Verzeichnis aufnehmen.

Die Wahl zwischen Brutto- und Nettomethode macht individuelle Lösungen möglich. Die Bruttomethode eröffnet steuerliche und bilanzielle Gestaltungsmöglichkeiten. Die Nettomethode bietet die einfachere und praktikablere Lösung.

Zuschüsse für laufende Aufwendungen

Hier gibt es keine Wahl zwischen Brutto- und Nettomethode, es gelten andere Vorschriften. Sie betreffen Leistungen bei außergewöhnlichen Belastungen, etwa als Minderleistungsausgleich oder bei personeller Unterstützung für einen schwerbehinderten Mitarbeiter. Diese Leistungen werden in Form eines monatlichen Lohnkostenzuschusses gezahlt.

Als außerordentlicher Ertrag können die Zuschüsse den Gewinn erhöhen und somit eine höhere Besteuerung auslösen. In aller Regel stehen den Zuschüssen aber gewinnmindernde Aufwendungen entgegen, zum Beispiel Personalkosten für Mitarbeiter, die den schwerbehinderten Menschen unterstützen. Die Steuerbelastung reduziert sich daher entsprechend. Wenn der Unternehmer selbst den schwerbehinderten Menschen unterstützt, können Lohnkosten nicht berücksichtigt werden. In diesem Fall erhöhen die Zuschüsse den Gewinn und die Steuerbelastung. Davon abgesehen verhalten sich Zuschüsse des Integrationsamts in der Regel aber steuerlich neutral!

*Quelle: BIH Jahresbericht 2011

Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Andreas Seeger, Steuerberater und Partner bei der CURACON GmbH in Münster.

Hinweis
Dieser Beitrag ersetzt nicht die individuelle Beratung durch einen Steuerfachmann.

Beispiel Bruttomethode (in der Steuerbilanz)

Beispiel Nettomethode

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.