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Mann und Frau streiten sich / (c) Inkastudio/iStockphoto ZB 4/2010

Das Integrationsamt

Vermittler zwischen Schwerbehindertenvertretung und Arbeitgeber

Die Schwerbehindertenvertretungen sind für die Integrationsämter zweifelsohne wichtige Partner. Doch gilt das auch umgekehrt. Wie das Integrationsamt die Arbeit der Schwerbehindertenvertretung unterstützt.

Die Schwerbehindertenvertretung bewegt sich in einem Dreiecksverhältnis, das heißt, sie kümmert sich um drei Partner: Für die behinderten Beschäftigten im Betrieb oder in der Dienststelle setzt sie sich als deren Interessenvertretung ein. Für den Arbeitgeber liegt der Wert ihrer Arbeit in ihrer Berater- und Expertenrolle. Für das Integrationsamt ist sie ein im Betrieb etablierter Ansprechpartner.

Die Schwerbehindertenvertretung kennt die Gegebenheiten vor Ort wie auch die Beschäftigten und wird frühzeitig auf Probleme am Arbeitsplatz aufmerksam. Für das Integrationsamt sind die Schwerbehindertenvertreter auch deshalb wichtige Verbindungsleute, weil sie vielfach den Zugang zum Betrieb erleichtern, wichtige Informationen geben oder im Rahmen ihres Initiativrechts Kontakt zum Integrationsamt aufnehmen können. Doch welche Bedeutung hat umgekehrt das Integrationsamt für die Schwerbehindertenvertretung? Wie unterstützt es die Arbeit der Vertrauenspersonen? Die Rolle des Integrationsamtes in der Beziehung zur Schwerbehindertenvertretung entspricht der eines Vermittlers – und zwar in dreifacher Bedeutung des Begriffs „vermitteln“.
Es vermittelt ...

  • Wissen über die Aufgaben und die Bedeutung des Amtes,
  • Kontakte zu anderen Vertrauensleuten, zu anderen Stellen,
  • im Konfliktfall bei unterschiedlichen Standpunkten und Interessen zwischen Arbeitgeber und Schwerbehindertenvertretung.


Wissen vermitteln ...

Eine der gesetzlich definierten Aufgaben der Integrationsämter besteht darin, die Funktionsträger nach dem Sozialgesetzbuch IX bei der Ausübung ihres Amtes durch Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen zu unterstützen. Dies erfüllen die Integrationsämter durch entsprechende Seminarangebote, Publikationen, Internet-Angebote und Veranstaltungen. Denn das entsprechende Wissen wie auch die Fähigkeit und die Motivation, dieses anzuwenden, sind unerlässliche Voraussetzungen für den Erfolg als Schwerbehindertenvertretung. Doch das allein reicht nicht aus – der Rückhalt des Arbeitgebers ist eine weitere Voraussetzung.

Den Integrationsämtern bleibt nicht verborgen, dass es Arbeitgeber gibt, die Aufgaben und Möglichkeiten der  Schwerbehindertenvertretung nicht richtig kennen, oder auch solche, die das Amt eher für verzichtbar halten. Das Resultat ist, dass sie die Schwerbehindertenvertretung eben nicht wie vorgesehen einbinden.

... und Arbeitgeber aufklären

Hier können die Integrationsämter zum einen aufklären, indem sie das notwendige Wissen um die Aufgaben, Rechte und Pflichten der Schwerbehindertenvertretung den Arbeitgebern vermitteln. Zum anderen können die Integrationsämter die  Schwerbehindertenvertretung unterstützen, wenn es um die Einhaltung der für ihre Arbeit wesentlichen Vorschriften geht. Denn dass eine gute Kooperation zwischen Arbeitgeber und Schwerbehindertenvertretung für den Betrieb einen hohen Nutzen hat, zeigt sich an der Umsetzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM). In vielen Betrieben und Dienststellen waren es - wie eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität zu Köln gezeigt hat - die  Schwerbehindertenvertretungen, die initiativ geworden sind und sich für die Einführung des BEM stark gemacht haben. Und die Integrationsämter haben im Austausch mit den betrieblichen Vertretern Kurse und Handlungsempfehlungen zum BEM entwickelt, die vielerorts angewendet werden.

Kontakte vermitteln

Anders als der Betriebs- oder Personalrat ist die Schwerbehindertenvertretung kein Kollektivorgan sondern alleine oder mit Stellvertreter tätig. Dies birgt die Gefahr des Einzelkämpfertums und der Isolierung in sich. Hier bieten die Integrationsämter zum einen über ihre Seminare und sonstigen Veranstaltungen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu Vertrauensleuten aus anderen Betrieben und fordern zum anderen Netzwerke von Vertrauensleuten. Darüber hinaus ist auf der Internetseite der BIH mit den Diskussionsforen eine Plattform entstanden, auf der Schwerbehindertenvertreter untereinander Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen konnen.

Bei Konflikten vermitteln ...

Die Schwerbehindertenvertretung ist in allen Angelegenheiten zu beteiligen, die schwerbehinderte Menschen einzeln oder als Gruppe betreffen. Das ist eine weit gefasste gesetzliche Regelung, die im positiven Sinne einen breiten Handlungsrahmen eröffnet. Doch zeigt die Praxis, dass dieser weite Auslegungsspielraum gerade nicht genutzt wird und Schwerbehindertenvertretungen immer wieder um ihre Beteiligung kämpfen müssen, ja manchmal sogar vor Gericht streiten.

Hier treten die Integrationsämter dafür ein und beraten Arbeitgeber  dahingehend, diese rechtliche Regelung - auch in ihrem eigenen Interesse - weit auszulegen und die Schwerbehindertenvertretung möglichst umfassend zu beteiligen. In der Frage, wie vorgegangen werden soll, wenn Arbeitgeber die Regelungen missachten, setzen die Integrationsämter eher darauf, alle Möglichkeiten einer Verständigung zu nutzen, als auf eine gerichtliche Auseinandersetzung zur Durchsetzung der Rechte.

... und Kompromissefinden

In diesem gelegentlichen Spannungsfeld ist für die Rolle des Integrationsamtes wichtig, die Standpunkte beider Seiten zu beleuchten, Interessen abzuwägen und die Durchsetzung berechtigter Interessen zu unterstützen. Zu vermitteln heißt hierbei oft auch: einen klugen Mittelweg finden, einen Kompromiss empfehlen, der beide Seiten zufrieden stellt. Dabei setzen die Integrationsämter als Leitlinie sowohl für ihr eigenes Handeln wie auch als Empfehlung an die handelnden Akteure im Betrieb eher auf Kooperation als auf Konfrontation.

Zukunftsaufgaben gemeinsam anpacken

Hinter den Schlagworten demografischer Wandel, Umsetzung der Behindertenrechtskonvention und Inklusion stehen Aufgaben, die nur gemeinsam bewältigt werden können. In Bezug auf die Teilhabe behinderter Menschen heißt "gemeinsam": Arbeitgeber - behinderte Menschen - ihre Interessenvertretungen - Institutionen wie die Integrationsämter.

Wie können Schwerbehindertenvertretungen und Arbeitgeber dazu beitragen, dass die Zusammenarbeit gelingt? Als Richtschnur für ihr Handeln empfehlen die Integrationsämter:

  • Miteinander kommunizieren, Austausch halten
  • Betriebliche Lösungen suchen
  • Verlässliche Vereinbarungen treffen
  • Wirkungen von Maßnahmen überprüfen
  • Optimierungsbedarf gemeinsam anpacken
  • Die "weichen Faktoren" nicht vergessen: Vertrauen aufbauen und
    ein gewisses Maß an Gelassenheit bewahren!

Diese Regeln lassen sich nicht per Gesetz verordnen. Sie sind aber für ein gemeinsames Handeln unverzichtbar.

 

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.