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Behinderung
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Beruf

Titel der ZB Zeitschrift, (c) BDA ZB 1-2014

WIR brauchen SIE

Gefordert ist ein WIR

Im Herbst 2014 wird in den Betrieben die Schwerbehindertenvertretung gewählt: Ihr ehrenamtliches Engagement wird geschätzt, auch und nicht zuletzt von Arbeitgebern. Interview mit dem neuen Arbeitgeberpräsidenten Ingo Kramer.

 

Herr Kramer, nach vier Jahren steht nun wieder die Wahl der Schwerbehindertenvertretung (SBV) an. Welche Bedeutung hat dieses Amt aus Ihrer Sicht? Was kann die SBV bewirken?


Ingo Kramer Die SBV hat besonderes Fachwissen und Expertise. Sie ist für uns Arbeitgeber wichtig und als Ansprechpartner geschätzt. Entscheidend für einen erfolgreichen Umgang mit dem Thema Schwerbehinderung im Unternehmen ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, von der letztlich alle im Betrieb profitieren: Arbeitgeber, schwerbehinderte Mitarbeiter und Mitarbeiter ohne Behinderung.

BRÜCKEN BAUEN

Sie führen selbst ein traditionsreiches mittelständisches Unternehmen. Wie sieht Ihre Vorstellung von einer inklusiven Arbeitswelt aus?

Kramer
Wir müssen erreichen, dass alle Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – ihre individuellen Kompetenzen und Fähigkeiten bestmöglich entfalten können. Hierfür setze ich mich zum Beispiel auch als Vorsitzender der Stiftung der Deutschen Wirtschaft ein. Eine inklusive Gesellschaft hilft nicht nur den Betroffenen, im Gegenteil: Etliche Unternehmen wissen, dass ihnen die Potenziale von Menschen mit Handicap sehr nützlich sein können. SAP zum Beispiel hat vor einigen Monaten angekündigt, künftig mit einem Spezialunternehmen zusammenzuarbeiten, um Menschen mit Autismus als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung einzustellen. Das Unternehmen will die einzigartigen Talente von Menschen mit Autismus gezielt nutzen und ihnen helfen, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Behindert bedeutet eben nicht automatisch leistungsgemindert. Um das bestehende Engagement der Unternehmen bekannter zu machen, Hilfestellungen zu geben und zum Nachahmen anzuregen, hat die BDA gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Kampagne "Inklusion gelingt!" gestartet. Damit möchten die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft die Inklusion vorantreiben und Brücken für Menschen mit Behinderung in Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft bauen.

NETZWERKE KNÜPFEN

Wie können Betriebe und Unternehmen konkret vom Engagement einer SBV profitieren?

Kramer Durch eine enge Zusammenarbeit von Arbeitgebern, Schwerbehindertenvertretung und Betriebsrat können sinnvolle Regelungen und Hilfen für langzeiterkrankte sowie gesundheitlich eingeschränkte Mitarbeiter erarbeitet werden. Angesichts der immer älter werdenden Belegschaften werden Angebote im Rahmen einer demografiefesten Personalpolitik weiter an Bedeutung gewinnen, die darauf abzielen, die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und Potenziale von Menschen mit Handicaps besser zu erschließen. Hierbei sind das Fachwissen und die Erfahrung der Schwerbehindertenvertreter oft von unschätzbarem Wert.


Die neue Bundesregierung spricht sich in ihrem Koalitionsvertrag für eine Stärkung der Schwerbehindertenvertretungen aus. Würden Sie diese Forderung unterstützen? Und wenn ja, wie?

Kramer Grundsätzlich kann ich nichts Verkehrtes daran finden, wenn die Arbeit der Schwerbehindertenvertretungen mehr Beachtung und praktische Unterstützung erfährt, indem zum Beispiel die Arbeitsagenturen und Job- Center noch enger mit den Schwerbehindertenvertretungen zusammenarbeiten und diese als Ansprechpartner im Betrieb nutzen. Das erhöht die Chancen für arbeitslose schwerbehinderte Menschen, den Einstieg beziehungsweise Wiedereinstieg in Arbeit zu schaffen. Im Rahmen des Projekts "Wirtschaft inklusiv", das von den in der Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante berufliche Rehabilitation zusammengeschlossenen Bildungswerken der Wirtschaft durchgeführt wird, soll es gerade auch darum gehen, noch bessere Netzwerke und Kontakte zwischen den Akteuren vor Ort zu schaffen. Auch hier werden die Schwerbehindertenvertretungen eine wichtige Rolle spielen. Ich würde mir auch wünschen, dass die Schwerbehindertenvertretungen, die in der Regel ja den Betrieb sehr gut kennen, noch mehr als Unterstützer der Arbeitgeber verstanden werden – zum Beispiel indem sie bei der Suche nach Arbeitsplätzen helfen, die für die Besetzung mit einem schwerbehinderten Menschen überhaupt in Frage kommen. Weitere gesetzliche Regulierungen brauchen wir für all dies jedoch nicht.

GUTES MITEINANDER

Was möchten Sie den Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt der SBV mit auf den Weg geben?

Kramer Ich finde es vorbildlich, wenn sich Menschen über ihren eigentlichen Job hinaus ehrenamtlich für Kolleginnen und Kollegen engagieren. Allen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich in diesem Jahr der Wahl zur Schwerbehindertenvertretung stellen, wünsche ich daher viel Erfolg! Und wenn gewählt ist, habe ich einen besonderen Wunsch an alle Schwerbehindertenvertretungen: Denken Sie nicht nur an Ihre schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen im Betrieb, sondern auch an die schwerbehinderten Menschen, die erst noch in Lohn und Brot kommen müssen. Stellen Sie den Arbeitsagenturen und den Integrationsämtern Ihr Fachwissen über die Arbeitsplatzanforderungen im Betrieb und die dazu passenden Talente behinderter Menschen zur Verfügung, um geeignete Arbeitsplätze zu akquirieren. Entscheidend für den Erfolg ist ein stets konstruktives Miteinander aller Beteiligten.

 

PORTRÄT

Portrait von Ingo Kramer, (c) BDA
(c) BDA
Ingo Kramer

Im November 2013 wurde Ingo Kramer (61) zum neuen Arbeitgeberpräsidenten gewählt. Er folgte Dieter Hundt an die Spitze der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Der Familienunternehmer führt in dritter Generation eine Anlagenbaufirma in Bremerhaven – die J. Heinr. Kramer Gruppe – mit rund 260 Beschäftigten.

Seit mehr als zehn Jahren ist Ingo Kramer Präsidiumsmitglied der BDA. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur ist außerdem Mitglied im Vorstand des Arbeitgeberverbandes Nordmetall. In seiner Freizeit betätigt sich der vierfache Familienvater als Hobbysegler und ehrenamtlicher Seenotretter.

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.