Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

Börse Frankfurt ZB 4 / 2008

Dax-Unternehmen

Wie sieht es bei ihnen mit der Beschäftigung aus?

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) veranlasste im Frühjahr 2008 eine Umfrage bei Dax-Unternehmen zur Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Caspar Dohmen, Wirtschaftskorrespondent bei der SZ, fasst für die ZB die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Vom mehrjährigen Aufschwung der Wirtschaft in Deutschland profitiert mit den schwerbehinderten Menschen zunehmend eine der Problemgruppen des deutschen Arbeitsmarktes. Bei 13 der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen stieg der Anteil schwerbehinderter Menschen an ihrer inländischen Belegschaft an, zehn hielten den Anteil konstant – nur vier meldeten einen Rückgang. Das ergab eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung im Frühjahr 2008 unter den 30 Firmen, die im Deutschen Aktienindex (Dax) notiert sind. Drei Unternehmen machten keine Angaben: Deutsche Bank, Deutsche Börse und der Reifenhersteller Continental.

Viele Unternehmen verfehlen Pflichtquote

Große Firmen gelten als guter Indikator für die Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen, weil sie vergleichsweise mehr Betroffene beschäftigen als kleinere Betriebe. Der positive Trend der Umfrage deckt sich mit Angaben der Bundesagentur für Arbeit. Demnach ist die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen innerhalb von zwölf Monaten bis Ende 2007 um 20.000 auf 170.000 gesunken. Bei einigen Dax-Unternehmen hat der Anteil schwerbehinderter Beschäftigter trotz allgemeinem Stellenabbau zugenommen.

Von den auskunftswilligen Unternehmen weisen der Softwarekonzern SAP, der Touristikkonzern TUI, der Waschmittelhersteller Henkel, der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, der Rückversicherer Münchener Rück und der Sportartikelhersteller Adidas den geringsten Anteil schwerbehinderter Beschäftigter auf – sie kommen auf Quoten unter 2,6 Prozent. Die meisten Dax-Unternehmen verfehlen die Pflichtquote von fünf Prozent. Die Vorgabe schaffen laut eigenen Angaben nur die Autohersteller VW, Daimler und BMW, der Stahlkonzern Thyssen-Krupp, der Nutzfahrzeughersteller MAN, Deutsche Post, Telekom und Eon. Als Haupthindernisse für die Einstellung schwerbehinderter Menschen gaben die Arbeitgeber häufig den besonderen Kündigungsschutz für diese Beschäftigtengruppe und hohe Leistungsanforderungen von Arbeitsstellen an.

Deutsche Post größter Arbeitgeber

Zwei Drittel der Dax-Konzerne zahlten nach eigenen Angaben zuletzt Ausgleichsabgabe. Bei TUI waren dies beispielsweise über 712.000 Euro, bei Allianz 565.000 Euro oder bei Merck 120.000 Euro. Enorme Unterschiede gibt es bei der absoluten Zahl schwerbehinderter Beschäftigter. Unter den 30 größten börsennotierten deutschen Gesellschaften liegt die Deutsche Post mit knapp 11.000 schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorne. Die geringste Bedeutung spielte der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate mit gerade einmal 17 schwerbehinderten Beschäftigten.

Ziemlich düster sieht es mit der Ausbildung aus. Ob Fresenius Medical, Henkel, Merck, Linde, Adidas oder SAP – sie alle haben maximal zwei Auszubildende mit einer Schwerbehinderung. Vorne liegt die Telekom mit 92 schwerbehinderten Auszubildenden, gefolgt von Metro mit 64, Daimler mit mehr als 54, Eon mit 47 und Volkswagen mit 23 jungen Menschen in betrieblicher Ausbildung.


Anmerkung der Redaktion: Der Beitrag spiegelt die Situation der Unternehmen vor der weltweiten Finanzkrise wieder. Welche Auswirkungen sie auf die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen haben wird, ist noch nicht abzusehen.

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2019 2018 2017 2016
2015 2014 2013 2012
2011 2010 2009 2008
2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.