Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

ZB 1/2013

Übergang Schule-Beruf

Wie geht es nach der Schule weiter?

Eine individuelle betriebliche Qualifizierung macht behinderte junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf fit für den Arbeitsplatz. Dies zeigt auch das Beispiel von Udo Gottal aus Nürnberg.

Udo Gottal bei der Arbeit in der Druckerei, (c) IFD gGmbH Nürnberg
Udo Gottal in der Druckerei, (c) IFD gGmbH Nürnberg
Das Surren der Druckmaschinen klingt in Udo Gottals Ohren inzwischen vertraut. Es vermittelt ihm Sicherheit, genauso wie die Routine seiner täglichen Aufgaben und die Kameradschaft unter den Kollegen in der kleinen Nürnberger Druckerei. Die Druck.Art GmbH ist ein Familienunternehmen mit einem halben Dutzend Angestellten.

Firmenchef Roland Scherber erinnert sich noch genau, wie er Udo Gottal kennenlernte: Eine Dame vom Integrationsfachdienst (IFD) Mittelfranken erkundigte sich nach einem Praktikumsplatz für einen geistig behinderten Schüler. „Das kam zwar etwas überraschend, aber ich war auch neugierig zu sehen, ob das bei uns funktionieren könnte“, gesteht Roland Scherber. Und Michaela Fröhlich vom IFD ergänzt: „Auf den ersten Blick erschien die Arbeit in einer Druckerei für jemanden, der Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat, nicht gerade naheliegend.“ Trotzdem waren sich alle einig, einen Versuch zu starten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Udo Gottal schon einige Berufsbereiche kennengelernt: Weil sich der junge Mann eine „saubere“ Arbeit wünschte und gerne kochte, organisierte die Integrationsberaterin zuerst ein Praktikum in einer Großküche. Doch bereits nach einer Woche war klar, dass dieser Arbeitsbereich nicht seinen Fähigkeiten entsprach. Danach war Udo Gottal Praktikant im Warenlager einer großen Supermarktkette. Dort stapelte er Kartons, entlud LKW und brachte Waren in die Verkaufsräume. Die Tätigkeit an sich gefiel ihm zwar, aber mit den Arbeitsbedingungen im Lager kam er nicht zurecht. Ein dritter Betrieb musste gefunden werden. Der sollte ähnliche Aufgaben, aber ein kleineres, überschaubares Arbeitsumfeld mit klaren Strukturen bieten. Die Druckerei in Nürnberg entsprach diesem Profil.

Udo Gottal bekam zunächst einfache Helfertätigkeiten übertragen, wie Kartons falten und stapeln. Weil das gut klappte, wurde sein Aufgabengebiet Stück für Stück erweitert. „Dass er sich so gut mit den Leuten dort versteht, gibt ihm viel Selbstvertrauen und Sicherheit“, sagt Michaela Fröhlich. Aus dem Praktikanten Udo Gottal wurde nach wenigen Wochen eine Art „Azubi“, mit dem die Integrationsberaterin jeden Arbeitsschritt so lange einübte, bis er saß. Außerdem begleitete sie ihn mehrere Male auf dem Arbeitsweg, so dass er heute selbstständig mit dem Bus zur Arbeit fahren kann. Nach einer zehnmonatigen Qualifizierung, die als „Unterstützte Beschäftigung“ von der Arbeitsagentur finanziell gefördert wurde, hatte Udo Gottal einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Produktionshelfer in der Tasche.


Info: Betriebliche Qualifizierung

Wenn die eigenen Fähigkeiten im Grenzbereich zwischen einer Werkstatt für behinderte Menschen und dem allgemeinen Arbeitsmarkt liegen, sind in der Regel die Anforderungen einer Berufsausbildung – und manchmal auch die einer Ausbildung nach besonderen Regelungen für behinderte Menschen – zu hoch. Doch es gibt noch einen anderen Weg: Die Betroffenen werden von einem Job-Coach an einem konkreten Arbeitsplatz im Betrieb individuell qualifiziert.

 

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2016 2015 2014 2013
2012 2011 2010 2009
2008 2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.