Symbol Gebärdensprache Symbol Leichte Sprache

Behinderung
&
Beruf

Mitarbeiter bei Gera Chemie

ZB 3/2006

Beispiele aus der Praxis

Auch die Kleinen profitieren

Wie man ein Betriebliches Eingliederungsmanagement in einem kleinen Unternehmen erfolgreich realisieren kann, hat die Firma Gera Chemie in Oberhausen vorgemacht. Dabei übernehmen die zwölf Beschäftigten eine aktive Rolle.

„Angefangen hat alles vor drei Jahren: Eine Mitarbeiterin in der Produktion klagte ständig über Rücken- und Gelenkschmerzen. Selbst nach einem normalen Arbeitstag war sie am Ende ihrer Kräfte. Immer häufiger fehlte sie. Wir befürchteten, dass sie überhaupt nicht mehr auf die Beine kommt“, erinnert sich Gerd Kleemeyer. Der Geschäftsführer von Gera Chemie, einem kleinen Unternehmen, das Materialien für den Fußbodenaufbau herstellt, wollte jedoch seine langjährige Mitarbeiterin auf keinen Fall verlieren. „Seit 25 Jahren ist sie bei uns. Die Kollegen bauen auf ihre Erfahrung und für die Jüngeren ist sie ein Vorbild.“

Wir brauchen das BEM!

Die Frage war nur: Was kann der Betrieb tun? Gerd Kleemeyer wandte sich an einen regionalen Gesundheitsdienstleister, um sich beraten zu lassen. Dort erfuhr er, was es grundsätzlich an Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung gibt, welche finanzielle Unterstützung Betriebe dafür erhalten können und welche Stellen zuständig sind. Da die Mitarbeiterin von Gerd Kleemeyer schwerbehindert war, wurde das Integrationsamt beim Landschaftsverband Rheinland in Köln hinzugezogen. Die Fachleute empfahlen zunächst, den Arbeitsplatz technisch umzurüsten. So wurde etwa ein schwerer Handkran durch eine spezielle Vorrichtung an einem bereits vorhandenen Gabelstapler ersetzt. Um die Mitarbeiterin weiter körperlich zu entlasten, erhielt sie teilweise neue Aufgaben. Zum Beispiel unterweist sie heute Kollegen an Maschinen, die sie früher selbst bedient hat. Da sie dennoch ihr früheres Leistungsvermögen nicht mehr ganz erreicht, erhält der Arbeitgeber vom Integrationsamt als Ausgleich einen Zuschuss zu den Lohnkosten. „Diese Erfahrung hat uns bewusst gemacht, wie wichtig es ist, frühzeitig und systematisch einzugreifen, wenn einer unserer Mitarbeiter gesundheitliche Probleme hat. Deshalb haben wir das Betriebliche Eingliederungsmanagement eingeführt“, so der 46-jährige Geschäftsführer.

Kollege des Vertrauens

Bei dem kleinen Unternehmen ohne Betriebsrat oder Schwerbehindertenvertretung lag es nahe, den Mitarbeitern dabei eine aktive Rolle zu übertragen. Die Idee war, dass jeder Mitarbeiter im Vorfeld einen Kollegen seines Vertrauens benennt, der im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit aktiv wird. Seine Unterstützung besteht vor allem darin, herauszufinden, wo es passende Hilfeangebote gibt, und die entsprechenden Fachleute einzuschalten. Als Orientierungshilfe hat die Firma mit Fachleuten eine schriftliche Anleitung für die Kollegen erarbeitet. Gezielte Fragen und Antworten führen Schritt für Schritt zu konkreten Handlungsanweisungen, zum Beispiel: „Den Ansprechpartner beim Integrationsamt anrufen, Telefon ...“ Ist der Fall etwas komplizierter oder sind die erforderlichen Maßnahmen aufwändiger, kann die „Vertrauensperson“ selbstständig den externen Berater der Firma einschalten, der sich um alles Weitere kümmert. „Das Betriebliche Eingliederungsmanagement hat bei uns ein neues WIR-Gefühl geschaffen. Die Mitarbeiter haben sich sogar gewünscht, das Firmenlogo auf ihrer Arbeitskleidung zu tragen“, freut sich Gerd Kleemeyer.

| Bild:
Gerd Kleemeyer
Geschäftsführer | "Das BEM hat ein neues WIR-Gefühl geschaffen."

ZB Online

Alle Ausgaben
Aktuelle Ausgabe
2019 2018 2017 2016
2015 2014 2013 2012
2011 2010 2009 2008
2007 2006 2005

Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.