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Behinderung
&
Beruf

ZB 1-2015

Beauftragte des Arbeitgebers

Für den Chef im Team

Der Arbeitgeberbeauftragte ist ein wichtiger Akteur im betrieblichen Integrationsteam. Aber welche Aufgaben hat er genau? Und wie kann er sich dort einbringen?

Porträt von Silvia Traute, (c) Karsten Socher
Silvia Traute leitet die Personalabteilung einer Sparkasse und ist zudem Beauftragte des Arbeitgebers, (c) Karsten Socher
Der Arbeitgeber bestellt einen Beauftragten des Arbeitgebers, wenn er einen schwerbehinderten Menschen beschäftigt. In der Praxis wird dies in größeren Betrieben der Fall sein. Allerdings wird davon noch zu wenig Gebrauch gemacht. Der Arbeitgeberbeauftragte dient als Ansprechpartner auf Arbeitgeberseite, der sich mit den Problemen von und den Möglichkeiten für schwerbehinderte Beschäftigte auskennt. Er unterstützt den Arbeitgeber bei seiner besonderen Fürsorgepflicht gegenüber schwerbehinderten Menschen. Außerdem berät er ihn so, dass er seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommt. Zu diesen Pflichten gehört beispielsweise zu prüfen, ob freie Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Mitarbeitern besetzt werden können, und schwerbehinderte Menschen ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen.

Unternehmen profitieren Gerade kleinere und mittlere Unternehmen können von einem Arbeitgeberbeauftragten profitieren. So kennt dieser die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten des Integrationsamtes für die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen. Der Beauftragte des Arbeitgebers weiß, unter welchen Voraussetzungen Hilfe beantragt werden kann. Der Arbeitgeber kann den Beauftragten bevollmächtigen, rechtsverbindliche Erklärungen abzugeben. Dieser kann dann beispielsweise beim Integrationsamt einen Antrag auf Förderung stellen. Jetzt, nach der SBV-Wahl, sollte der Arbeitgeberbeauftragte auf die Vertrauensperson zugehen.

Im Gegensatz zur Schwerbehindertenvertretung wird der Arbeitgeberbeauftragte nicht gewählt, sondern vom Arbeitgeber benannt. Das Gesetz empfiehlt, einen schwerbehinderten Menschen für diese Position zu bestellen. Das kann eine größere Nähe zum Thema bedeuten. Kenntnisse im Arbeits-, aber auch im Schwerbehindertenrecht sind wichtig in dieser Funktion. Häufig werden deshalb auch Mitarbeiter der Personalabteilung für das Amt ausgewählt. Im Ausnahmefall kann bei kleinen Betrieben der Arbeitgeber selbst die Funktion übernehmen.

Balance-Akt Gemeinsam mit der Schwerbehindertenvertretung und dem Betriebsoder Personalrat bildet der Beauftragte des Arbeitgebers das betriebliche Integrationsteam. Er arbeitet hier aktiv mit. Dabei muss er das Augenmerk auf zwei Positionen richten: Er ist vom Arbeitgeber benannt und hat dessen Interessen im Blick. Gleichzeitig ist er Teil des Integrationsteams, engagiert sich in dieser Funktion für die Belange der schwerbehinderten Menschen und bringt beispielsweise aktuelle Informationen aus der Geschäftsführung ein. Der Ausgleich verschiedener Interessen kann die Tätigkeit zur Herausforderung machen. Dann muss es dem Team gelingen, Lösungen und Argumente zu finden, die allen Seiten gerecht werden.

Die Verpflichtung, einen Arbeitgeberbeauftragten einzusetzen, besteht unabhängig davon, ob es eine Schwerbehindertenvertretung im Betrieb oder in der Behörde gibt. Allerdings folgen keine rechtlichen Sanktionen, wenn der Arbeitgeber dieser Verpflichtung nicht nachkommt. In der Praxis ist die gesetzliche Regelung vielen kleinen und mittleren Betrieben nicht bekannt. Deshalb werden häufig keine Beauftragten benannt, so die Erfahrung von Manfred Otto-Albrecht, Leiter des Hamburger Projektes Wirtschaft inklusiv. Zahlen liegen nicht vor. Die Integrationsämter begrüßen es, wenn ihnen die Arbeitgeberbeauftragten als Ansprechpartner genannt werden.


WEITERE INFORMATIONEN

 

Die Aufgaben des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber kann seine Aufgaben nach § 98 Sozialgesetzbuch (SGB) IX an den Beauftragten delegieren:

  • Prüfen, ob freie Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzt werden können.
  • Bei der Agentur für Arbeit Vermittlungsangebote anfordern.
  • Die Schwerbehindertenvertretung über Bewerbungen schwerbehinderter Menschen informieren.
  • Sicherstellen, dass die Schwerbehindertenvertretung bei allen Angelegenheiten, die Menschen mit Schwerbehinderung betreffen, angehört wird.
  • Darauf achten, dass im Unternehmen eine Integrationsvereinbarung abgeschlossen wird.
  • Darauf hinwirken, dass Prävention und Betriebliches Eingliederungsmanagement durchgeführt werden.
  • Das Integrationsamt über beabsichtigte Kündigungen informieren und dessen Zustimmung einholen.

Kurse

Die Integrationsämter bieten Kurse an, in denen sich der Beauftragte des Arbeitgebers das notwendige Fachwissen aneignen kann.

Das Angebot besteht aus verschiedenen Modulen:

  • Grundlagen im Schwerbehindertenrecht
  • Kurse zu ausgewählten Fachthemen
  • Informationsveranstaltungen

Mehr unter: www.integrationsaemter.de/kurs-vor-ort


STATEMENT

Porträt von Ingo Kramer, (c) BDA
Ingo Kramer, (c) BDA
"Viele Unternehmen setzen sich seit Langem dafür ein, noch mehr Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen. Rund eine Million schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung belegen dieses Engagement. Die Beauftragten des Arbeitgebers leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie in der betrieblichen Praxis die konstruktive Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten unterstützen. Sie sind kompetente Ansprechpartner für die Arbeitgeber."

Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

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Wichtiger Hinweis:
Die Artikel im ZB-Archiv geben die jeweils gültige Rechtslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Integrationsamt.