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ZB 3/2009

Zeitarbeit

Vagabunden der Arbeitswelt?

Reiner Hahn und Cornelia Völske sind seit vielen Jahren als Zeitarbeitskräfte bei Randstad tätig. Ungewöhnlich für eine Branche, in der nur der Wechsel beständig ist.

Als Reiner Hahn 1996 arbeitslos wurde, war er 46 Jahre alt und schwerbehindert. Die körperlich anstrengende Arbeit als Schweißer hatte ihre Spuren hinterlassen. Nach vielen erfolglosen Bewerbungen wollte er es mit Zeitarbeit probieren. „Ich hoffte, auf diesem Weg wieder an eine feste Anstellung zu kommen“, so der Berliner. Aus dem gleichen Grund entschloss sich vor neun Jahren auch Cornelia Völske aus Rostock, Zeitarbeit zu machen. „Am Anfang fiel mir der häufige Wechsel von einer Firma zur nächsten schwer“, gibt sie offen zu. Inzwischen findet die Bürokauffrau es aber auch reizvoll, Einblicke in ganz verschiedene Betriebe und deren Arbeitsweise zu erhalten.

„Solange mich der Kunde braucht“

Reiner Hahn und Cornelia Völske sind bei Randstad als Zeitarbeitskräfte angestellt. Ihre Arbeitsleistung erbringen sie aber für die Kunden des Personaldienstleisters, der in Deutschland Marktführer ist. Cornelia Völske war bisher in 29 verschiedenen Firmen eingesetzt. Manchmal nur für wenige Tage, einmal auch für ein ganzes Jahr. „Je nachdem, wie lange mich der Kunde braucht.“ Nicht immer sind die Zeitarbeitskräfte in ihrem erlernten Beruf tätig. Reiner Hahn hat schon viele verschiedene Arbeiten erledigt: Im Lager eines Klinikums in Neukölln hat er zum Beispiel viereinhalb Jahre lang Pflegematerial verwaltet und auf die Stationen geliefert.

Da die beiden Zeitarbeitskräfte bei Randstad fest angestellt sind, erhalten sie auch dann ihren Lohn, wenn der nächste Auftrag sich nicht nahtlos anschließt. Bis zu einem gewissen Maß werden in diesen „Einsatzpausen“ auch Überstunden, die in einem Arbeitszeitkonto erfasst sind, abgebaut. Mangels Aufträgen in der näheren Umgebung wurde Cornelia Völske von März bis Juni dieses Jahres zum ersten Mal weiter weg, ins 100 Kilometer entfernte Schwerin geschickt. Die Unterbringung im Hotel hat Randstad bezahlt.

„Manche gehen auf Distanz“

Ihre Schwerbehinderung ist für Reiner Hahn und Cornelia Völske bei der Arbeit kein Thema. Mit seinem Rückenleiden kann der heute 59-Jährige zwar nicht „jede“ Arbeit annehmen, aber spezielle Hilfsmittel benötigt er nicht. Ähnlich bei seiner Kollegin, die auf einem Ohr taub ist und unter Tinnitus leidet: „Mein Arbeitsplatz darf nicht zu laut sein. Ein Großraumbüro mit vielen Hintergrundgeräuschen wäre zum Beispiel ungeeignet.“ Ihr Disponent bei Randstad weiß Bescheid und achtet bei der Auswahl des Einsatzortes und der Tätigkeit darauf.

An seine Rolle als „fremde Aushilfe“ musste sich Reiner Hahn, der eher ein bodenständiger und geselliger Typ ist, erst gewöhnen. Nicht immer wird er in den Betrieben freundlich empfangen: „Manche Kollegen gehen auf Distanz.“ Er weiß, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten fürchten Mitarbeiter der Stammbelegschaft die Konkurrenz der Zeitarbeitsfirmen besonders. Reiner Hahn hatte sich vor 13 Jahren für die Zeitarbeit entschieden, weil es für ihn der einzige Weg aus der Arbeitslosigkeit schien. Dafür nahm er auch Lohneinbußen von 20 Prozent in Kauf. Sein Rat für alle, die Zeitarbeit ins Auge fassen: Sich vorher gut über die arbeitsvertraglichen Bedingungen informieren und einen seriösen Anbieter auswählen.

 

 

 

 

 

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