Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 2/2012

„Das Problem bewusst machen“

Barrierefreie Informationstechnik (IT) am Arbeitsplatz:
Fragen an Michael Große-Drenkpohl vom Technischen Beratungsdienst
des LWL-Integrationsamtes in Münster

ZB Warum wird mangelnde Barrierefreiheit zunehmend zum Problem für blinde und sehbehinderte Menschen?

Michael Große-Drenkpohl, (c) privat
Michael Große-Drenkpohl, (c) privat
Michael Große-Drenkpohl
Wir beobachten die aktuelle Entwicklung
wirklich mit Sorge, weil in dem Berufsbereich Telefonservice eine wichtige
Beschäftigungsmöglichkeit für blinde Menschen wegzubrechen droht. Wenn beim Integrationsamt ein Antrag auf Zustimmung zur Kündigung eingeht, wird allerdings zuerst geprüft, ob und welche Möglichkeiten es gibt, den Arbeitsplatz zu erhalten. Bei blinden Menschen ist dies regelmäßig die Zugänglichmachung von IT. Dass viele Arbeitgeber das nicht von Vornherein berücksichtigt haben, ist sicherlich keine böse Absicht.

ZB Vielleicht befürchten sie, dass Barrierefreiheit viel Zeit und Geld kostet... ?

Große-Drenkpohl Das spielt sicher auch eine Rolle. Doch Barrierefreiheit
zahlt sich aus, wenn aufwendige Nachrüstungen vermieden werden und die Mitarbeiter optimale Leistung bringen können. Auch die sehenden Kollegen profitieren von einer barrierefreien Technik, die ergonomisches Arbeiten erlaubt. Denken Sie nur an die Bedienung mit der Maus: Blinde Menschen arbeiten stattdessen mit Tastenkombinationen, was viel bequemer und schneller ist.

ZB Wie kann sich die Schwerbehindertenvertretung für barrierefreie IT im Betrieb einsetzen?

Große-Drenkpohl Sie sollte versuchen, die Entscheider in den Unternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren. Man kann zum Beispiel in Betriebs- und Integrationsvereinbarungen sowie bei Ausschreibungen konkrete Anforderungen für eine zugängliche IT formulieren. Die Vertrauensperson muss sich übrigens nicht mit technischen Details auskennen, aber sie sollte wissen, wo sie Rat und Unterstützung von Fachleuten erhält. Das Integrationsamt bietet Schulungen, die sich etwa im Rahmen der behinderungsgerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen auch mit dem Aspekt der barrierefreien IT befassen. In einer Betriebs- oder Integrationsvereinbarung kann schließlich festgelegt werden, dass die
Schwerbehindertenvertretung bei der Einführung neuer IT-Systeme miteinbezogen wird.

 

Mehr Informationen

… über barrierefreie IT sowie gelungene Praxisbeispiele („Leuchttürme“)
findet man auf der Internetseite des Projektes BIK@work – Barrierefrei
informieren und kommunizieren am Arbeitsplatz: www.bik-work.de.

 

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2019 2018 2017 2016
2015 2014 2013 2012
2011 2010 2009 2008
2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.